14. November 2008 Die Sparkassen nehmen einen neuen Anlauf zur Neuordnung der in der Finanzkrise schwer getroffenen Landesbanken. Nach dem Plan der öffentlich-rechtlichen Ortsbanken sollen zunächst schwer verkäufliche Wertpapiere der sieben Spitzeninstitute in zwei- bis dreistelliger Milliardenhöhe ausgegliedert werden. Wegen der schwierigen Refinanzierungsbedingungen für große Banken seien erst nach diesem Schritt Fusionen möglich. Dies geht aus einem Beschluss hervor, den die zwölf Sparkassenverbandspräsidenten am Montag einmütig gefasst haben.
Darin wird das von den Sparkassen als Miteigentümer der Landesbanken schon länger verfolgte Ziel bekräftigt, dass es höchstens drei Institute - je eines im Süden, der Mitte und im Norden Deutschlands - geben sollte.
Zerschlagung der West LB vorgesehen
Allerdings hatten sich die Sparkassen in der Vergangenheit nicht gegen den anderen Miteigentümer der Landesbanken, die Bundesländer, durchsetzen können. Ob nun der neue Anlauf der Sparkassen zum Durchbruch führen wird, ist fraglich. Schließlich sieht der Beschluss, dem auch die Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen-Lippe zugestimmt haben, die Zerschlagung der West LB vor.
Bisher aber hat die Landesregierung in Düsseldorf jede Fusion abgelehnt. Die West LB will vielmehr, ebenso wie die Bayern LB, die HSH Nordbank und die LBBW, Rettungsmittel des Bundes annehmen. Damit könnte sich der Druck nach Veränderungen auf diese Banken zunächst verringern. Womöglich standen die Sparkassen unter diesem Eindruck und haben deshalb ihre Vorstellungen über die aus ihrer Sicht notwendigen Veränderungen in den Landesbanken formuliert.
Im Einzelnen schlagen sie vor, im Süden die LBBW mit der Bayern LB und Teilen der West LB sowie im Norden die HSH Nordbank mit der Nord LB zusammenzulegen. Der Fondsdienstleister der Sparkassen, die Deka, soll mit der Helaba und Teilen der West LB fusioniert werden. Die Deka verhandelt seit längerem mit der West LB über eine Übernahme des Kapitalmarktgeschäftes. Die HSH Nordbank, die in diesem Jahr eigentlich an die Börse gehen wollte, wird nach der jüngst bekanntgewordenen Schieflage offenbar wieder als fester Bestandteil des Landesbankenlagers gesehen.
Landesbank Berlin in die roten Zahlen gerutscht
Derweil gab die Landesbank Berlin (LBB) bekannt, dass sie wegen der Finanzkrise in den ersten neun Monaten des Jahres in die roten Zahlen gerutscht ist. Das Institut wies einen Verlust von 11 Millionen Euro aus, nach einem Gewinn von 201 Millionen Euro in der Vorjahresperiode. Vor Steuern wurde ein operatives Ergebnis von plus 3 Millionen Euro erzielt, wie die Tochter der Sparkassen-Gruppe am Freitag mitteilte. Im Vorjahreszeitraum waren es 281 Millionen Euro. Zur Jahresmitte hatte die LBB vor Steuern noch ein Plus von 138 Millionen Euro erreicht.
Der Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter sagte, die LBB habe sich der zugespitzten Finanzkrise nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers im September nicht entziehen können. Abschreibungen und Wertkorrekturen auf Wertpapiere und Forderungen führten nach Angaben der Bank bei den Finanzanlagen in den ersten neun Monaten zu einem Minus von 252 Millionen Euro.
In den Kerngeschäftsfeldern seien gleichwohl ordentliche Ergebnisse erzielt worden, sagte Vetter. So sei das Kundengeschäft der Bank unverändert erfreulich verlaufen. Der Zinsüberschuss stieg um 51 Prozent auf 878 Millionen Euro.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
Kabinett beschließt Steuersenkungen in ![]()
Kommentar: Über die zweite Mauer
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