29. März 2006 Manches Investment in Schwellenländern gleicht doch ein wenig dem Tanz auf dem Vulkan. Vor rund einem Monat geriet der philippinische Peso in die Defensive, als Meldungen über einen gescheiterten Putschversuch die Runde machten.
Doch beeindrucken ließ sich die Währung davon nur kurzzeitig. Sie wertete weiter auf und erreichte zu Beginn der vergangenen Woche zum Dollar bei 50,88 Peso den niedrigsten Stand seit vier Jahren.
Nahezu einmaliger Aufwertungstrend
Seitdem hat die Währung wieder etwas verloren, ist aber mit 51,23 Peso nur geringfügig weniger wert geworden. Der steile Aufwertungstrend ist daher technisch ungefährdet. Dennoch mag es dem ein oder anderen Investor gelegentlich etwas mulmig werden.
Denn die derzeitige Aufwertungsbewegung hat historisch in ihrer Intensität praktisch keine Parallele. Lediglich zwischen dem August 1998 und dem Januar 1999 wertete der Peso rascher von damals 44,15 bis auf 37,50 Peso auf. Danach aber verlor die Währung jahrelang an Wert bis sie schließlich zu Beginn des Jahres 2004 mit 56,60 Peso so billig war wie nie.
Angesichts dieser historischen Volatilitäten ist sicherlich Vorsicht nicht unangebracht. Indes hat sich nach dem gescheiterten Putschversuch offenbar die Einschätzung an den Märkten verfestigt, die umstrittene Präsidentin Arroyo sei willens und in der Lage, die wirtschaftliche Lage des Landes zu stabilisieren.
Konsolidierungspolitik bislang erfolgreich
Bislang sind durchaus Anzeichen erkennbar, die eine solche Beurteilung vertretbar erscheinen lassen. Anfang Februar focht die Präsidentin eine Mehrwertsteuererhöhung durch, nachdem sie im November die Subventionen für Öl, Energie und andere Produkte gestrichen hatte. Gerade diese Maßnahme war mit dafür verantwortlich, daß der Peso erst den Aufwertungstrend einschlug.
Dies kam Arroyos Politik durchaus zupaß, denn auf diese Weise wurde der inflationäre Effekt der Streichung der Subventionen durch die Aufwertung abgefedert. Die Philippinen importieren zum Beispiel 90 Prozent des Ölbedarfs. Die Aufwertung erleichterte so die weitere Konsolidierungspolitik, die eines der Hauptprobleme des Inselstaats darstellt, nachdem sieben Jahre Defizitpolitik zu einer Verdreifachung der Staatsverschuldung geführt haben. Bis 2008 soll das Defizit abgebaut sein.
Die größte Schwierigkeit einer Konsolidierungspolitik sind die Auswirkungen auf das Wachstum. Dieses erlebte im abgelaufenen Jahr einen leichten Knick, als die Wachstumsrate von sechs Prozent auf 5,1 Prozent zurückging.
Aufwertung fördert und gefährdet Wachstum
Arroyo braucht mehr Wachstum, zum einen um die unpopulären Konsolidierungsmaßnahmen weiterführen zu können, aber zum anderen auch weil die Philippinen die höchste Arbeitslosigkeit im asiatisch-pazifischen Raum und ein hohes Maß an sozialem Elend verzeichnen.
Die Tatsache, daß die derzeitige Peso-Aufwertung vor allem fundamental begründet ist, zeigt sich vor allem daran, daß allen Zinserhöhungen in anderen Teilen der Welt zum Trotz die philippinische Nationalbank es sich leisten konnte, die Zinsen in den vergangenen fünf Monaten konstant zu halten und somit die Wachstumspolitik unterstützt.
Indes steht der derzeitige Erfolg zwar nicht auf tönernen, aber doch nicht auf den sichersten Füßen. Das zeigt sich auch darin, daß die Regierung am Dienstag ihre Wachstumsprognose von zuvor 5,7 bis 6,3 Prozent auf 5,5 bis 6,2 Prozent leicht zurücknehmen mußte, vornehmlich weil sie die Prognose für das Exportwachstum von zehn auf acht Prozent senken mußte, nachdem die Exporte im Januar gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent zurückgingen.
Die Aufwertung des Peso ist also Fluch und Segen zugleich. Binnenwirtschaftlich drückt sie die Inflation, ermöglicht niedrigere Zinsen und erleichtert den Schuldendienst und fördert das Wachstum. Außenwirtschaftlich geht es zulasten der Exporte.
Analysten sind vorsichtiger
Unsicher ist dagegen die Wirkung auf die Direktinvestitionen. Just die könnten das Zünglein an der Waage sein, meint Joey Cuyegkeng, Volkswirt bei der ING Bank, der die Wachstumsprognosen der Regierung für etwas zu hoch und nur das untere Ende für erreichbar hält - falls das Ausmaß der Direktinvestitionen an das Rekordjahr 2005 anknüpfen kann.
Jha Sailesh von der Credit Suisse ist da sehr viel optimistischer. Sie sieht das Niveau der Direktinvestitionen im laufenden Jahr auf 1,7 Milliarden Dollar und damit das Niveau des Jahres 2002 ansteigen und rechnet für 2007 mit einem neuen Rekordvolumen von 2,2 Milliarden Dollar. Die Wachstumsprognosen hält sie indes auch für zu optimistisch und rechnet mit 5,3 Prozent. Dabei rechnet sie mit einer Aufwertung des Peso auf durchschnittlich 50 Peso pro Dollar bis zum Jahresende, das bedeutet mit einer deutlichen Verlangsamung der Aufwertungsbewegung.
Ob die Philippinen das fragile ökonomische Gleichgewicht halten können, ist also insgesamt fraglich. Vielmehr muß man davon ausgehen, daß Rückschläge umso wahrscheinlicher werden, je länger es gut geht.
Auch die politischen Risiken bleiben hoch
So hat der Peso bislang nicht zuletzt auch vom Boom der Schwellenländer-Anleihen profitiert. Die vierjährigen Anleihen stiegen am Mittwoch auf ein Sechs-Jahres-Hoch, weil auch in der kommenden Woche keine Zinserhöhungen erwartet werden. Indes beruht diese Erwartung darauf, daß die Inflation in der zweiten Jahreshälfte sinken wird. Ist dies nicht der Fall, könnten Zinserhöhungen sich auch negativ auf den Peso auswirken.
Im Grunde nährt sich die Peso-Aufwertung zum Gutteil selbst. Der Peso steigt, weil ein steigender Peso die Wirtschaftspolitik vorerst auf Erfolgskurs gebracht hat. Und weil die Prognosen für die philippinische Wirtschaft gut sind, steigt der Peso.
Hinzu kommt, daß die politischen Risiken im Lande weiter groß sind. Präsidentin Arroyo hat den jüngsten Putschversuch abwenden können - doch ihre Popularität und auch ihr Ansehen bei den Eliten hat sich nicht verbessert.
Auch Corazon Acquino überstand als Präsidentin zwischen 1986 und 1992 einst etliche Putschversuche, bevor sie dann auf ihr Amt verzichten mußte. Arroyos einst populärer Vorgänger Estrada mußte nach einer Anklage wegen Korruption fluchtartig zurücktreten. Und gegen Gloria Arroyo gibt es Vorwürfe der Wahlfälschung, wegen familiärer Verstrickungen in illegales Glückspiel und der Korruption. Bislang hat sie zwei Putschversuche und ein Amtsenthebungsverfahren überstanden. Insofern bleibt der scheinbar eindeutige Aufwertungstrend durchaus anfällig für jähe Störungen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb
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