15. April 2008 Der Neuseeland-Dollar profitierte im Rahmen des Rohstoffbooms der vergangenen Jahre, des hohen Risikoappetits der Anleger und der ausgeprägten Neigung zu den so genannten Carry Trades vom hohen Zinsvorsprung. Bei einem Zins von 8,6 Prozent bei einer Laufzeit von drei Monaten und von 6,4 Prozent für Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren können diese sich im internationalen Vergleich nach wie vor sehen lassen.
Er führte zusammen mit fallenden Zinsen in den Vereinigten Staaten dazu, dass die Währung Neuseelands von 39,25 amerikanischen Cents je Kiwi-Dollar im November des Jahres 2000 auf bis zu 81,78 Cents je Kiwi-Dollar im Februar des laufenden Jahres aufwertete. Ähnlich sah die Entwicklung gegen den japanischen Yen aus.
Robuste Währungsentwicklung in Europa ...
In den Jahren 2002 bis 2005 wertete die Währung sogar gegen den starken Euro auf. Seitdem allerdings geht es in einer sehr volatilen Bewegung seitwärts. Inzwischen liegt die neuseeländische gegen die europäische Währung 23 Prozent unter dem Allzeithoch, das im Dezember des Jahres 2005 erreicht worden war und knapp 20 Prozent unter dem Zwischenhoch vom Juli des vergangenen Jahres.
Die Währung Neuseelands dürfte in der näheren Zukunft in die Defensive geraten. Denn auf der einen Seite sind die inflationären Impulse in Europa hoch und hindern die Europäische Zentralbank, den Leitzins nach unten zu nehmen. Diese Tatsache könnte den Euro kurzfristig auf neue Höhen treiben, selbst wenn die Konjunktur aufgrund der starken Währung gebremst werden wird. Auf der anderen Seite kriselt es in der Wirtschaft des Landes am anderen Ende der Welt.
Die Einzelhandelsumsätze sind im Februar um 0,7 Prozent gefallen, da hohe Zinsen und gestiegene Nahrungsmittelpreise die Kaufkraft der Konsumenten beschneiden. Die Inflationsrate lag im ersten Quartal bei 3,4 Prozent auf Jahresbasis und damit über dem Zielkorridor der Zentralbank. Gleichzeitig nehmen die Preiszuwächse bei Immobilien ab, das Geschäft mit dem Verkauf von Häusern ist in den vergangenen Monaten massiv zurückgegangen. So dürfte es kaum verwundern, dass das Konsumentenvertrauen im ersten Quartal des laufenden Jahres auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen ist.
... gegen eine schwächelnde Wirtschaft in Neuseeland
Auch die Wirtschaft scheint nicht mehr sonderlich optimistisch zu sein: Das National Bank of New Zealand Business Confidence lag Ende März bei minus 57,9 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit 17 Jahren. Einzelhandels- und Bauunternehmen des Landes gehen davon aus, dass sich die Wirtschaft im laufenden Jahr deutlich abkühlen wird. Acht Prozent der Unternehmen wollen Arbeitnehmer entlassen, 45 Prozent rechnen mit fallenden Gewinnen und 38 Prozent wollen die Preise erhöhen, um auf diese Weise gestiegene Kosten zu kompensieren. Lag das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr noch bei 3,1 Prozent, so gehen die Prognosen für das laufende Jahr gerade noch von der Hälfte aus.
Trotz der ökonomischen Schwächezeichen dürfte die Zentralbank aufgrund der Inflationsentwicklung bis auf weiteres nur bedingten Zinssenkungsspielraum haben. Das heißt, hohe Zinsen dürften die Wirtschaft weiterhin belasten. Auch aus einem anderen Grund könnten diese notwendig sein. Denn Neuseeland verbucht ausgeprägte Handels- und Leistungsbilanzdefizite und ist auf Kapitalimporte angewiesen. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres lag das Leistungsbilanzdefizit bei 7,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
Insgesamt ist die Währung des Landes korrekturanfällig. Das gälte vor allem dann, wenn sich das Wirtschaftswachstum tatsächlich deutlich abschwächen und die Zentralbank nach dem Vorbild der Fed trotz der Inflationsrisiken zu Zinssenkungen zwingen sollte.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET