Quartalszahlen

Nur Bilanzregeln retten Deutsche Bank vor Verlust

In ihrem Kerngeschäft, dem Investmentbanking, hat die Deutsche Bank 789 Millionen Euro Verlust gemacht

In ihrem Kerngeschäft, dem Investmentbanking, hat die Deutsche Bank 789 Millionen Euro Verlust gemacht

30. Oktober 2008 Die Deutsche Bank hat im abgelaufenen Quartal vor allem dank der jüngst geänderten Bilanzierungsregeln schwarze Zahlen geschrieben. Die Verschärfung der Finanzkrise führte bei Deutschlands größtem Geldhaus zu Abschreibungen von 1,2 Milliarden Euro und abermals tiefroten Zahlen im Kerngeschäft, dem Investmentbanking.

Vor Steuern lag der Gewinn im von der Finanzkrise besonders geprägten dritten Quartal bei 93 Millionen Euro, wie das größte deutsche Geldhaus am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Die Belastungen für das Institut wären ohne Anwendung der erst vor kurzem EU-weit geänderten Bilanzvorschriften fast 900 Millionen Euro höher ausgefallen. Vor einem Jahr hatte die Deutsche Bank vor Steuern noch 1,449 Milliarden Euro verdient. Unter dem Strich lag der Gewinn wegen einer zusätzlichen Steuergutschrift zwischen Juli und September dieses Jahres bei 414 Millionen (Vorjahr: 1,631 Milliarden) Euro.

Bestimmte Papiere und Kredite nicht mehr mit Marktpreis bewertet

Als eine der ersten europäischen Großbanken machte die Deutsche Bank von der neuen Möglichkeit Gebrauch, bestimmte Wertpapiere und Kredite nicht mehr mit dem Marktpreis zu bewerten. Diese Papiere müssen nun nur dann wertberichtigt werden, wenn sich ein dauerhafter Ausfall abzeichnet. Damit sind die Regeln der Praxis in den Vereinigten Staaten angepasst worden. Die Finanzaufsicht Bafin erwartet hierdurch Entlastungen in den Bankbilanzen in Milliardenhöhe. Analysten hatten auf Basis der alten Bilanzierung mit einem Verlust bei der Deutschen Bank gerechnet.

Vorstandschef Josef Ackermann, der die Krise vor einem Jahr bereits zu den Akten legen wollte, spricht nun von anhaltend schwierigen Geschäftsaussichten. Zur Stärkung der Kapitalbasis signalisierte der Schweizer erstmals eine Kürzung der Dividende. „Das dritte Quartal 2008 war geprägt von einer eklatanten Verschärfung der Finanzmarktkrise im September“, erklärte Ackermann im Zwischenbericht. Die Verhältnisse an den Aktien- und Kreditmärkten seien auch zu Beginn des letzten Vierteljahres „extrem schwierig“.

789 Millionen Euro Verlust im Investmentbanking

Die Sparte Investmentbanking schrieb vor Steuern einen Verlust von 789 Millionen Euro, im Vorjahr hatte ein Minus von 179 Millionen Euro gestanden. Auch zu Beginn des vierten Quartals seien die Marktbedingungen in diesem Bereich weiter schwierig geblieben, hieß es. Die Deutsche Bank konnte aber ihre Risikopositionen weiter verringern.

Im Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden sank der Gewinn vor Steuern gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf 262 Millionen Euro, wie die Bank am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. In der Vermögensverwaltung rutschte das Institut vor Steuern mit 95 Millionen Euro in die roten Zahlen; im Vorjahr hatte noch ein Gewinn von 265 Millionen Euro gestanden.

Derweil sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück der „Financial Times Deutschland“, weitere große Privatbanken würden bald das Hilfpaket der Bundesregierung nutzen. In den nächsten vier bis fünf Tagen werde es eine ganze Reihe von Instituten geben, die die Hilfe in Anspruch nehmen werden, sagte er. Die „Süddeutsche Zeitung“ will gar erfahren haben, dass sich die Commerzbank, die Dresdner Bank, die Postbank und auch die Deutsche Bank helfen lassen. Deutsche-Bank-Chef Ackermann hatte noch vor kurzem Schlagzeilen mit der Aussage gemacht, er würde sich schämen, falls seine Bank sich vom Staat retten lassen müsste. Für die Gerüchte, dass dies bald doch der Fall sein könnte gab es bislang keine Bestätigung.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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