30. Oktober 2008 Rasch scheinen sich die Märkte von den Rückschlägen der vergangenen Wochen zu erholen. Ob Regulatoren, Wirtschafts- und Finanzpolitiker jedoch etwas dazu gelernt haben, wird sich erst noch zeigen müssen.
Die Anleger jedenfalls scheinen nur begrenzt lernfähig zu sein. Denn sie beleben offensichtlich die Strategien neu, mit denen sie in den vergangenen Jahren - vor den Kursverlusten - leichtes Geld verdienen konnten.
Niedrig verzinsliche Währungen geraten wieder unter Druck
Die Aktienkurse sowie die Energie- und Rohstoffpreise laufen wieder nach oben, die niedrig verzinslichen Währungen geraten unter Druck und die Renditen von Rentenpapieren guter Bonität bleiben unter anderem aufgrund aggressiver Leitzinssenkungen und zumindest kurzfristig wirkender disinflationärer Tendenzen tief.
Insgesamt scheinen sie davon auszugehen, dass sich der Kredit getriebene Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre auf die Schnelle wieder beleben lassen wird. Dabei ist klar, dass sich die Konsumenten in den vergangenen Jahren in vielen Staaten weltweit zu stark verschuldet haben. Das heißt, sie müssen sich künftig zurückhalten und das dämpft die Konsumnachfrage. Das gilt besonders für die Vereinigten Staaten, aber auch für einige Regionen in Mittel- und Osteuropa sowie in Asien.
Zweitens bleiben die globalen Ungleichgewichte. Sie entstanden und entstehen aufgrund unfreier Wechselkurse sowie unterschiedlicher Zinsniveaus. Sie zeigen sich in Form hoher Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite, in Form stark steigender Währungsreserven und nicht zuletzt auch in zunehmenden Volumina an Fremdwährungskrediten.
China lässt den Yuan nicht mehr weiter aufwerten
In den vergangenen Jahren wurden Währungen wie der Yen und der Schweizer Franken unter anderem in Staaten wie Ungarn, Polen und auch in Österreich in großem Stile genutzt, um Immobilien zu refinanzieren. Das wird zusammen mit dem absoluten Schuldenstand immer dann problematisch, wenn es zu steigenden Volatilitäten an den Finanzmärkten kommt.
Noch interessanter ist die Tatsache, dass der chinesische Yuan in den vergangenen Wochen nicht mehr gegen den Dollar aufwertete, obwohl der handelsgewichtete Währungsindex das nahelegen würde. Das bedeutet, China senkt nicht nur die Leitzinsen, obwohl die Realzinsen negativ sind, sondern das Land setzt neben anderen die Politik fort, sich über den Wechselkurse Vorteile im internationalen Handel zu verschaffen. Das trug in den vergangenen Jahren direkt und indirekt zur Bildung von Kurs- und Preisblasen in verschiedenen Märkten bei.
Sollte sich das nicht ändern, wären die Probleme einmal mehr nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Das heißt, sie führten früher oder später wieder zu Turbulenzen, wie sie in den vergangenen Wochen zu beobachten waren. Ähnliches gilt auch für lockere Geldpolitiken und fiskalische Stimulationsprogramme. Beinahe rund um den Globus werden agitativ Zinsen gesenkt sowie Rettungs- und Konjunkturprogramme geschnürt, obwohl sie vielfach nicht zur makroökomischen Lage - hohe Schulden, hohe Preise, zu große Geldmengen, zu niedrige oder gar negative Realzinsen, große Ungleichgewichte im Außenhandel - passen. Sollten sie nicht rechtzeitig wieder eingeschränkt werden, würden sie die Preise nach oben treiben können. Mit entsprechenden Folgen.
Insgesamt mag es kurzfristig disinflationäre Risiken geben. Mittel- und langfristig können sie jedoch rasch umschlagen in inflationäre Gefahren. Auf dieser Basis scheinen Wetten auf die bekannten Trends riskant zu sein. Anleger jedoch, die auf Devisen wetten, sind an Absicherungsstrategien gewöhnt. Denn dieser Markt kann sich zu rasch in beide Bewegungen bewegen, als dass man Positionen aussitzen könnte.
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Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET