Devisen

Yuan auf Höhenflug gegen den Dollar

Yuan in Papierform

Yuan in Papierform

29. November 2006 War der chinesische Yuan im Juli des vergangenen Jahres nach einer zehnjährigen festen Bindung an den amerikanischen Dollar zunächst in einem ersten Schritt um zwei Prozent von 8,2765 auf 8,11 Yuan je Dollar aufgewertet worden, so konnte er danach im Rahmen der vorgenommenen Flexibilisierung weiter aufwerten.

Lief dieser Prozeß anfänglich nur zögerlich ab, so gewann er in den vergangenen Wochen und Monaten unter Zunahme der Volatilität an Dynamik. Inzwischen hat die Währung weitere 3,5 Prozent gegen die amerikanische Währung aufgewertet und am Mittwoch mit einem Kurs von 7,8313 Yuan je Dollar den höchsten Stand oder den niedrigsten Kurs seit dem Jahr 1994 erreicht.

Politischer Hintergrund der Aufwertungsbewegung

Auftrieb erhielt die chinesische Währung wieder einmal von Äußerungen des amerikanischen Finanzministers Henry Paulson, der erklärte, eine Aufwertung werde mit dazu beitragen, daß die „Spannungen“ in den Handelsbeziehungen der beiden Länder gelöst werden. Devisenstrategen gehen davon aus, daß die chinesische Regierung vor dem Paulson-Besuch im kommenden Monat einen weiteren Anstieg zulassen wird, um weiterer Kritik aus den Vereinigten Staaten zuvorzukommen. Denn in der Vergangenheit kam von dort wiederholt der Vorwurf, der künstlich schwache Yuan sei am Verlust von amerikanischen Arbeitsplätzen und dem wachsenden Handelsbilanzdefizit schuld.

„Wir sind nicht überrascht, daß der Yuan anzieht, je näher der Besuch heranrückt“, sagte David Mann, Devisenstratege bei Standard Chartered in Hongkong, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wir gehen davon aus, daß in nächster Zeit noch mehr solcher Äußerungen zu hören sein werden.“ Bis zum Jahresende wird die chinesische Währung weiter bis auf 7,80 Yuan je Dollar zulegen, prognostiziert Mann.

Legt die chinesische Währung zu, werden die Güter aus dem Land teurer, und das wiederum trägt mit dazu bei, daß sich das Exportwachstum Chinas verlangsamt. Im Oktober war der Handelsbilanzüberschuß auf die Rekordmarke von 23,8 Milliarden Dollar oder umgerechnet rund 18 Milliarden Euro geklettert. Die Fremdwährungsreserven Chinas schwollen als Folge auf eine Billion Dollar an und übertreffen damit die aller anderen Staaten weltweit. Das Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten mit China weitete sich im September auf 23 Milliarden Dollar aus, verglichen mit 22 Milliarden Dollar im Vormonat.

Um die wirtschaftlichen Beziehungen von China mit den Vereinigten Staaten „erfolgreich zu gestalten“, müssen Themen wie eine „stärkere Flexibilität der Währung“ angesprochen werden, erklärte Paulson am Dienstag abend auf Fragen bei einer Konferenz der Confederation of British Industry in London. Ob es allerdings zu größeren Veränderungen kommt, ist fraglich. Immerhin gehe es China auch um Arbeitsplätze, argumentiert Donald Straszheim, Vice Chairman von Roth Capital Partners, vor allem um Jobs in der Produktion in ländlichen Gegenden. „Es ist am wahrscheinlichsten, daß wir eine allmähliche, beständige Stärkung des Yuan sehen werden und keine plötzliche Bewegung“, sagte Straszheim zu Bloomberg.

Euro ist gegen den Yuan deutlicher überbewertet als der Dollar

Paulson und Ben Bernanke, der Gouverneur der amerikanischen Notenbank, werden am 14. und 15. Dezember mit Regierungsbeamten in Peking zusammentreffen. Als der amerikanische Finanzminister im September zu Gesprächen mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao in Peking war, verzeichnete der Yuan seinen bislang größten Monatsgewinn.

Die schleichende Aufwertung mag für die Amerikaner etwas beruhigend sein. Für die Europäer dagegen sieht das Bild völlig anders aus. Denn der Euro ist inzwischen gegen den Dollar nicht nur unterbewertet, sondern sowohl gegen den Yen und insbesondere auch gegen den Yuan deutlich überbewertet. Entsprechend konkurrenzfähig sind die Produkte aus den entsprechenden Wirtschaftsräumen in Europa und entsprechend stark müssen europäische Unternehmen rationalisieren - das heißt Kosten senken durch Arbeitsplatzabbau, Automatisierung oder „Outsourcing“, um sich am Markt behaupten zu können.

Das heißt, der europäische Druck auf Asien, die Währungen aufwerten zu lassen, müßte noch ausgeprägter sein als jener aus den Vereinigten Staaten. Blickt man auf die Entwicklung zwischen Euro und Yen, scheint der Markt bisher jedoch nicht davon auszugehen, daß sich die Richtung auf die Schnelle ändern könnte. Langfristig dürfte jedoch daran kein Weg vorbeiführen, wenn es nicht zu handelspolitischen Friktionen kommen soll. In diesem Sinne dürften Anleger gut beraten sein, in gut gewählte Wertpapiere in Asien zu investieren. Denn sie werden sehr wahrscheinlich vom dortigen Wachstum und früher oder später auch von den Währungsbewegungen profitieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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