Devisen & Rohstoffe

Euro, Energie und Rohstoffe korrigieren deutlich

20. März 2008 Nach Wochen unbändiger Aufwärtsbewegungen kommt es beim Euro, aber auch bei Energie- und Rohstoffkontrakten zumindest kurzfristig zu deutlichen Korrekturbewegungen.

Die deutlichsten Verluste gab es zuletzt beim Goldpreis, der den niedrigsten Stand in diesem Monat erreichte. Seit dem Rekordstand von 1.032,70 Dollar am 17. März ist der Preis rund zehn Prozent auf zuletzt 912,62 Dollar je Unze gesunken. Die Futures für Rohöl, Kupfer und Sojabohnen fallen den zweiten Tag in Folge, wobei der Rohölpreis am Donnerstag sogar mit der Marke von 100 Dollar je Barrel flirtet.

Widerspruch zwischen eskalierenden Rohstoffpreisen und den Aussichten für das Weltwirtschaftswachstum

Laut Daten des amerikanische Energieministeriums lag der Treibstoffverbrauch in den Vereinigten Staaten in den vergangenen vier Wochen in Durchschnitt 3,2 Prozent unter dem Wert im entsprechenden Vorjahreszeitraum. „Im Moment gibt es einen schreienden Widerspruch zwischen den zuletzt eskalierenden Rohstoffpreisen und den Aussichten für das Weltwirtschaftswachstum“, stellen immer mehr kritische Analysten und Strategen fest.

Sollte die konjunkturelle Schwäche in den Vereinigten Staaten intensiver ausfallen und länger dauern als bisher allgemein erwartet wird, dürfte das die Weltwirtschaft deutlich bremsen und damit auch die Nachfrage nach Energie und Rohstoffen. Folglich dürfte eine deutliche Preiskorrektur in diesen Bereichen kaum überraschen. Aufgrund der laufenden Investitionen und der Preisanreize dürfte in den kommenden Jahren zudem das Angebot zunehmen.

Dazu kommen Währungseffekte. Fiel der Dollar aufgrund der Zinserwartungen in den vergangenen Monaten beinahe gegen alle Währungen von Tief zu Tief, so könnte es auch hier zu einer Gegenbewegung kommen. Immerhin waren sich die Mitglieder des Zins bestimmenden Gremiums der amerikanischen Zentralbank bei der jüngsten Zinsentscheidung nicht einig, wie stark sie den Leitzins senken wollten. Zudem fiel der konjunkturelle Ausblick zwar kritisch aus, allerdings wurden die Inflationsgefahren stärker betont, als bisher angenommen.

Euro überbewertet - Dollar strukturell unterschätzt

Auf der anderen Seite scheint die europäische Zentralbank zumindest unter der Hand vergleichsweise expansiv zu sein. Diese Kombination macht den Euro gegen den Dollar korrekturanfällig, zumal er massiv überbewertet ist. Nicht nur Bewertungsaspekte spielen eine Rolle. Sondern der schwache Dollar macht Direktinvestitionen in Amerika aus dem Ausland ebenso günstig, wie Urlaubsflüge oder den Kauf amerikanischer Exportwerte. Immerhin wird die amerikanische Exportindustrie über den schwachen Dollar geradezu gefördert. Zusammen genommen dürfte aufgrund dieser Aspekte die Nachfrage nach Dollar zunehmen können. Käme es zu einem Trendwechsel, dürfte der Ölpreis noch weiter nachgeben können.

Insgesamt würde das dazu führen, dass das amerikanische Leistungsbilanzdefizit rasch und deutlich abnehmen würde. Rechnet man das Öl heraus, so hat zumindest die Handelsbilanz aufgrund zunehmender Exporte und abnehmender Importe längst deutlich nach oben gedreht. Dazu kommt die Tatsache, dass ein großer Teil der verbrieften amerikanischen Schulden im Ausland platziert wurde. Das Platzen der Kreditblase senkt zumindest nach Einschätzung der Analysten der Bank Sarasin die Auslandsschulden der Vereinigten Staaten. „Die Abwertung der amerikanischen Auslandsverschuldung kommt einem gigantischen Bankrott gleich, der vom Ausland getragen werden muss. Dieser Bankrott betrifft nicht einen Staat, sondern eine Menge anonymer Hypothekarschuldner,“ erklären sie. Die Entwertung der Auslandsschulden stelle die externe Position der Vereinigten Staaten in ein besseres Licht und entlaste den Dollar, erklären sie weiter. Insgesamt scheint eine deutliche Dollarerholung möglich zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Sarasin

 
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