Devisenmarkt

1,40 Dollar scheinen für den Euro kurzfristig möglich

04. September 2007 Der Dienstag war für den Euro zunächst kein guter Tag. Deutlich gab die europäische Einheitswährung gegenüber dem Dollar um 0,46 Prozent nach, konnte sich dann vom Tagestief bei 1,355 Dollar für den Euro wieder auf 1,3599 Dollar erholen.

Grund waren Sorgen, die Hypothekenkrise könne das Wachstum in Europa dämpfen. Die UBS senkte die Gewinnerwartungen für europäische Banken um fünf Prozent, eine Zinserhöhung
durch die EZB galt am Donnerstag Händlern zufolge als nahezu vom Tisch.

Schwächeres Wachstum in der Eurozone

Hintergrund war, dass sich das Wirtschaftswachstum in Europa zwischen April und Juni abgeschwächt hat. In den 13 Staaten der Eurozone wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal nur noch um 0,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lag das Wachstum in der Eurozone im zweiten Quartal bei 2,5 Prozent, in alle 27 EU-Ländern bei 2,8 Prozent, im ersten Quartal hatte das Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch 3,2 Prozent betragen.

In Deutschland wuchs die Wirtschaft laut Eurostat um 0,3 Prozent im zweiten Quartal nach 0,5 Prozent zwischen von Januar bis März. Im Vergleich zum Vorjahr lag das Wachstum im zweiten Quartal demnach bei 2,5 Prozent. Laut vorläufigen Eurostat-Berechnungen, für die Daten aus erst 18 EU-Ländern vorlagen, stützte der private Konsum das Wachstum im zweiten Quartal. Die Ausgaben der privaten Haushalte in der Eurozone lagen im zweiten Quartal um 0,5 Prozent höher als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Dagegen verringerten sich die Investitionen der Wirtschaft um jeweils 0,2 Prozent.

Im Grunde weiter in der Handelsspanne

„Die Kursverluste des Euro passen eigentlich nicht in das Gesamtbild“, sagte auch Devisenexperte Thomas Amend von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Sowohl robuste Aktienmärkte als auch die überwiegend feste Tendenz am Anleihenmarkt hätten den Euro eigentlich stützen müssen.

Auch am Tage veröffentlichte Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten sprächen mehr für als gegen den Euro. So war der ISM-Einkaufsmanagerindex im August etwas stärker als erwartet gesunken. Die amerikanischen Bauausgaben waren im Juli unerwartet zurückgegangen.

„Der Euro hat zwar etwas verloren, die Kursbewegungen sind aber nicht dramatisch gewesen“, sagte Amend. Im Grunde habe sich der Euro in der Nähe seiner Handelsspanne der vergangenen Tage bewegt. Nach wie vor spreche die fundamentale Situation eher für den Euro und gegen den Dollar.

Sollte die amerikanischen Hypothekenkrise merklich auf die Konjunktur der Vereinigten Staaten übergreifen, würde dies den Euro deutlich beflügeln. „Perspektivisch halte ich einen Anstieg des Euro in Richtung 1,40 Dollar für nicht unwahrscheinlich“, sagte Amend.

1,40 Dollar sind vorübergehend möglich

Auch die Analysten der österreichischen Raiffeisen Research sehen den Euro weiter aufwerten. Nur ein starker Anstieg der globalen Risikoaversion der Investoren habe den Dollar als Weltleitwährung vorübergehend begünstigt.

Denn während sich die Zinsen im Dollar tendenziell nach unten bewegen werden, wird die EZB, selbst wenn sie am Donnerstag darauf verzichten sollte, die Euro-Leitzinsen noch weiter anheben. Indes sei diese Leitzinsdifferenz bereits eingepreist, so dass von dieser Seite wenig Grund bestehe, warum der Euro-Dollar-Kurs sich in den kommenden Monaten im Mittel wesentlich vom aktuellen Niveau wegbewegen sollte.

Indes seien vorübergehende Erreichen neuer Euro-Dollar-Höchststände um 1,40 Dollar realistisch, sobald erste amerikanische Zinssenkungen, gepaart mit schwachen Wirtschaftsdaten, die die Analysten in den nächsten Wochen und Monate erwarten, den Markt noch aggressiver auf Zinssenkungen in Amerika spekulieren lassen. Doch da die RZB damit rechnet, dass die Erwartungen des Marktes überzogen sind, erwarten sie alsbald eine Korrektur und damit letztlich wenig Bewegung auf dieser Seite.

Auch die meisten anderen Volkswirte rechnen nicht damit, dass die EZB nicht von ihrem Kurs abweicht. Wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs und der damit verbundenen Inflationsgefahren rechnen die meisten Beobachter mit einem weiteren Schritt und 2008 mit auf längere Zeit stabilen Zinsen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET

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