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| Horst Koch, Pokerspieler |
20. März 2006
Als Horst Koch sich 1990 bewußt entschied, professioneller Pokerspieler zu werden, wollte er vor allem frei sein wie ein Vogel. Daß der heute 47jährige tatsächlich Deutscher Meister im Poker wurde und mittlerweile Präsident der German Poker Players Association und der Deutschen Poker Liga GmbH ist, liegt vor allem an zwei Dingen: seiner eisernen Disziplin und seinem gesunden Schlaf.
Wer gut sein will beim Pokern, der muß eine Beziehung zu den Karten auf seiner Hand aufbauen. Der muß sie spüren können. Der muß sie lieben wie sich selbst. Denn die Karten spüren diese Liebe. Und diese Liebe werden sie Dir eines Tages zurückgeben.
Meine Beziehung zu den Karten begann 1987, bei einem Zwischenstop in Las Vegas auf einer USA-Reise mit Freunden. Schon als Jugendlicher - ich kam aus einer schwäbischen Familie, in der viel gespielt wurde - habe ich gerne gepokert. Als ich 16 war, legte ich mich immer donnerstags nach meiner Arbeit als Werkzeugschleifer bis 21 Uhr ins Bett, anschließend traf ich mich mit Freunden in einer Gaststätte, und wir pokerten bis morgens um halb sieben, dann fing wieder die Schicht an. Doch als wir Familien bekamen und das Berufliche immer wichtiger wurde, rückte das Spielen zunehmend in den Hintergrund.
In diesem Urlaub in Las Vegas, da wollte ich es noch einmal wissen. Ich hatte ein halbes Jahr vor Reisebeginn angefangen zu sparen und verfügte deshalb jetzt über 1.000 Dollar als Spieleinsatz. Meine Freundin und ein mitreisendes Pärchen gingen shoppen, ich ging ins Kasino. Am ersten Abend gewann ich 3.000 Dollar in fünf Stunden. Am zweiten Abend 2.000 Dollar, dann 1.500 Dollar. Am vierten und letzten Abend verlor ich schließlich 1.200 Dollar, und wir fuhren nach Hause. Meine Lektion: Wenn man nicht mehr gewinnt, ist die Zeit reif zu gehen.
Zurück in der Nähe von Stuttgart ließen mich die Erlebnisse in Las Vegas nicht mehr los. 95 Prozent der Menschen gehen ja nur zur Arbeit, um Geld zu verdienen. Könnte ich vom Pokern leben, so dachte ich nachts, würde ich nicht nur etwas tun, was mir Spaß macht, ich könnte auch reisen und wäre ein freier Mann.
Als wenig später in der Spielbank in Baden-Baden Pokern angeboten wurde, faßte ich einen Plan: Immer mittwochs, freitags und samstags nach der Arbeit - ich war mittlerweile nach einer Zeit als UPS-Paketauslieferer Süßwarenverkäufer im Supermarkt - wollte ich nun pokern. In Baden-Baden. Ganz systematisch. Ich wollte die Sache betreiben wie einen Job.
Es war ein hartes Jahr, oft mit nur wenigen Stunden Schlaf, doch nach zwölf Monaten hatte ich 85.000 Mark verdient, und zwar netto! Mehr als das Dreifache meines damaligen Jahresverdienstes. Kurz vor Weihnachten 1989 nahm ich mir zwei Tage Urlaub, um mein weiteres Vorgehen zu überdenken. Dann, zum 1.1.1990, kündigte ich meinen Arbeitsvertrag. Ich wollte alle meine Energie zukünftig nur noch aufs Pokern konzentrieren. Ich wollte professioneller Spieler sein. Und ich wollte so lange spielen, bis mein Geldpolster verbraucht sein würde. Meine Oma reagierte geschockt. Sie sagte: Horst, Pokern ist Sünde. Ich entgegnete: Sünde ist relativ. Von diesem Tag an nahm ich mir vor, mich nicht mehr fürs Pokern zu rechtfertigen.
Mittlerweile ist Pokern seit über 15 Jahren mein Beruf. 1994 habe ich den siebten Platz bei der Poker-Weltmeisterschaft belegt. Ich bin 1995 Deutscher Meister im Pokern geworden. Ich habe nationale und internationale Turniere unter anderem in den Spielbanken in Wiesbaden und Baden-Baden, in Österreich, in Holland und in der Karibik initiiert. Und ich bin Gründer der Deutschen Poker Liga GmbH und der German Poker Players Association. Die 85.000 Mark haben sich im Lauf der Jahre vermehrt, und die Entscheidung, mich ganz dem Pokern zu widmen, habe ich nie bereut.
Meine Oma reagierte geschockt. Sie sagte: Horst, Pokern ist Sünde.
Wenn ich spiele - früher manchmal an 300 Abenden im Jahr, heute eher viermal im Monat - halte ich mich an bestimmte Prinzipien: Ich nehme nie mehr als 3.000 Euro mit. Wenn ich innerhalb der ersten halben Stunde mein Geld verdoppelt habe, höre ich auf. Wenn ich nach vier Stunden meinen Einsatz um 50 Prozent gesteigert habe, gehe ich ebenfalls nach Hause. Wenn ich die 3.000 Euro verloren habe, steige ich aus. Ich trinke keinen Alkohol, ich rauche nicht. Ich gehe zwischen Mitternacht und zwei Uhr spätestens ins Bett. Und ich betreibe täglich zwei Stunden Fitness im Studio.
Es gab schon Phasen, da habe ich acht Abende nacheinander meinen Einsatz verloren. Das Verlieren zu lernen und Selbstmitleid nicht zu akzeptieren ist eine der schwersten Aufgaben, die man beherrschen muß, wenn man professionell spielt. Und: Man darf nicht nur wegen des Geldes spielen, die Liebe zu den Karten muß da sein, und man muß sich gegen ein herkömmliches Leben entscheiden. Zu diesem Weg gehört viel Mut.
Ob ich Tricks empfehlen kann? Wenn ich pokere, lutsche ich immer Kräuterbonbons. Zum einen, weil in den Pokerräumen oft eine trockene Luft ist, zum anderen, weil so der Gegner nicht sagen kann, ob ich wegen des Bonbons oder der schlechten Karten schlucke.
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