Internationaler Währungsfonds

Weltwirtschaft am Rand des Abgrunds

IWF-Chef Strauss-Kahn: Finanzkrise wird das Wachstum bremsen

IWF-Chef Strauss-Kahn: Finanzkrise wird das Wachstum bremsen

09. Oktober 2008 Die globale Finanzkrise treibt die Weltwirtschaft an den Abgrund. Zu dieser düsteren Einschätzung gelangt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem aktuellen Bericht zur Lage der Weltwirtschaft, der kurz vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank am Wochenende in Washington veröffentlicht wurde. Der IWF senkte seine Wachstumsprognose für Deutschland und die Vereinigten Staaten. Das deutsche Wachstum werde sich auf 1,8 Prozent verlangsamen, hieß es am Mittwoch aus Washington.

Die Volkswirtschaften einer Reihe von Industrieländern werden demnach in der nächsten Zeit kaum noch wachsen, einige werden sogar in eine Rezession gleiten. Hoffnung auf eine rasche Erholung besteht kaum, denn die Turbulenzen im Finanzsystem dürften noch geraume Zeit fortbestehen.

IWF rechnet mit ungewöhnlich langsamer Konjunkturerholung

„Die Finanzkrise ist in den vergangenen Wochen immer schlimmer geworden. Mit voller Wucht wird das aber erst noch auf die Realwirtschaft durchschlagen“, warnte Olivier Blanchard, Chefvolkswirt des IWF. Es bestehe kein Zweifel mehr, dass die Weltwirtschaft sich in einem ganz massiven Konjunkturabschwung befinde. Die Krise auf den Finanzmärkten sei so schlimm wie seit der Großen Depression in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr. Die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems hänge vom gegenseitigen Vertrauen der Marktakteure ab: „Ich leihe Dir Geld, wenn ich einigermaßen sicher sein kann, dass Du es mir später zurück bezahlst. Dieses Vertrauen ist praktisch völlig verloren gegangen“.

Die Rettungsmaßnahmen, die in Amerika und anderen Ländern ergriffen worden seien, würden die Krise zwar vermutlich eindämmen können, sagte Blanchard. Aber es werde noch eine Weile dauern, bis das Vertrauen an den Märkten wieder hergestellt sei und damit auch die Kreditvergabe wieder in Gang komme. Darum rechnet der IWF auch nur mit einer ungewöhnlich langsamen Konjunkturerholung in vielen Industrieländern, die frühestens in der zweiten Hälfte kommenden Jahres einsetzen werde.

Stagnation für Deutschland erwartet

Die Ökonomen des IWF haben für sämtliche Länder die Wachstumsprognosen für 2009 gesenkt, mitunter sogar ganz erheblich. Amerika, die größte Volkswirtschaft der Welt, hat sich bisher verhältnismäßig gut geschlagen, unter anderem wegen der kräftigen Zinssenkungen, des schwachen Doller und eines Konjunkturpakets, das früher in diesem Jahr beschlossen wurde und den Konsum vorübergehend beflügelt hat. Für 2009 erwartet der IWF aber eine Stagnation in den Vereinigten Staaten, ebenso wie für Deutschland, die größte Volkswirtschaft des Euro-Raums. Für Italien und Spanien befürchtet der Fonds sogar ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts, und auch die britische Wirtschaft dürfte 2009 weniger leisten als noch in diesem Jahr. Als positiv nennt der Fonds die Stabilisierung zahlreicher Rohstoffpreise seit dem Sommer, wenngleich deren Niveau immer noch recht hoch sei. Dies verringere aber den Inflationsdruck.

Als einen der wichtigsten Übertragungskanäle vom Finanzsystem zur Realwirtschaft nennt der IWF die Verknappung des Kreditangebots. Viele Banken, sowohl in Amerika als auch in Westeuropa, hätten die Bedingungen für die Kreditvergabe erheblich verschärft in dem Bemühen, ihre Bilanzen aufzubessern. „Viele Banken halten derzeit lieber Bargeld vor, als dass sie neue Darlehen vergeben“, sagte Blanchard.

Einige Schwellen- und Entwicklungsländer drohen nach Einschätzung des Fonds ebenfalls in den Strudel der Krise zu geraten, weil Investoren zunehmend Risiken scheuten und deshalb womöglich nicht mehr so viel Kapital in diese Länder fließe. Außerdem spürten Schwellen- und Entwicklungsländer die schlechte Konjunktur in den Industrienationen in Form einer schwächeren Exportnachfrage. Gleichwohl dürften sich die Anteile an der Weltwirtschaft weiter zugunsten dieser Ländergruppe verschieben, weil dort das Wachstum nicht so stark einbrechen werde. In China beispielsweise sagt der IWF für 2009 ein Wachstum von 9,3 Prozent voraus, verglichen mit erwarteten 9,7 Prozent in diesem Jahr.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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