Kleinsparer

Nur Millionäre setzen auf den Sparstrumpf

Die deutschen Kleinsparer setzen auf den Einlagensicherungsfonds der Banken hierzulande

Die deutschen Kleinsparer setzen auf den Einlagensicherungsfonds der Banken hierzulande

06. Oktober 2008 Die Börsen überall auf der Welt in Aufruhr, hektische Betriebsamkeit in der Hauptstadt: Märkte und Bundesregierung verarbeiten das wohl dramatischste Wochenende in Deutschlands jüngerer Finanzgeschichte.

Der Bundesfinanzminister unterrichtet die Öffentlichkeit über seinen Plan A. Mit dem soll die angeschlagene Bank Hypo Real Estate gestützt werden. Nun arbeitet sein Ministerium an einem Plan B, für den Notfall, dass die Krise weitere Banken in die Tiefe zieht.

Deutsches Bankensystem ziemlich stabil

In den Bankfilialen der Frankfurter Innenstadt scheint hingegen wenig von der aktuellen Zuspitzung angekommen zu sein: Größtenteils gelassen, allenfalls leicht besorgt reagieren die Privatkunden am Montagnachmittag darauf, dass die Bundesregierung erneut Garantien in Milliardenhöhe ausgesprochen hat. „Ich halte mein Geld nach wie vor für absolut sicher“, sagt Martin Schulz, als er den provisorischen Bank-Container an der Konstablerwache verlässt.

Weil er keine größeren Summen in Aktien angelegt hat, sieht der 46 Jahre alte Mann sich kaum betroffen von den Entwicklungen an den Finanzmärkten. „Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten, wo die Einlagen nicht gesichert sind, ist doch das deutsche Bankensystem ziemlich stabil“, meint Schulz.

Kunden beginnen Geld zu horten

Die Überschriften an den Kiosken spiegeln die Krise wider: „Staat schützt Geld aller Sparer“, schreibt eine Zeitung, „So retten Sie ihr Geld!“, eine andere. Etwas bemüht wirkt da der Werbespruch der Sparkasse, mit dem er um Vertrauen wirbt: „Hier gibts Geld“. Bei den Kunden aber scheint die Botschaft angekommen zu sein. „Die Rücklagen der Bank sind ja hoch genug, um unsere Einlagen zu decken“, glaubt Peter Mohr.

Der technische Angestellte sieht sich selbst als sicherer Sparer: lieber geringere Zinsen und dafür mehr Sicherheit, sagt er sich. Und Geld zur Seite zu legen, statt es auf der Bank zu lassen, auf diese Idee ist Mohr noch nicht gekommen: „Bei mehr als drei Prozent Inflation würde das doch viel zu große Verluste bewirken.“

„Manager müssten haften“

Knapp hundert Meter weiter schreitet Bernd Georg Stillger zur U-Bahn-Haltestelle. Gerade hat er Geld in der Dresdner Bank abgehoben. Als Vorstand einer Beteiligungsgesellschaft legt er für wohlhabendere Kunden Geld an - oft mehrere Hunderttausend Euro. „Ich spüre momentan erhebliche Sorgen über das Banksystem“, sagt Stillger. Die Einlagen seiner Kunden liegen deutlich über der Grenze, bis zu der sie über den Einlagensicherungsfonds der Banken abgesichert wären. Deshalb begännen viele von ihnen damit, das Geld zu horten. „Die sagen sich, bevor es zusammenkracht, habe ich das Geld lieber sicher im Tresor“, berichtet er.

Als selbstständiger Unternehmer ist Stillger empört über die gemeinsame Rettungsaktion der Bundesregierung und verschiedener Banken. „Das ist eine Riesensauerei: Wenn ich Mist baue, muss ich dafür meinen Kopf hinhalten. Dafür müssen nicht Millionen Steuerzahler geradestehen“, sagt der gelernte Banker. Mögliche volkswirtschaftliche Schäden hätte der Staat in Kauf nehmen sollen, denn der Umbau der deutschen Bankenlandschaft werde sich ohnehin in den kommenden Monaten weiter fortsetzen.

Garantien lassen ruhiger schlafen

Franz Stumm aus Wiesbaden pflichtet ihm bei. „Die verantwortlichen Manager müssten dafür wie in Amerika haften“, meint der 72 Jahre alte Rentner. Und dass der Staat zusätzlich zu dem Einlagensicherungsfonds Garantien ausspricht, kann Stumm nicht recht nachvollziehen.

„Momentan sind ja eher Spezialinstitute betroffen“, hat Rosemarie Haroun beobachtet, die in der Schlange der Deutschen Bank auf einen frei werdenden Schalter wartet. Deshalb befürchtet sie nicht, dass sie selber von der Krise getroffen werden könnte - zumal sie ihre riskantesten Anlagen verkauft hat, als sie vor einigen Jahren ein Haus erworben hat.

Die heute 52 Jahre alte Versicherungskauffrau hat 15 Jahre lang im Investmentbanking gearbeitet. Sie ist froh, dass die Bundesregierung eingegriffen hat, um eine mögliche Kettenreaktion zu verhindern. „Hätte sie es nicht getan, würde das uns Sparer noch schwerer schädigen.“ Hinter ihr in der Schlange steht Gerrit Mordas, auch er arbeitet in der Branche. „Natürlich können mich solche Garantien als Steuerzahler treffen, aber zunächst einmal wird das Signal ausgesandt, dass die Krise im Griff ist“, hofft der 34 Jahre alte Banker. Zwar fühlt auch er sich dadurch von der Krise betroffen, etwas ruhiger lässt es ihn aber dennoch schlafen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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