Rotes Licht für die Opel-Produktion. In den Werken Eisenach, Bochum, Saragossa und Antwerpen stehen für drei Wochen die Bänder still

Automobilbranche

Alle Räder stehen still

Die Finanzkrise ist in Deutschlands Vorzeigeindustrie angekommen: Überall werden jetzt weniger Autos gebaut. Mit allen Konsequenzen für Händler, Lieferanten und Beschäftigte. Denn richtig vorbereitet war man auf die Krise nicht. Von Henning Peitsmeier

Lesermeinungen zum Beitrag

11. Oktober 2008 14:59

Das Ende der Preissteigerung?

Thorsten Barthel (thb74)

Zunächst sollte den Verbrauchern zu vernünftigen Preisen ein wirtschaftliches Fahrzeug angeboten werden. Wer kann denn noch Neuwagen und besonders Werkstattleistungen ausserhalb der Garantiezeit bezahlen? Was heisst, nicht richtig auf die Krise vorbereitet gewesen? Welche Dioptrinzahl wird benötigt, um zu sehen, dass 200 Euro für einen Zündkerzenwechsel bei einem Vierzylinder in einer Vertragswerkstatt zu viel ist? What goes up, must come down!

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11. Oktober 2008 11:55

Die "armen" Autohersteller ..

Stefan Kröger (coach_pilot)

... tun mir nun nicht wirklich leid. Mindestens seit einem Jahr ist die Finanzkrise nicht mehr zu verkennen. Trotzdem wurde das in den Wolfsburgs dieser Welt nachhaltig ignoriert. In den USA und Westeuropa haben wir gesättigte Märkte, hier geht es nur noch um knallharten Verdrängungswettbewerb. Also haben sie die BRIC-Staaten als neue Ziele auf den Schild gehoben. Doch auch da fängt es an zu knirschen. Trotz bestehender, extremer Überkapazitäten werden rund um den Globus neue Werke gebaut. Selbst bei gut gehenden Geschäften bliebe daher eine strukturelle Überkapazität bestehen. Doch die Hersteller ficht das nicht an. Sie haben ihre Autos schließlich schon verkauft, wenn der Händler sie abnehmen muß. Der muß dann zusehen, wie die ihm regelrecht reingedrückten Karren gnadenlos über den Preis vermarktet werden. Und er ist letztlich der Dumme. So lange die Herren Automomobilmanager ihr Handeln nicht an Renditen, sondern an Zulassungszahlen ausrichten, wird sich daran auch nichts ändern. Es ist daher an der Zeit, eine harte Konsolidierung in dieser Branche einzuleiten.

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11. Oktober 2008 11:26

Vielleicht hat der Preiswahnsinn ein Ende?

Michael Menzel (Galenos)

Wenn ein Deutscher für das Auto, das in seinem Land gebaut wird fast das Doppelte bezahlt wie ein Kanadier dann stimmt schon lange etwas nicht mehr. Und das bezieht sich auf nahezu alle Länder der Welt. Das ist das Gleiche, wie der Handwerker, der niemals in der Lage wäre, einem anderen Handwerker aus einer anderen Branche dessen Arbeitsstunden zu bezahlen. Da stinkt doch was - und das schon sehr lange. Der Normalbürger, der vielleicht noch das Glück hat einen der wenigen echten, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze zu haben, kann sich kein Mittelklasse-Auto mehr kaufen. Keinen Golf, keinen kleinen Audi, keine C-Klasse, keinen 1er BMW. Ein vernünftiges Auto kostet heute in jedem Fall mindestens 30.000 EUR. Woher soll er das nehmen? Wenn sich das nicht ändert und wenn der Export zusammenbricht, dann werden eben die Autohersteller aufgeben müssen. Die Ursachen liegen in der Gier der Auto-Hersteller und mindestens ebenso in der Unersättlichkeit des Staates. Irgendwann ist die Kuh eben tot, die man immer mehr melkt.

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11. Oktober 2008 10:21

Selbst verschuldet

Wolfgang Wüst (wtf)

Neben den zweifellos heftigen Auswirkungen der Finanzmarktkrise sind die zitierten Probleme zu einem guten Teil hausgemacht. Sehr viele Hersteller produzieren an der Realität vorbei: 40.000 Euro für einen Opel Kombi sind ja wohl ein schlechter Scherz. Aber auch die Premiumhersteller um Audi, BMW und Mercedes sollten sich Sorgen machen: Mit dem Flotten- und Geschäftwagengeschäft, das einen wesentlichen Teil ihrer Umsätze ausmacht, geht es langsam zu Ende. Und so viele Privatleute, die mal eben 50.000 Euro für einen Mittelklassewagen ausgeben können und wollen, gibt es nicht.

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11. Oktober 2008 10:07

Quo Vadis Automobilbranche?

Steffen Karl (SteffenKarl)

Die Automobilhersteller haben in ihrer Einschätzung unisono die Hoffnung auf eine baldige Besserung für die Autobranche kräftig gedämpft. Während einige Branchenkenner das Durchschreiten der Talsohle für das Jahr 2009 optimistisch prognostizieren, sehen andere den Verlauf der aktuellen Krise noch über 2010 hinaus. Zur aktiven Zukunftssicherung erachten wir es als zwingend erforderlich, dass die gesamte Branche zur Überwindung dieser Kriese, etwas näher zusammenrückt. Bei allem Respekt vor den Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft sollten die angestrebten EU- Unterstützungen sinnvoll zur Lösung der Kernproblematik verwendet werden und nicht zur Symptombekämpfung eingesetzt werden. EU- Unterstützung ja, dann aber auch bitte zweckgebunden zur Existenzsicherung im Handel.

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