27. Oktober 2008 Eine Explosion des Kurses der Volkswagen-Aktie von zeitweise mehr als 200 Prozent hat den Dax am Montag vor einem erneuten Kurssturz bewahrt (siehe auch Unfassbares Kursplus der VW-Aktie) und ließ ihn am Ende des Tages sogar mit 0,9 Prozent im Plus bei 4335 Punkten schließen. Ohne das Kursplus der VW-Aktie von 150 Prozent hätte der Index neun Prozent im Minus geschlossen.
Der MDax der wichtigsten Nebenwerte und der TecDax der Technologieaktien verbuchten dagegen mit knapp fünf Prozent auf 4811 Punkte bzw. 4,3 Prozent auf 458 Stellen deutliche Verluste.
Trostlose Stimmung

Auch das noch: Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerks Attac demonstrieren am Montag im Frankfurter Börsensaal. Dabei haben sich die Finanzmärkte doch schon selbst entwaffnet, schaut man auf die Kursentwicklung
Geprägt wurde die Stimmung an den europäischen Aktienmärkten von Rezessionsängsten der Anleger. Die konnte auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet mit der Andeutung einer Zinssenkung in der kommenden Woche kaum dämpfen.
Derzeit wird jedem tagtäglich knallhart vor Augen geführt, in welchem Teufelskreis wir uns befinden, sagt ein Aktienhändler. Wegen der trüben Konjunkturaussichten fahren die Unternehmen Investitionen zurück und streichen Stellen. Gleichzeitig halten sich die Verbraucher mit Ausgaben zurück und verringern dadurch die Nachfrage, was wiederum neue Sparrunden bei den Unternehmen nach sich zieht.
Zur trostlosen Stimmung trug auch der düstere Ausblick der deutschen Firmen bei. Die vom Ifo-Institut erfasste Erwartungshaltung der Unternehmen für die kommenden sechs Monate fiel auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung. Börsianern zufolge wurde an den Märkten die Schieflage der Hedgefonds offenbar massiv unterschätzt. Die müssen derzeit unabhängig vom Kursniveau liquidieren, weil die Anleger ihr Geld zurückfordern. Und weil keiner weiß, wie groß der Teufelskreis noch wird, hält niemand dagegen, hieß es.
VW-Aktie im Höhenrausch
Dagegen beschlossen die Papiere des Wolfsburger Autobauers VW, deren Kurs sich in der Spitze auf 635 Euro verdreifacht hatte, den Handel als einziger Gewinner im Dax mit einem Plus von 150 Prozent bei 520 Euro. Offenbar hätten zahlreiche Anleger nach den Kursverlusten der Vorwoche auf eine Fortsetzung dieses Trends spekuliert, sagte ein Händler. Sie müssten sich nun mit den Aktien eindecken, um ihre Verluste zu begrenzen.
Wer in dieser Aktie noch engagiert war und gegen Porsche spekuliert hat, der hat es eigentlich nicht besser verdient, sagte ein Börsianer. Am Wochenende hatte der Sportwagenbauer bekanntgegeben, bei VW die Dreiviertel-Mehrheit anzustreben. Porsche-Aktien gaben 9,1 Prozent auf 41,85 Euro nach.
Der Höhenflug der VW-Aktie beschleunigte die Talfahrt der übrigen Dax-Werte, hieß es im Handel. Fonds, die den Index abbilden, seien gezwungen, andere Aktien zugunsten von Volkswagen zu verkaufen.
Postbank und Post unter Druck
Ganz oben auf der Verkaufsliste standen die Papiere der Postbank und ihrer Muttergesellschaft Deutsche Post. Die Postbank-Aktie brach um 24 Prozent auf 14,25 Euro ein, die der Post um 17,4 Prozent auf 7,995 Euro. Die Postbank benötigt nach einem überraschend hohen Quartalsverlust eine Finanzspritze von einer Milliarde Euro.
Ein Großteil diesen Geldes soll von der Post kommen, die darüber hinaus wegen der schwachen Konjunktur ihre Gewinnerwartungen deutlich heruntersetzte. Mit diesem Problem steht der Logistik-Konzern allerdings nicht alleine da: Der niederländische Konkurrent TNT verbuchte im abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch. In Amsterdam rutschten die Aktien des Konzerns um bis zu zwölf Prozent auf 14,21 Euro ab.
