30. September 2008 Vijay Mallya, 52, ist Vorstandsvorsitzender der United Brewery Group und der Fluglinie Kingfisher. Er gilt als einer der einflussreichsten Industriellen Indiens. Im September 2007 übernahm Mallya das Spyker-Formel-1-Team und benannte es in Force India um. Der Eigentümer und Hauptsponsor des kleinsten Rennstalls im Grand-Prix-Geschäft legt im F.A.Z.-Gespräch dar, wie sich die Formel 1 gegen die negativen Auswirkungen der Finanzkrise wehren kann - und warum sich die Rennserie neu ausrichten muss.
Haben wir am Sonntag mit dem Nachtrennen in Singapur in die Zukunft der Formel 1 blicken können?
Singapur hat wirklich einen Super-Job gemacht. Lassen wir mal die Technik der Formel 1 und den Kurs selber beiseite: Die Unterhaltungsangebote die ganzen Tage über boten wesentlich mehr, als wir normalerweise bei einem Formel-1-Rennen erleben können. Das war eine Party ohne Ende. Und genau das sollte die Formel 1 doch sein.
Ihnen ist der Spaßfaktor also wichtiger als der Sport?

Mallya (h.r.) bei der Sitzung der Teamverantwortlichen im April in Barcelona: in der Formel 1 gibt es zwei nicht besetzte Plätze
Wir kommen doch um eines nicht herum: Spätestens jetzt, nach dem Rennen in Singapur, muss jedes Land intensiv darüber nachdenken, die Formel 1 neu auszurichten.
Die Party in Indien scheint sich nun aber zu verschieben - das Rennen in Neu-Delhi soll nicht mehr 2010, sondern 2011 ausgetragen werden. Stimmt das?
Auch ich habe nur davon gehört. Ich habe noch nicht mit Bernie Ecclestone gesprochen. Ich weiß nicht, was er denkt. Bis wir es genau wissen, rechnen wir weiter mit 2010.
Ein viel drängenderes Problem dürfte die weltweite Finanzkrise sein. Sie macht auch vor den Sponsoren der Rennställe nicht halt . . .
Das stimmt. Natürlich haben auch wir Sorgen. Die Marktkapitalisierung und der Wert führender Unternehmen wie Automobilhersteller, Zulieferer und anderer Sponsoren haben enorm nachgegeben. Dabei wird die Formel 1 von manchem als außergewöhnliche und sehr teure Werbemaßnahme betrachtet. Und nun steigt der Druck der Aktionäre, die weitere Kostenschnitte sehen wollen.
Was sagen Sie denen?
Ich teile eine solche Sicht überhaupt nicht. Die Förderung der Formel 1 ist eine sehr effektive Art der Werbung. Und selbst unter den schwierigsten Umständen müssen wir ja noch für uns werben - ohne Werbung geht es nicht. Richtig aber ist wohl, dass die Mittel nun weniger werden.
Können Sie den Einbruch beziffern?
Wenn Sie sich die Marktkapitalisierung der großen Sponsoren anschauen und sehen, dass die um 20 bis 30 Prozent nachgegeben hat, heißt das nicht zwingend, dass auch der Werbeaufwand für die Formel 1 im gleichen Maß zurückgenommen wird. Aber ausschließen kann man einen solchen Einschnitt jetzt auch nicht mehr.
Gehen Force India auch die Mittel aus?
Nein, wir sind von dieser Entwicklung nicht betroffen. Schließlich bin ich ja nicht nur der Eigentümer des Teams, sondern auch sein wichtigster Sponsor. Aber es stimmt schon: Als Team müssen wir uns auf eine andere Zukunft der Formel 1 einstellen. Es ist doch so: Wenn ich 120 oder 130 Millionen Dollar für mein Team auf den Tisch lege, dann will ich, dass sein Wert auf 300 Millionen Dollar steigt.
Bei Ihnen scheint das Geld zu reichen, aber wie kann die Königsklasse insgesamt gegensteuern?
Dazu muss sie sich selber neu erfinden. Sie muss sich attraktiver machen.
Wie soll das gehen?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Wir haben heute zwei nichtbesetzte Plätze im Feld. Guter Sport aber läuft doch so: Wenn ich zwölf Plätze zu vergeben habe, müssen da 20 Interessierte Schlange stehen, die sie haben wollen. Wir hier aber kommen mit zwölf Plätzen und nur zehn Teams. Und kein Mensch ist daran interessiert, die übrigen zwei zu besetzen. Da liegt doch das grundlegende Problem. Geht das noch lange so weiter, wird sich das Problem noch vergrößern. Also brauchen wir jetzt wirklich neue Ideen.
Und wo wollen Sie die hernehmen?
Schauen Sie doch auf das Rennen in Singapur. Alle hier hatten rund um die Uhr enormen Spaß.
Reicht der Rummel allein denn?
Das kann natürlich nicht alles sein. Denn diejenigen, die am Ende die Schecks ausstellen, wissen genau, dass die Marktkapitalisierung ihrer Unternehmen durch das Vergnügen entlang der Strecke nicht wie von selber steigt.
Was also muss noch passieren?
Wir müssen die Kosten dramatisch senken. Und zeitgleich die Einnahmen der Teams deutlich erhöhen. Die "Formula One Team Association" (Vereinigung der Rennställe) formt sich gerade. Das Thema Kosten und Einnahmen muss zu deren Hauptarbeitsfeld werden.
Sie haben hier mehr Spaß gehabt als in Spa oder am Nürburgring?
Als Teamchef muss ich bei jedem Rennen dabei sein, um meine Mannschaft zu motivieren. Aber dürfte ich es mir aussuchen, würde ich doch nur nach Singapur gehen und mir einige der Rennen in Europa wirklich sofort und auf der Stelle sparen. Da gibt es ja nicht mal halb so viel Spaß wie hier.
Die Fragen stellte Christoph Hein
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, REUTERS
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