Finanzkrise

Das Zittern der Hedge-Fonds

Von Bettina Schulz

Die Finanzkrise hat Hedge-Fonds-Unternehmen wie der Man Group stark zugesetzt

Die Finanzkrise hat Hedge-Fonds-Unternehmen wie der Man Group stark zugesetzt

15. November 2008 Den Hedge-Fonds geht die Luft aus. Die Branche befindet sich in einem Teufelskreislauf, der für etwa die Hälfte der Fonds im kommenden Jahr den Garaus bedeuten könnte. Die Branche wird gewaltig schrumpfen. Aber für Schadenfreude ist kein Platz.

Die Gründung von Hedge-Fonds war eine kluge Idee gewiefter Fondsmanager, die während des Börsenaufschwungs in Zeiten der Technologieblase beobachteten, dass traditionelle Investmentfonds in der Hausse zwar kräftige Gewinne einstreichen, im Abschwung aber von den fallenden Kursen nicht profitieren konnten. Schließlich durften traditionelle Investmentfonds keine Leerverkäufe tätigen.

Gewinne, wenn alle anderen verlieren

Dies ist eine Anlagestrategie, die dem Investor in Zeiten fallender Kurse Gewinne einspielt und deshalb andere Verluste ausgleichen kann - mithin der Begriff "hedge", der mit "Absicherung" übersetzt wird. Zahlreiche Fondsmanager klinkten sich daher nach dem Platzen der Technologieblase aus dem traditionellen Fondsmanagement aus. Sie gründeten Hedge-Fonds und entwickelten unterschiedlichste Anlagestrategien, die ihnen mit Hilfe von Leerverkäufen hohe Gewinne bescherten.

Das Wachstum dieser neuen Branche fiel in eine Zeit des billigen Geldes, in der Banken den Hedge-Fonds bereitwillig eine ausufernde Fremdfinanzierung gewährten. Der mit der hohen Fremdfinanzierung erreichte Hebeleffekt ermöglichte es den Hedge-Fonds, ihre Gewinne zu potenzieren. Selbst Banken gründeten eigene Hedge-Fonds, traditionelle Fondsmanager überließen den Hedge-Fonds Anlagemittel, die Branche erlebte einen kometenhaften Aufstieg.

Hedge-Fonds blähten die Kreditblase auf

Dies hatte auch sein Gutes: Hedge-Fonds nutzen durch ausgetüftelte Handelsstrategien Preisverzerrungen korrelierter Märkte aus. Dies ist der Grund, warum sie maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Preisbildung an den Finanzmärkten effizienter wurde und die Märkte von zusätzlicher Liquidität profitierten.

Ihre eigene Effizienz drängte die Hedge-Fonds allerdings immer mehr in die unregulierten, weil ineffizienteren Märkte von zum Beispiel strukturierten Kreditprodukten. Dort trug ihr Einsatz als Kontrahent der Banken maßgeblich dazu bei, traditionelle Kreditrisiken über den Markt zu verteilen. Dies half allen Marktteilnehmern, die gigantische Kreditblase aufzublähen, die jetzt so fatal implodiert ist.

Kein Kapital, keine Anleger

Die Finanzkrise schlägt mit Wucht auf die Branche der Hedge-Fonds zurück: Die Banken müssen angesichts ihres erodierenden Eigenkapitals ihr Kreditvolumen eindampfen, drosseln also die Kreditvergabe an die Hedge-Fonds oder fordern deutlich höhere Sicherheiten. Dies hat fatale Konsequenzen, denn mit mangelnder Fremdfinanzierung brechen die Renditen der Fonds ein, die Anleger ziehen Geld ab. Die Folge ist, dass Hedge-Fonds überstürzt liquide Anlagepositionen am Markt auflösen müssen. Das erklärt die hohe Geschwindigkeit, mit der die Preise an den Finanzmärkten derzeit in die Knie gehen.

Die Hedge-Fonds haben diese Finanzkrise nicht ausgelöst. Aber sie waren ein wesentlicher Baustein in dem Gerüst, das die Exzesse der Kreditblase ermöglicht hat. Die überstürzte Auflösung von Anlagepositionen der Hedge-Fonds jetzt verschärft die schmerzhafte Abwärtsspirale der Korrektur.

Das Opfer ist die Bevölkerung

Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass es professionelle Investoren sind, die mit ihrem Risiko die Gewinne und Verluste der Hedge-Fonds tragen und Hedge-Fonds deshalb nicht reguliert werden müssten.

Die Finanzmärkte sind aber nicht nur für professionelle Investoren da. Den bisher gut verdienenden Investmentbankern und Hedge-Fonds-Managern mag es relativ gleichgültig sein, ob jetzt mal der Bonus oder der Gewinnbeitrag ausfällt. Unter der schmerzhaften Korrektur an den Finanzmärkten leidet vor allem die normale Bevölkerung. Sie wird von einer Rezession bedroht.

Die glorreichen Zeiten für Hedge-Fonds sind vorbei

In nur wenigen Monaten sind an den Kapitalmärkten Vermögenspositionen in Milliardenhöhe vernichtet worden, die dazu dienen sollten, einen Teil der Bürger im Alter abzusichern. Wie soll ein Privatanleger Vertrauen in Finanzmärkte fassen, wenn dort alle paar Jahre Exzesse toleriert werden, die zunächst die Märkte aufblähen und dann wieder implodieren lassen? Die extremen Gewinne der Hedge-Fonds blühten in einer Zeit, in der die traditionelle Banken- und Marktaufsicht versagt hatte. Diese Zeit ist vorbei.

Banken müssen ihre Risikopositionen künftig wieder korrekt mit Eigenkapital unterlegen, und Schlupflöcher außerhalb der Bilanz und Akrobatik in der Rechnungslegung, um die Eigenkapitalunterlegung auszuhöhlen, müssen eingeschränkt werden. Auch wird die leichthändige Abwälzung von Kreditrisiken auf den Gesamtmarkt künftig schwieriger. Damit wird die Kreditvergabe der Banken an Kunden wie Hedge-Fonds sehr viel teurer.

Nur Fonds mit guten Renditen werden überleben

Die Branche der Hedge-Fonds wird deshalb die lukrative Hebelwirkung einer extremen Fremdfinanzierung nicht mehr nutzen können, die ihr bisher exorbitante Gewinne bescherte. Dies wird zu einer Konsolidierung in der Branche führen, die nur die Fonds überleben lässt, die in der Lage sind, auch ohne die Exzesse der vergangenen Jahre solide Renditen abzuwerfen.

Damit können auf Dauer auch die Finanzmärkte und die Normalbevölkerung besser leben.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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