Vier Schicksale

Die Krise ganz persönlich

Von Lisa Nienhaus und Anne-Christin Sievers

Plötzlich ist die Finanzkrise eine persönliche Krise

Plötzlich ist die Finanzkrise eine persönliche Krise

17. November 2008 Sie haben eine Existenz aufgebaut und sich in Sicherheit gewiegt. Dann begannen die Banken zu straucheln, erst in Amerika, dann in Großbritannien, später auch hierzulande.

Ganz plötzlich wurde aus der Finanzkrise eine wirkliche Krise - und ihr Job geriet in Gefahr. Längst sind nicht mehr nur die Autobauer betroffen. Viele Arbeitnehmer fürchten um die Perspektiven ihrer Betriebe - und um ihre ganz persönliche Zukunft. Wir haben mit vier Menschen gesprochen, die schon heute betroffen sind. Sie möchten lieber anonym bleiben. Hier sind ihre Geschichten.

Der Ingenieur: Kurzarbeit und Zwangsurlaub

Die Bankerin: Warten auf die Kündigung

Der Anwalt: Entlassen in der Probezeit

Der Architekt: Den ersten Job wieder verloren

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: AP

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Der Ingenieur

Kurzarbeit und Zwangsurlaub

„Am Ende des Monats habe ich deutlich weniger Geld in der Lohntüte”

Die Krise ging langsam los. Im November mussten alle Mitarbeiter einen Tag Urlaub nehmen, um Überkapazitäten abzubauen. Ab nächsten Monat hat er selbst einen Tag in der Woche frei. Das ist für den Ingenieur kein Grund zur Freude.

Die Bankerin

Warten auf die Kündigung

“Jeder Banker sorgt sich jetzt um seine Zukunft. Alle halten die Luft an“

In ihrer Branche halten alle die Luft an. Auch für sich selbst hat die Bankerin große Bedenken: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich nicht mehr lange dabei bin, ist größer als die, dass ich bleiben kann.“

Der Anwalt

Entlassen in der Probezeit

“Mein Chef hat klar gesagt: Die Finanzkrise ist schuld, dass ich entlassen werde“

Er hat Jura studiert und sich dann auf die Fachgebiete Kapitalmärkte und Börsengänge spezialisiert. Doch in Krisenzeiten geht kaum ein Unternehmen an die Börse. Nach nicht einmal einem halben Jahr hat der Anwalt seinen Job wieder verloren.

Der Architekt

Den ersten Job wieder verloren

“Jetzt verwende ich die Zeit dazu, Drehbücher zu schreiben und Filme zu drehen über gescheiterte Menschen“

Erst Anfang Juni hatte der 31 Jahre alte Architekt in dem Büro angefangen. Es war sein erster Job nach dem Studium. Ein kurzes Intermezzo. „Der Umschwung kam für uns plötzlich“, erzählt er. Und ebenso plötzlich war sein erster Job wieder weg.