18. Oktober 2008 Die Deutsche Bank will die Finanzkrise aus eigener Kraft durchstehen. Auf die Frage, ob sein Haus in irgendeiner Weise das 500-Milliarden-Euro-Rettungspaket der Bundesregierung in Anspruch nehmen will, sagte Vorstandssprecher Josef Ackermann der Bild am Sonntag: Die Deutsche Bank benötigt kein Kapital vom Staat. Die Deutsche Bank sei zu keinem Zeitpunkt in der Krise akut gefährdet gewesen. Wir sind eine der stärksten und am besten kapitalisierten Banken der Welt. Dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel zufolge sagte Ackermann bei einem Führungskräftetreffen der Deutschen Bank: Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden.
Anders als der Branchenprimus signalisiert die zweite deutsche Großbank zumindest Interesse: Wir werden uns in Ruhe anschauen, ... ob es für uns in Frage kommt. Ich glaube, es ist die Pflicht eines jeden Bankers, eine Teilnahme an dem Paket zu prüfen, sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing der Bild-Zeitung (Samstagausgabe). Denn von der Kapitalstärke hängt es ab, ob auch weiter Kredite vergeben werden können, was in einem Abschwung ganz wichtig ist.
Banken erwägen gemeinsame Nutzung des Rettungspakets

"Die gesamte Bankenbranche trägt große Verantwortung an der Krise - auch ich als Chef der zweitgrößten Bank in Deutschland", sagt Commerzbank-Chef Martin Blessing
Nach Informationen des Münchner Magazins Focus erwägen deutsche Banken, die Hilfen des sogenannten Finanzmarktstabilisierungsfonds gemeinsam zu nutzen. Das Problem sei, dass keiner der erste sein wolle, zitierte das Magazin einen Sparkassenfunktionär. An diesem Montag werde - für Privat- und Landesbanken - verhandelt, ob alle gemeinsam in einem großen Schritt unter den Schutzschirm gehen, berichtete der Focus. Das würde verwischen, welche Institute tatsächlich notleidend seien.
Das Paket ist am Samstag in Kraft getreten. Damit können die Finanzunternehmen schon zum Börsenbeginn an diesem Montag darauf zurückgreifen. Bundestag und Bundesrat hatten dem Paket am Freitag im Eilverfahren zugestimmt. Bundespräsident Horst Köhler unterzeichnete es anschließend. Am Montagmorgen will die Bundesregierung in einer Rechtsverordnung die Bedingungen festschreiben, unter denen die Banken unter den staatlichen Schutzschirm kommen können. Dabei geht es unter anderem um eine Deckelung der Managergehälter bei 500.000 Euro jährlich, um das Streichen von Bonuszahlungen und eine zurückhaltende Dividendenausschüttung.
Verhaltene Kritik an Gehaltsobergrenze von 500.000 Euro
Ackermann hat für weniger strenge Vorgaben der Bundesregierung im Zusammenhang mit dem Banken-Rettungspaket plädiert. Je strikter die Auflagen sind, desto geringer ist die Bereitschaft, von der Hilfe Gebrauch zu machen, sagte Ackermann der Bild am Sonntag. Oder die besten Kräfte, die gerade in schwierigen Zeiten gebraucht werden, suchen sich woanders einen Job. Er empfehle daher, mit Augenmaß vorzugehen. Skeptisch beurteilte Ackermann eine Gehaltsobergrenze von 500.000 Euro für Bank-Manager: Die Besten bekommen Sie dafür nicht.
Zugleich appellierte der Deutsche-Bank-Chef an gefährdete Banken, das Hilfsangebot der Bundesregierung anzunehmen. Es darf jedenfalls nicht dazu kommen, dass aus falschem Prestigedenken hilfsbedürftige Banken die von der Regierung angebotene Hilfe nicht in Anspruch nehmen. Wer nicht über ausreichend Kapital verfüge, solle es sich auf dem freien Markt oder beim Staat besorgen.
Commerzbank-Chef Blessing räumt schwere Versäumnisse ein...
Laut Focus macht Bundesbank-Präsident Axel Weber Druck, die empfohlene Kernkapitalquote deutscher Kreditinstitute zu erhöhen, die derzeit zwischen sieben und neun Prozent liegt. Möglich seien Untergrenzen von neun, aber auch zehn Prozent, zitiert das Blatt einen Banker. Auf diesem Wege könnte der Bund mit einem Schlag an allen Bankhäusern beteiligt werden. Da die Regierungen in Washington und London ihre Banken dazu verpflichteten, den Staat zu beteiligen, entstünden den deutschen Banken Wettbewerbsnachteile. Ohne Staatsbeteiligung hätte dann keine deutsche Bank im internationalen Geldverkehr mehr eine Chance, sagte der Manager weiter.
Commerzbank-Chef Blessing räumte schwere Versäumnisse der Bankenbranche ein. Er sagte: Die gesamte Bankenbranche trägt große Verantwortung an der Krise - auch ich als Chef der zweitgrößten Bank in Deutschland. Es ist schlimm, dass sich die Menschen in unserem Land Sorgen um ihr Geld machen. Da haben wir uns als Branche wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.
...und Ackermann sieht eigene Rolle weniger kritisch
Weniger kritisch sieht Ackermann die eigene Rolle: Ich selbst habe schon im vergangenen Jahr in einer sehr populären Fernsehsendung gesagt, dass auch die Deutsche Bank Fehler gemacht hat - wenngleich erheblich weniger und weniger gravierende als andere, sagte er der Bild am Sonntag. Wir haben selbst in der Krise bisher noch über drei Milliarden Euro netto verdient, eine hohe Kapitalquote, gewinnen Kunden, Einlagen und Marktanteile und können uns Zukäufe wie zum Beispiel bei der Postbank leisten. Die Deutsche Bank werde in der ganzen Welt dafür gelobt, wie gut sie im Vergleich dasteht.
Unterdessen sieht Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die deutschen Banken in einer Vertrauenskrise und fordert eine Kundenoffensive der Institute sowie eine gesetzliche Informationspflicht. Die Banken müssen jetzt sehr schnell für neues Vertrauen sorgen, schrieb Glos in einem Gastbeitrag für Bild am Sonntag.
Nach Ansicht von DGB-Chef Michael Sommer befindet sich der Kapitalismus in einer Fundamentalkrise. Die Ursache dafür liege in einer verfehlten Wirtschaftspolitik voll blindem Vertrauen in die Kräfte des Marktes, sagte er der Passauer Neuen Presse. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte bei einem Festakt zum 250-jährigen Bestehen des Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzerns MAN in München, das Verhältnis von Freiheit und Ordnung sei in Schieflage geraten.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa
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Banker-Boni: Das Spiel geht weiter
Kommentar: Kreditblase Teil II
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