02. Dezember 2008 Norbert Enste spielt Klavier, Gerhard Wiesheu beherrscht das Akkordeon, und Frank-Peter Martin bläst die Posaune. Wie gut die drei sind, davon werden sich ihre Kollegen auch in diesem Jahr auf der Weihnachtsfeier überzeugen können. Der Applaus ist den Hobby-Musikern schon sicher: Enste, Wiesheu und Martin sind nicht nur Teil der Metzler-Hausband“ sondern auch Partner in der Traditionsbank, mithin also die Chefs all derer, für die sie kurz vor Heilig Abend aufspielen werden. Pfiffe sind deshalb wohl nicht zu erwarten.
Aber es geht dem Geldhaus bei seiner Feier ja nicht darum, die Vorgesetzten besonders herauszuheben. Der Abend hat Tradition im Hause Metzler, wie in vielen anderen Banken auch. Deshalb soll auch in einem Jahr gefeiert werden, das der Branche die schlimmste Krise seit Jahrzehnten beschert hat. Wir machen das im bewährten Stil“, heißt es bei Metzler.
Weihnachtsfeier als kleines Dankeschön
Auf die traditionellen Weihnachtsfeiern zu verzichten, das wäre das falsche Signal, lautet die Devise auch in anderen Bankentürmen. Die Mitarbeiter haben gerade in diesem Jahr geschuftet bis zum Umfallen“, erläutert Joachim Strunk, der Sprecher der Postbank. Als kleines Dankeschön sei die Feier deshalb sehr wichtig. Für uns ist das auch ein Stück Unternehmenskultur, einmal im Jahr abseits des Büroalltags mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen“, sagt Rolf Kiefer, Sprecher der Dekabank. Viele Mitarbeiter hätten in der Krise sehr gute Arbeit geleistet, ergänzt Thomas Kalich, der Sprecher der Investmentfirma Frankfurt-Trust. Die jährliche Weihnachtsfeier diene auch der Stärkung der Gemeinschaft.
Aber natürlich spüren die Finanzhäuser auch, dass solche Feiern falsch verstanden werden könnten in einem Jahr, in dem Milliardensummen verbrannt und der Staat als Notretter der Branche auftreten musste. Alle Institute betonen deshalb, dass die Veranstaltungen eher bescheiden daherkommen sollten. Champagner und Kaviar hat es bisher schon nicht gegeben, und das wird es in diesem Jahr erst recht nicht geben“, erklärt Postbank-Sprecher Strunk. Zwar sagt niemand offen, dass sie an den Weihnachtsfeiern sparen müssen. Aber zwischen den Zeilen ist der Drang spürbar, bloß keinen neuen Anlass für öffentliche Kritik zu geben.
Feiern zum Abschied
In der Deutschen Bank etwa, wo die Feiern auf Abteilungsebene organisiert werden, heißt es, dies geschehe grundsätzlich in eher kleinerem Rahmen“. Und jede Abteilung müsse selbst entscheiden, welche Summe aus dem Budget für eine Weihnachtsfeier verwendet werden soll. In der Commerzbank hält man ebenfalls an kleineren Mitarbeiterfeiern auf Abteilungsebene oder am Glas Sekt für den Neujahrsempfang fest.
Auch die Tochtergesellschaft Cominvest, die im neuen Jahr an die Allianz abgegeben wird, darf noch einmal mit allen Mitarbeitern feiern – allerdings eine Nummer kleiner als in früheren Jahren. Aber wir wollen auch die Mitarbeiter aus anderen Standorten dazu einladen“, sagt Cominvest-Sprecher Matthias Jansen.
Die Kosten stärker im Blick
Als eines der wenigen großen Institute macht die Dekabank eine zentrale Feier in ihrem Gebäude in Niederrad. Das sei einfacher zu organisieren, als viele kleinere Abteilungsfeiern. Zum Programm gehörten Musik, ein Aktionskünstler sowie eine Kinderbetreuung, auf dass es ein gelungener Abend werde. Aber auch wir haben einen verschärften Blick auf die Kosten“, sagt Rolf Kiefer. Im Unterschied zur Londoner City, wo die Investmentbanker zum Jahresausklang häufig mit ausschweifenden Feten von sich reden machten, gibt sich die Frankfurter Bankenwelt bescheiden. Extravagante Feiern seien noch nie der Stil der Häuser gewesen. Das sei eher das Metier der Finanzvertriebe, heißt es.
Bemerkbar macht sich die Finanzkrise im einen oder anderen Haus aber dennoch. Zum Beispiel beim Branchenprimus unter den Fondsgesellschaften. Die DWS Investments, hat ihre zentrale Weihnachtsfeier im Cocoon-Club abgesagt. Vor zwei Jahren, zur Feier des 50-jährigen Jubiläums der Gesellschaft, hatte man sich noch einen Abend in der Alten Oper und Elton John als Stargast geleistet. Aber damals erfreute sich die Fondsbranche auch noch kräftiger Mittelzuflüsse und hoher Gewinne. In diesem Jahr sieht die Bilanz düster aus und deshalb gebe es auch keinen richtigen Grund zum Feiern, heißt es bei der DWS.
Goldman Sachs ist nicht zum Feiern zumute
Auch bei Goldman Sachs in Frankfurt ist die Weihnachtsfeier in diesem Jahr gestrichen worden. Und in der Dresdner Bank rechnen die Mitarbeiter ebenfalls nicht mehr mit einem gemeinsamen Fest. Eine Einladung dazu habe es bisher jedenfalls nicht gegeben, erzählt ein Finanzfachmann von Dresdner Kleinwort.
Das deutlichste Zeichen von Verzicht übten die Banken allerdings, indem sie unlängst den traditionellen Bankenball absagten, der das Ende der einwöchigen Fachkonferenz Euro Finance Week bilden sollte. In festlicher Garderobe im Walzertakt auf dem Parkett der Alten Oper dahinzuschweben oder zu den Klängen der Pop-Band No Angels zu schmachten, das hätte sich in diesem Jahr wohl nicht so gut gemacht, lautete die Befürchtung.
Schon gar nicht an einem Tag, an dem Bundespräsident Horst Köhler der gesamten Branche ordentlich die Leviten las. 700 000 Euro Ausfallgebühr mussten die drei großen Frankfurter Geldhäuser dem Veranstalter für die kurzfristige Absage bezahlen, wird kolportiert. Aber das sei es wert gewesen. Der Bankenball“, resümiert ein langjähriger Finanzfachmann, hätte einfach nicht in die Zeit gepasst.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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