09. Januar 2009 Nach einer kurzen Verschnaufpause im Dezember befindet sich der serbische Dinar gegenüber dem Euro wieder auf dem absteigenden Ast. Am Donnerstag bekam man für einen Euro schon mehr als 94 Dinar. Trotz fortgesetzter Interventionen der Notenbank zugunsten der serbischen Landeswährung ist das ein neues Rekordtief. Zur Erinnerung: Anfang Oktober gab es beim Umtausch von einen Euro erst knapp 77 Dinar. Das seitdem erlittene Minus beläuft sich somit auf rund 23 Prozent.
Der im vierten Quartal 2008 begonnene Abstieg hält somit auch im neuen Jahr an, obwohl manche Marktteilnehmer im neuen Jahr auf eine Stabilisierung im Bereich von 88 Dinar gehofft hatten. Unter anderem ruhten diese Hoffnungen auf die Devisenzuflüsse, welche die Auslandsserben jährlich unter anderem bei ihren Heimaturlauben im Winter in ihre Heimat bringen. Insgesamt fließen so vier Milliarden Dollar ins Land. Doch in Zeiten der Kreditkrise wiegt das anscheinend nicht mehr so schwer wie die vermutlich sinkenden ausländischen Direktinvestitionen und die zurückgehende Kreditvergabe durch ausländische Banken.
Außerdem sind serbische Unternehmen (deren Auslandsverschuldung stieg 2007 um 40 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro) gerade dabei, ausländische Währungen zu kaufen, um ihre zu Jahresbeginn auslaufenden Euro-Schulden zurückzuzahlen. Offenbar leidet Serbiens Währung zudem unter dem Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine, weil dieser die Gasversorgung in der gesamten Region schon jetzt gefährdet und als Folge dessen stehen derzeit auch andere südosteuropäische Währungen unter Druck. Das sieht auch Benoit Anne, Devisenstrategin bei Merrill Lynch so: Der Dinar ist eine der anfälligsten Währungen in der Region und sie leidet unter dem Gas-Streit. Daneben suchen die Unternehmen harte ausländische Währungen.
Hohes Leistungsbilanzdefizit belastet
Beim ersten Blick auf die volkswirtschaftlichen Daten erschließen sich die Gründe für die Schwäche des Dinar nicht sofort. Schließlich ist die serbische Wirtschaft seit 2001 beständig gewachsen. Im Zeitraum von 2001 bis 2006 hatte das Land eine durchschnittliche Wachstumsrate beim Bruttoinlandsprodukt von etwa 5,7 Prozent aufzuweisen. Und 2007 belief sich die Zuwachsrate sogar auf rund 7,3 Prozent.
Doch der größte Belastungsfaktor neben einer hohen Arbeitslosenquote von offiziell gut 26 Prozent und einem hohen Anteil an Krediten in Fremdwährungen ist das viel zu hohe Leistungsbilanzdefizit, zu dessen Finanzierung man auf Mittel aus dem Ausland angewiesen ist. Die Ratingagentur Standard & Poor´s bemängelte vor diesem Hintergrund Anfang Dezember das schnell wachsende Leistungsbilanzdefizit von mehr als 18 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Kritisch wurde in Zeiten der Finanzkrise außerdem die hohe Abhängigkeit des serbischen Bankensektors von westeuropäischen Banken gewertet, weil diese in Folge der Krise das in Serbien eingesetzte Kapital verringern könnten. Dies wiederum könnte zu einer drastischen Einschränkung der Kreditvergabe und damit zu drastischen Wachstumseinbußen führen.
Die Bremsspuren waren zuletzt schon auszumachen. Im dritten Quartal 2008 hat sich das reale Wachstum auf 4,9 Prozent von 6,3 Prozent im zweiten Quartal abgeschwächt und im vierten Quartal dürfte es noch etwas weniger gewesen sein. Und für 2009 basiert der Haushaltsentwurf der Regierung nur noch auf einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 3,5 Prozent. Das passt zu einem unlängst veröffentlichten Umfrageergebnis, wonach die serbischen Unternehmen so pessimistisch gestimmt sind wie seit 1995 nicht mehr.
Intakter charttechnischer Abwertungstrend
Zusammengefasst bringt dies Benoit zu folgendem Schluss: Serbiens Problem ist ein nachlassendes Wachstumstempo und ein hohes Leistungsbilanzdefizit, das schwierig zu finanzieren ist. In einem schwierigen Umfeld für europäische Schwellenländer wird der Dinar vermutlich schwach bleiben in diesem Jahr.
Etwas optimistischer ist Martin Stelzeneder von Raiffeisen Research. Er rechnet zwar in den kommenden Monaten mit hohen Volatilitäten und einer möglichen Handelsspanne von 80 bis 100 Dinar zum Euro. Doch nach seiner Ansicht dürfte der Abwertungsdruck dann in der zweiten Jahreshälfte 2009 nachlassen, wenn sich in den westlichen Märkten die Konjunkturindikatoren verbessern sollten. Überdies könnte die für 2009 geplante Einreichung eines Antrags zur Mitgliedschaft in der EU ebenso stützend wirken wie das hohe Leitzinsniveau von 17,75 Prozent. Aktuell muss zu Lasten des Dinar aber noch ein völlig intakter charttechnischer Abwärtstrend konstatiert werden.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET
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