Devisenmarkt

Carry-Trades sind kurzfristig wieder en vogue

17. April 2008 Finanzkrise hin oder her, der Risikoappetit ist längst wieder da. Er zeigt sich nicht nur an den Börsen, sondern insbesondere auch am Devisenmarkt: Seit genau vier Wochen kennt der niedrig verzinsliche Yen nur eine Richtung, nämlich nach unten im Sinne einer Abwertung.

Gegen exotische Währungen wie den Paraguay Guarani oder den Uruguay-Peso hat er in diesem Zeitraum bis zu knapp zwölf Prozent seines Wertes verloren. Daneben werteten auch die Währungen Rumäniens, Polens, Brasiliens, Ungarns und nicht zuletzt auch Südafrikas deutlich gegen den Yen auf.

Niedrige Zinsen gegen hohe Zinsen

Das zeigt deutlich, dass zumindest die Marktteilnehmer nach den Wirren der vergangenen Monate wieder altbekannte und zumindest in der Vergangenheit bewährte Strategien in Form der so genannten Carry Trades neu zum Leben erwecken. Sie spielen niedrige verzinsliche Währungen gegen höher rentierliche aus. Sei es, indem sie ihre liquiden Mittel einfach verlagern, wie das japanische Anleger aufgrund des niedrigen Zinsniveaus im eigenen Land auf der Suche nach Rendite regelmäßig tun. Oder sei es in Form von Fremdwährungskrediten, deren Erlöse ebenfalls rentierlich in Rentenpapieren mit hohen Renditen, an gut laufenden Börsen oder gar in Rohstoffen investiert werden.

Allerdings dürften solche Strategien inzwischen deutlich risikoreicher als in der Vergangenheit geworden sein. Denn erstens führen sie zu Fehlbewertungen von Währungen, Aktien und auch Rentenpapieren. So ist nicht nur der Euro überbewertet, sondern auch die Renditen an den Rentenmärkten sind angesichts der Preisentwicklung in vielen Staaten zu tief. In Japan, den Vereinigten Staaten und vor allem auch in China sind die realen Renditen sogar negativ.

Gleichzeitig deuten die hohen Rohstoffpreise auf einen anhaltenden Inflationsdruck in weiten Teilen der Welt hin. Die hohen Preise für Agrargüter sind für viele Schwellenländer problematisch, da sie in den lokalen Preisindizes zum Teil sehr hoch gewichtet sind. Eine Analyse der HSBC zeigt beispielsweise, dass Nahrungsmittel in der Ukraine im Preisindex ein Gewicht von knapp 64 Prozent haben, in Indien 60 Prozent, auf den Philippinen, in Kasachstan, in Vietnam, Indonesien, Pakistan und Russland mehr als 40 Prozent.

Makroökonomisches Umfeld hat sich verändert

Das heißt, in diesen Ländern wird auf diese Weise die Inflationsrate nach oben getrieben und die Kaufkraft unterminiert. Das kann dazu führen, dass es zu sozialen Unruhen kommen kann. Um genau das zu vermeiden, versucht zum Beispiel China inflationären Tendenzen zu begegnen, indem man den Leitzins und den Mindestreservesatz anzieht und indem man die Währung immer rascher gegen den Dollar aufwerten lässt. Seit der Abkoppelung im Juli des Jahres 2005 hat der Yuan gegen den Dollar knapp 16 Prozent aufgewertet. Inzwischen sind weniger als sieben Yuan nötig, um einen Einheit der schwachen amerikanischen Währung kaufen zu können.

Solche Beispiele zeigen, dass sich das makroökonomische Umfeld langsam ändert von deflationären hin zu inflationären Impulsen. So werden die Importpreise in den Vereinigten Staaten nicht nur getrieben vom schwachen Dollar, sondern die Importprodukte dürften auch aufgrund steigender Produktionskosten teurer werden. Selbst in Japan laufen die Preise inzwischen nach oben. Auf dieser Basis scheinen Carry Trades inzwischen riskanter geworden zu sein, als in der Vergangenheit. Das zeigt sich unter anderem an der massiven Abwertung der isländischen Krone und des südafrikanischen Rand in den vergangenen Monaten.

Am Donnerstag hat die Ratingagentur S&P die Kreditwürdigkeit Islands für Fremdwährungsverbindlichkeiten zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren heruntergestuft von A+ auf nun A, verbunden mit einem negativen Ausblick. Der Grund liegt vor allem in den Auslandsverbindlichkeiten der drei großen Banken des Landes. Das spricht ebenso für sich wie die Warnung des Luxemburger Premiers Jean-Claude Juncker, die Finanzmärkte hätten das jüngste Statement der G7-Finanzminister falsch interpretiert. Darin drückten sie die Sorgen über die Volatilitäten am Devisenmarkt und über Fehlbewertungen aus.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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