Vergütung

Die Banken drehen schon wieder an der Lohnspirale

Die Citigroup will ihr Personal verstärkt über Grundgehälter und weniger über erfolgsabhängige Prämien entlohnen

Die Citigroup will ihr Personal verstärkt über Grundgehälter und weniger über erfolgsabhängige Prämien entlohnen

24. Juni 2009 In der Bankenbranche wird wieder über Vergütungssysteme diskutiert. Im Ausland wollen immer mehr Banken dazu übergehen, ihr Personal verstärkt über Grundgehälter und weniger über erfolgsabhängige Prämien zu entlohnen. Jüngstes Beispiel ist die amerikanische Citigroup. Die durch staatliche Kapitalzufuhren von 45 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch bewahrte Bank will die Grundgehälter für einen großen Teil ihrer Belegschaft in diesem Jahr deutlich aufstocken.

Nach einem Bericht der „New York Times“ will die Citigroup damit einen Ausgleich für schrumpfende Bonuszahlungen schaffen und dafür sorgen, dass die Mitarbeiter ihr Entlohnungsniveau des vergangenen Jahres insgesamt halten können. Die Grundgehälter sollen dem Bericht zufolge um bis zu 50 Prozent erhöht werden. Das Unternehmen wollte die Zahl selbst nicht kommentieren, teilte aber mit: „Citi sucht weiter nach Wegen, um sicherzustellen, dass die Entlohnung von Mitarbeitern in diesem sehr schwierigen Umfeld wettbewerbsfähig ist.“ Durch die Anpassungen des Grundgehalts werde nicht die gesamte jährliche Entlohnung erhöht, betonte die Citigroup.

Boni erreichten in guten Zeiten siebenstellige Beträge

Die hohen Bonuszahlungen in den Banken sind im Zuge der Finanzkrise unter Beschuss geraten. Nach Meinung von Kritikern hat das Bonussystem die Mitarbeiter dazu verführt, hohe Risiken beim Handeln mit Wertpapieren einzugehen. Die Boni waren schon längst geflossen, als erst später die Verluste aus riskanten Positionen auftraten. Die erfolgsabhängige Vergütung hat mehr als zwei Drittel des Gesamtverdiensts amerikanischer Investmentbanker ausgemacht. Lagen die Fixgehälter zwischen 80.000 und 300.000 Dollar, erreichten die Boni in guten Zeiten siebenstellige Beträge.

Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt wollen die Entlohnungspraktiken der Banken strenger überwachen. Die höheren Auflagen für die Boni verleiten Banken nun dazu, die Grundgehälter zu erhöhen. Diesen Schritt sollen Presseberichten zufolge bereits Morgan Stanley, Bank of America und die Schweizer Großbank UBS angekündigt haben. Zehn amerikanische Banken haben damit begonnen, ihre staatlichen Kapitalhilfen von 68 Milliarden Dollar zurückzuzahlen. Sie wollen damit wieder freier in ihrer Entlohnung agieren können. Unter diesen Instituten befinden sich Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley.

Mittlerweile warnen führende Banker wie zuletzt der Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Martin Blessing davor, dass schon wieder zu alten Verhaltensmustern zurückgekehrt werde. Viele Investmentbanken haben im ersten Quartal gut verdient. Ein wesentlicher Grund dafür war der Boom bei Anleiheplatzierungen. Spezialisten in diesem Bereich seien derzeit heiß begehrt, berichten Londoner Investmentbanker. Bei Abwerbungsversuchen würden wieder hohe Garantieboni versprochen.

Text: lid./maf./F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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