Der Sport in der Finanzkrise

Sponsoren knipsen das Licht aus

Von Christoph Hein und Anno Hecker, Singapur

BMW-Sponsor Credit Suisse: teure Einladungen könnten Ausstieg beschleunigen

BMW-Sponsor Credit Suisse: teure Einladungen könnten Ausstieg beschleunigen

30. September 2008 Die Finanzkrise erreicht den Sport. In der Formel 1 geht die Angst vor einem Ausstieg wichtiger Sponsoren um. „Die Kreditkrise werden viele Mannschaften zu spüren bekommen. Die Marktkapitalisierung schwindet, die Aktionäre fürchten um ihr Geld. Da werden manches Unternehmen, manche Bank aussteigen“, warnt der indische Milliardär Vijay Mallya, Besitzer des Teams Force India (siehe: Vijay Mallya, Force-India-Eigentümer: „Wir müssen die Kosten dramatisch senken“). Und Gerhard Berger, Miteigentümer des Teams Toro Rosso, sagt: „Keine Frage, es wird ganz schwierig werden in den nächsten zwei Jahren. Schon jetzt ist es doch ganz selten, dass überhaupt noch neue Sponsoren in die Formel 1 kommen, besonders die ganz Großen.“

Zu den Großbanken, die die Teams sponsern, zählen Credit Suisse (BMW Sauber), die Royal Bank of Scotland (RBS, AT&T Williams), die spanische Santander (Vodafone McLaren Mercedes) und die niederländische ING-Gruppe (ING Renault). Finanzdienstleister sind - nach der Telekommunikation - der zweitgrößte Förderer der Formel 1.

„Der Weltwirtschaft geht es schlecht - das trifft auch die Boxengasse“

Noch stehen die Mannschaften gut da, auch weil sechs der zehn Teams zumindest zu Teilen Automobilkonzernen gehören, die die Formel 1 zu Entwicklungszwecken und für das eigene Ansehen brauchen. Doch selbst bei Unternehmen wie Daimler war in Singapur zu spüren, dass die Mittel längst nicht mehr so breit gestreut werden. „Der Weltwirtschaft geht es schlecht. Das trifft auch die Boxengasse. Die Mannschaften müssen ihre Kosten stärker kontrollieren“, sagt Christian Horner, Chef des Teams Red Bull Racing.

Kostenschneiden in der Königsklasse kann nicht alles sein: Einige der Banken dürften die Rennstrecke ganz verlassen. So läuft etwa der Vertrag der ING mit Renault 2009 aus, für den Rennstall ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Die Niederländer pumpen rund 65 Millionen Dollar jährlich in das Team. Auf eine Fortführung mag sich Bankchef Michel Tilmat nicht festlegen: „ING prüft immer alle Werbemöglichkeiten, wenn ein Vertrag ausläuft“, sagt er. Vielleicht helfen ihm die Bilder aus Singapur bei seiner Entscheidungsfindung - „sein“ Fahrer Fernando Alonso entschied das Rennen für sich.

Teile der Vermarktungsrechte lagen bei Lehman und Morgan Stanley

Noch in diesem Jahr endet der Vertrag von RBS mit dem Team Williams. Die Schotten dürften dem Rennstall seit 2006 mit jährlich gut 29 Millionen Dollar auf die Räder geholfen haben, einschließlich der Streckenwerbung. Doch sind sie noch auf andere Weise mit den Boliden verbunden: RBS hat der geheimnisumwitterten britischen Investitionsgesellschaft CVC eine Kreditlinie über 1,3 Milliarden Dollar eingeräumt, die es ihr ermöglichte, 75 Prozent der Vermarktungsrechte an der Formel 1 zu übernehmen.

Das Paket lag bei Großbanken wie Lehman, Morgan Stanley und auch der Bayerischen Landesbank und stammte aus dem Nachlass des Medienmoguls Leo Kirch. Die zusammengebrochene Bank Lehman soll weitere 16,8 Prozent besessen haben, die nach der Übernahme des Investmentbankings nun an die Barclays Bank fallen dürften.

Murren über teure Einladungen bei der Credit Suisse

In Zürich, so war am Rennwochenende in Singapur im Umfeld der Credit Suisse zu hören, sei man über die hohen Ausgaben für die Einladungen von reichen Kunden nicht erfreut gewesen. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, dies könnte den Rückzug der Schweizer aus dem Geschäft mit dem Rennsport beschleunigen. Er kommt in Raten: Schon in Monza strich die Bank ihr traditionelles Festbankett. Auch ihre Anteile am Team BMW-Sauber hat sie an Peter Sauber zurückübertragen.

Dies indes, so wird betont, sei vor dem Ausbruch der Finanzkrise geplant gewesen. Das Team dürfte die Eidgenossen rund 15 Millionen Dollar jährlich gekostet haben. Der drohende Rückzug der Banken ist auch deshalb ein Problem, weil sie die Tabakkonzerne ersetzt hatten, nachdem deren Zigarettenwerbung immer öfter untersagt worden war.

Die Rennställe machen sich Mut - doch wer noch zahlen will, bleibt offen

Wer aber sollte nun, in Zeiten der Krise, folgen? Die Rennställe machen sich Mut: „Je mehr man unter Druck gerät, umso mehr gerät man auch unter Druck, seine Produkte noch zu verkaufen. Und umso mehr braucht man Werbung - allerdings sehr auf die Zielgruppe zugeschnitten. Ich denke, Formel 1 kann so etwas leisten“, sagt Norbert Haug, Chef von Mercedes Motorsport.

Singapur selbst holte das meiste aus dem Ereignis heraus. Die Wirtschaftsförderungsbehörde EDB lud am Samstag zum edlen Diner - und die ausländische Wirtschaftselite kam. „Sie glauben gar nicht, wie viele von denen für Formel 1 brennen“, frohlockte Ministerpräsident Lee Hsien Loong anschließend. Ob sie dafür auch zahlen, ist offener denn je.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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