21. Oktober 2008 Die globale Finanzmarktkrise wird die Zahl der Arbeitslosen nach Einschätzung der Vereinten Nationen weltweit auf 210 Millionen steigen lassen. In dieser neuen Zahl enthalten sind nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mindestens 20 Millionen Menschen, die ihre Arbeit zwischen jetzt und Ende 2009 verlieren werden. Besonders betroffen seien das Bauwesen, der Immobilien- und der Finanzsektor sowie die Autoindustrie.
ILO-Generaldirektor Juan Somavia zufolge könnte die Zahl derjenigen, die weniger als einen Dollar am Tag verdienten, im schlimmsten Fall um 40 Millionen zunehmen, die der working poor mit zwei Dollar, deren Zahl Ende 2007 rund 1,3 Milliarden betrug, sogar um 100 Millionen.
Abschwächung des Wachstums von 4,6 Prozent unterstellt
Somavia unterstellt dabei eine Abschwächung des globalen Wachstums von 4,6 Prozent in diesem auf 3,2 Prozent im nächsten Jahr, wie sie der Internationale Währungsfonds Anfang des Monats vorhergesagt hat. Der ILO-Chef hält seine eigene Einschätzung noch für konservativ, da wir nicht nur eine Krise der Wall Street, sondern aller Straßen sehen, wie er in Genf sagte.
Schon vor der Krise habe die Armut und die soziale Ungleichheit in der Welt stark zugenommen. Jetzt geht es nach den Worten Somavias unter anderem darum, über die Stabilisierung der Banken hinaus die Kreditvergabe an die Unternehmen rund um den Globus zu sichern.
Keine Schrottpolitik
Somavia kündigte eine breit angelegte Debatte mit dem Ziel der Förderung der Realwirtschaft und der Schaffung von Arbeitsplätzen an. Es wäre tragisch, auf eine Krise um Schrotthypotheken mit einer Schrottpolitik zu reagieren, sagte der ILO-Chef, dessen UN-Unterorganisation Regierungen und Tarifparteien umfasst. Der prognostizierte Rückgang der Arbeitsplätze ist regional nicht gegliedert.
Somavia zufolge werden Länder mit großen Binnenmärkten und geringer Exportabhängigkeit die Krise besser meistern. Er nannte als Beispiel China, dessen Wirtschaft nur einen Ausfuhranteil von elf Prozent hat.
Hilfen vor allem für beschäftigungsintensive Branchen
Der ILO-Generalsekretär bezeichnete es als alarmierend, dass die weltweite Arbeitslosigkeit trotz des starken Wirtschaftswachstums zwischen 2002 und 2007 unverändert geblieben sei. Hilfen für die Wirtschaft, mit denen eine Rezession verhindert oder abgemildert werden sollen, müssten sich auf beschäftigungsintensive Branchen konzentrieren.
Die Finanzwirtschaft sollte auf ihre Schlüsselaufgabe, die Bereitstellung von Geld für Unternehmen, zurückgeführt werden. Seit 1980 sei der Anteil der Finanzbrache an den Gewinnen von amerikanischen Unternehmen auf 41 Prozent von fünf Prozent in die Höhe geschossen. Das habe dazu geführt, dass Banken lieber in Finanzpapiere statt in die Produktion investiert hätten. So begann das System, Mittel aus der Realwirtschaft abzuziehen, sagte Somavia.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp
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