14. Januar 2008 In den Vereinigten Staaten verstärkten sich in den vergangenen Tagen die Anzeichen auf einen aggressiven Zinssenkungszyklus, während die Europäische Zentralbank in der vergangenen Woche eher Zinserhöhungen als Zinssenkungen andeutete.
Auf Grund dieser divergierenden Erwartung dürfte kaum verwundern, dass der Dollar in den vergangenen Stunden wieder in die Defensive geraten ist. Waren vor drei Wochen nach einer kurzen Zwischenerholung noch 1,4311 Dollar nötig, um einen Euro erwerben zu können, so sind dafür inzwischen wieder 1,4872 Dollar nötig. Damit ist die europäische Einheitswährung wieder nahe an das im August des vergangenen Jahres erreichte Allzeithoch gelangt.
Schwacher Dollar - teure Rohstoffe
Kurzfristig scheinen neue Rekordkurse im Verhältnis zwischen Euro und Dollar möglich zu sein. Mittel- und langfristig dagegen sieht es anders aus, da der schwache Dollar die Im- und Exportströme sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in den Vereinigten Staaten verändern wird. Diese Veränderungen dürften weltweit das Wachstum dämpfen und damit den Appetit der Anleger auf die Wertpapiere in diesen Regionen bremsen können. Repatriierungen können aus diesem Grund mittelfristig den Dollar aufwerten und vor allem auch die so genannten Carry Trades sich verflüchtigen lassen. Aus diesen Gründen werden gegenwärtig sowohl der Schweizer Franken als auch der japanische Yen überproportional auf.
Insgesamt zeigte sich die Konsequenz der amerikanischen Geld- und Zinspolitik nicht nur im Verhältnis des Dollars gegenüber anderen Währungen, sondern vor allem auch im Rohstoffbereich. Während gewisse Preisschwächen bei Zink, Bauholz, Nickel und nicht zuletzt auch Aluminium auf die anstehende konjunkturelle Abschwächung der Weltwirtschaft hindeuten, gingen die Preise bei den Agrargütern und den Edelmetallen förmlich durch die Decke.
Auf Sicht eines Jahres legte beispielsweise der generische Sojafuture an der Terminbörse in Chicago in einem immer dynamischer werdenden Aufwärtstrend knapp 112 Prozent auf zuletzt 1.310,75 Pence je Scheffel zu. Alleine schon aus technischer Sicht scheinen weitere Preissteigerungen wahrscheinlich zu sein. Der Preis von Weizen legte um 92 Prozent zu und jener von Mais 47 Prozent. Die Preise dieser Güter sind unmittelbar miteinander verknüpft, da sie um Anbaukapazitäten und -flächen konkurrieren.
Brasilien, der zweitgrößte Sojaproduzent der Welt, kündigte vor kurzem an, dass die Erntemenge in diesem Jahr sinken wird. Der hohe Preis für Mais hat viele Bauern dazu veranlasst, die Anbaufläche für Sojabohnen zugunsten von Mais zu reduzieren. Das Landwirtschaftsministerium rechnet damit, dass die Ernte bei 58,1 Millionen Tonnen liegen wird. In der November-Prognose wurden noch 59,4 Millionen Tonnen erwartet. Auch das amerikanische Landwirtschaftsministerium musste seine Lagerbestandsprognose vor kurzem weiter nach unten revidieren.
Preise für Weizen, Mais, Soja, Gold und Platin auf oder nahe ihrer Rekordhochs
Für den Preisaufschwung gibt es verschiedene Gründe. Erstens befinden sich bei einzelnen Produkten die Lagerbestände auf dem tiefsten Niveau seit Jahrzehnten. Zweitens hat die Nachfrage in den vergangenen Jahren aufgrund des zunehmenden Wohlstands und veränderter Lebensgewohnheiten zugenommen. Drittens sorgen die anhaltend hohen Energiepreise in Verbindung mit zum Teil fragwürdigen Subventionen für die Erzeugung alternativer Energien in Form von Biodiesel und -gas für einen zusätzlichen Nachfrageschub und vor allem auch für immer teurer werdende Produktionskosten. Viertens hat sich die Einstellung vieler Anleger zu den so genannten Commodities gewandelt. Aus diesem Grund hat in den vergangenen Monaten auch die spekulative Dynamik zugenommen. Zusammen genommen können diese Faktoren die Preise in diesem Bereich auf bisher ungeahnte Höhen treiben, sofern sie sich nicht jetzt schon auf Rekordniveau befinden.
Die spekulativen Elemente zeigen sich deutlich an der Entwicklung bei den Edelmetallen. So sind die Preise für Gold und Platin am Montag in London zumindest nominal auf Rekordhochs geklettert. Auch Silber setzte die Aufwärtsbewegung fort und notierte auf dem höchsten Stand seit 27 Jahren. Angesichts des weiter fallenden Dollar ist die Nachfrage nach Edelmetallen als alternative Investments gestiegen. Der Goldpreis legte dieses Jahr um 9,4 Prozent zu und wurde am 14. Januar mit 914,3 Dollar je Feinunze gehandelt - das ist der höchste Preis aller Zeiten. Der Dollar hingegen fiel gegenüber dem Euro dieses Jahr um zwei Prozent.
Ein Goldpreis von 950 Dollar je Feinunze sei nicht verwunderlich, sagt Sean Corrigan, Chef Investmentstratege bei Diapson Commodities Management SA in Lausanne der Nachrichtenagentur Bloomberg. Wir werden noch weitere Hochpunkte erleben, je nachdem wie düster sich die makroökonomischen Bedingungen entwickeln und welche Entscheidungen getroffen werden, so Corrigan weiter. Mit der möglichen Zinssenkung in den Vereinigten Staaten und stabilen Zinsen in Europa, könne der Dollar weitere Preisanstiege beim Gold auslösen, so James Moore, Analyst beiTheBullionDesk.com in London. Nach einer Bloombergumfrage empfahlen 23 von 29 Händlern, Investoren und Analysten diese Woche, Gold zu kaufen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Global Insight/World Gold Council, SG Commodities Research