Die geplante Kapitalerhöhung der Postbank setzt auch dem künftigen Großaktionär Deutsche Bank zu: Das größte deutsche Kreditinstitut muss für den geplanten Einstieg bei der Postbank nun tiefer in die Tasche greifen. Deutsche-Bank-Papiere verloren 15,1 Prozent auf 25,69 Euro.
Aktienkurs von Premiere auf neuem Rekordtief
Im MDax brachen Premiere-Titel um rund 23 Prozent auf 1,83 Euro ein und markierten damit ein neues Rekordtief. Händlern zufolge sorgen sich die Börsianer weiter um stärkere Konkurrenz bei den Fernsehrechten für die Übertragung der Fußball-Bundesliga.
Unter den Technologiewerten bricht der Kurs der Aktien von Repower Systems um 31 Prozent auf 55,58 Euro ein. Zwischen den Hamburgern und dem indischen Großaktionär Suzlon wird es vorerst nicht zu einem Beherrschungsvertrag kommen. Repower befindet sich eigenen Angaben zufolge in fortgeschrittenen Gesprächen mit einem Bankenkonsortium über die Wachstumsfinanzierung der Gesellschaft.
Einem Händler zufolge klingen die jüngsten Meldungen nicht so, als ob Suzlon noch zu 100 Prozent hinter Repower stehe und es werde darüber spekuliert, dass sie bei einer Finanzierungszusage Abstand nehmen könnten. Goldman Sachs stufte die Aktie indes von Sell auf Neutral hoch.
Zinssenkungshoffnungen treiben Aktienkurse an der Wall Street
Positive Nachrichten aus der Telekommunikationsbranche und eine Entspannung an den Kreditmärkten lassen die amerikanischen Börsen am Montag fester tendieren. Bei turbulentem Handel sorgen vor allem die soliden Quartalszahlen des Telekomkonzerns Verizon für positive Stimmung. Zudem beflügelte die Aussicht auf eine Zinssenkung der EZB die Märkte. Dagegen belastet die Angst vor einer globalen Rezession.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notiert mittlerweile knapp 2 Prozent im Plus bei 8544 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legt 1,2 Prozent auf 887 Zähler zu, der Index der Technologiebörse Nasdaq 1,4 Prozent auf 1573 Stellen.
Die Anleger schöpfen Hoffnung, dass weitere Zinssenkungen der Zentralbanken eine Rezession zumindest abmildern könnten. EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisierte am Montag mit überraschend deutlichen Worten, dass die Europäische Zentralbank in
der kommenden Woche im Kampf gegen die Finanzkrise voraussichtlich die Kredite erneut verbilligen wird. Auch von der amerikanischen Notenbank Fed erwarten die Anleger mindestens eine weitere Zinssenkung.
Verizon sorgt für Optimismus
Die Liste der Gewinner führen unter anderem Verizon-Papiere an. Der zweitgrößte amerikanische Telekomkonzern trotzte im dritten Quartal dem Konjunkturabschwung und überzeugte mit einer soliden Geschäftsbilanz. Die Börse honorierte das mit einem Kursanstieg von mehr als elf Prozent. Im Sog der Verizon-Aktie legen auch weitere Branchentitel zu.
Zu den Verlierern gehören dagegen die Titel von Microsoft mit einem Kursverlust von 2,3 Prozent. Das Wall Street Journal berichtete, mittlerweile hätten viele Firmen Schwierigkeiten, ihre IT-Finanzierungen zu schultern und gerieten mit Krediten in Verzug. Auch der Abwärtstrend bei General Motors hält mit einem Kursrutsch von drei Prozent an. Die Anleger zeigten sich nach Bekanntwerden der Übernahmegespräche zwischen GM und Chrysler-Eigentümer Cerberus verärgert über den Ausblick des Konzerns.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS
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| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.831,21 | −0,23% |
| TecDAX | 815,34 | −0,05% |
| MDAX | 7.393,75 | −0,14% |
| SDAX | 3.555,37 | +0,22% |
| REX | 378,74 | +0,12% |
| Eurostoxx 50 | 2.871,22 | −0,71% |
| Dow Jones | 10.328,90 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 1.807,36 | +1,64% |
| S&P500 | 1.102,47 | +0,58% |
| Nikkei225 | 10.142,00 | −0,21% |
| EUR/USD | 1,4336 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 73,88 $ | +0,90% |
| Gold | 1.104,50 $ | −1,12% |
| Bund Future | 123,43 € | −0,01% |