Dax-Konzern in Schieflage

Der Hypo Real Estate droht die Insolvenz

Muss die Hypo Real Estate Insolvenzantrag stellen?

Muss die Hypo Real Estate Insolvenzantrag stellen?

28. September 2008 Der größte europäische Hypothekenfinanzierer, die Münchener Hypo Real Estate, steht vor dem Zusammenbruch. Wie aus Finanzkreisen zu hören war, konnte am Sonntagabend ein Insolvenzantrag des Dax-Konzerns an diesem Montag nicht mehr ausgeschlossen werden. Demnach zeigte sich die Bundesregierung nicht bereit, zur Rettung des Unternehmens einzuschreiten.

Am Sonntagabend versuchte eine Gruppe von Banken bei Verhandlungen in der Zentrale der Commerzbank, eine Lösung zu finden. Großaktionär der Hypo ist die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Flowers. Die Schwierigkeiten der Bank sollen bei einer irischen Tochtergesellschaft, der Depfa-Bank, angefallen sein. Die Depfa hatte langfristige Ausleihungen in der Vergangenheit durch die Aufnahme kurzfristiger Mittel refinanziert.

Fortis sucht nach Rettern

In den vergangenen Tagen soll es der Depfa nicht mehr gelungen sein, neue Mittel zu finden. Angeblich fehlt ihr nun ein zweistelliger Milliardenbetrag. Gleichzeitig bemühten sich in Brüssel Politiker und Banken, den in Existenznot geratenen Bank– und Versicherungskonzern Fortis zu retten. Im Gespräch waren ein Notverkauf oder eine Verstaatlichung. (Siehe auch: Finanzkonzern Fortis in schwerer Existenzkrise). In Großbritannien stand die Hypothekenbank Bingley & Bradford vor der Verstaatlichung.

Die amerikanische Regierung und der Kongress in Washington haben derweil sich offenbar auf einen Rettungsplan für das Finanzsystem verständigt. Die demokratische „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses, Pelosi, sagte am Sonntag, die Vereinbarung müsse nur noch niedergeschrieben werden. Das Repräsentantenhaus will nach Angaben des demokratischen Verhandlungsführers Frank am Montag darüber abstimmen. Etliche Republikaner sind aber noch skeptisch. (Siehe auch: Finanzkrise: Washington gibt 700 Milliarden Dollar aus) Die Präsidentschaftskandidaten Obama und McCain äußerten sich zustimmend über den Kompromiss. In Washington hieß es, der Senat könnte am Mittwoch folgen.

Größte Intervention seit der Großen Depression

Finanzminister Paulson und führende Kongressmitglieder hatten in der Nacht auf Sonntag von einem Durchbruch berichtet. „Wir haben riesige Fortschritte erzielt. Es gibt noch mehr zu tun, um zum Abschluss zu kommen, aber ich glaube, wir haben es geschafft“, sagte Paulson. Kern des Rettungsplans, der die größte Intervention der amerikanischen Regierung in die Wirtschaft seit der Großen Depression in den dreißiger Jahren darstellt, ist der Kauf fauler Kredite und problematischer Wertpapiere durch die Regierung. Dafür sollen bis zu 700 Milliarden Dollar ausgegeben werden. Paulson und der Kongress hoffen, einen Zusammenbruch des Finanzsystems abzuwenden. Insbesondere soll durch die Rettung eine allgemeine Kreditklemme verhindert werden.

In den Verhandlungen hat die Regierung der demokratischen Mehrheit eine Reihe von Zugeständnissen gemacht. Die Steuerzahler sollen bestmöglich geschützt werden. Ein Teil des Geldes soll später wieder an das Finanzministerium zurückfließen.

Text: gb./ctg., F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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