Amerika startet Bankenrettungsplan

Dow Jones schießt nach oben

Endlich wieder Entspannung: Erleichterter Börsianer an der Frankfurter Börse

Endlich wieder Entspannung: Erleichterter Börsianer an der Frankfurter Börse

20. September 2008 Die Hoffnung auf eine Auffanglösung der Regierung für angeschlagene Banken hat an den Börsen am Freitag ein regelrechtes Kursfeuerwerk entfacht. Besonders die zuletzt gebeutelten Bankenwerte profitierten, nach Tagen herber Verluste gab es überwiegend zweistellige Zuwächse.

Der Dax kletterte bis zum Abend um 5,6 Prozent auf 6189 Punkte. In London und Paris legten die Indizes um gut acht Prozent zu, in Zürich fast sechs Prozent. Der Dow Jones Index stieg in New York um 3,4 Prozent auf 11.388 Punkte.

Schanghaier Börse mit größtem Anstieg ihrer Geschichte

Die Börse von Schanghai erlebte am Freitag den größten Kursanstieg ihrer Geschichte. Nach den positiven Vorgaben der New Yorker Wall Street schoss der Shanghai-Index um 9,5 Prozent nach oben und blieb dann auch auf diesem Niveau von etwa 2075 Punkten.

Mehrere Aktien erreichten das Limit eines Kursanstiegs von zehn Prozent - einen höheren Tagesgewinn untersagen die Börsenbestimmungen. Auch die übrigen asiatischen Börsen meldeten am Freitag deutliche Kurssteigerungen.

Erste Fakten zum Rettungsplan: 50 Milliarden Dollar für Einlagensicherung

Zuvor war bekannt geworden, dass die amerikanische Regierung die Banken von notleidenden Krediten befreien will. Der amerikanische Finanzminister Henry Paulson teilte in Washington mit, dass über einen „Gesamtplan“ beraten werde, um die derzeitige Finanzkrise zu überwinden. Ziel des Planes soll sein, die Banken zu rekapitalisieren und dafür zu sorgen, dass sie sich untereinander kurzfristig Geld leihen.

Die Regierung hat erste Einzelheiten eines umfassenden Rettungspakets für die Finanzbranche bekanntgegeben. In einem ersten Schritt richtet der Staat eine Einlagensicherung für Geldmarktfonds ein. Dazu sollen bis zu 50 Milliarden Dollar bereitgestellt werden, teilte das amerikanische Finanzministerium in Washington mit. Anleger hatten zuletzt große Summen aus den Geldmarktfonds abgezogen. Dadurch kamen Fondsgesellschaften und andere Finanzhäuser in große Schwierigkeiten.

Die Einlagensicherung solle zunächst für ein Jahr gelten. Die beteiligten Fondsgesellschaften und Finanzhäuser müssen für die Teilnahme an dem Programm Geld aufbringen. Präsident George W. Bush habe die nötigen Mittel bereits freigegeben.

Die von Paulson entwickelte Auffanglösung orientiert sich offenbar an dem Modell des Staatsfonds Resolution Trust Corp (RTC), der 1989 eingerichtet wurde, um die Sanierung von zahlreichen Spar- und Darlehenskassen in der damaligen Finanzkrise voranzutreiben. In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach riskante Papiere und „faule Kredite“ gebündelt werden, die den Unternehmen derzeit massive Probleme bereiten. Man spricht bei einer solchen Zweckgesellschaft auch von einer so genannten „Bad Bank“ (siehe auch: Amerika: Staat plant spektakulären Bankenrettungsplan).

Leerverkäufe befristet verboten

Eine Maßnahme wurde schon kurzfristig umgesetzt: Aufsichtsbehörden in den Vereinigten Staaten und Großbritannien außerdem bestimmte Börsenwetten auf fallende Kurse befristet verboten. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC untersagte ab sofort die umstrittenen Aktiengeschäfte, sogenannte Leerverkäufe, für knapp 800 Titel der Finanzbranche. In Großbritannien gilt das Verbot allgemein für Finanzwerte. Das Verbot trifft besonders Hedge-Fonds und andere Börsenspekulanten. Sie verdienten bisher mit den fallenden Kursen enorme Summen. Die Leerverkäufe stellen ein immenses Milliardenvolumen dar. Zahlreiche Unternehmen mit stark abgestürzten Börsenwerten beklagen, sie seien durch diese Aktiengeschäfte bewusst an den Rand des Abgrunds getrieben worden.

Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo hat außerdem Ermittlungen eingeleitet, ob Investoren die Aktienkurse von Finanzunternehmen illegal nach unten getrieben haben. Cuomo will dazu das Wertpapierbetrugsgesetz des Bundesstaates New York anwenden, den sogenannten Martin Act. Dieser lässt sowohl eine strafrechtliche als auch eine zivilrechtliche Verfolgung zu. „Die Bundesregierung hat diese Märkte nicht effizient reguliert“, erklärte Cuomo. „Ich will, dass die Leerverkäufer wissen, dass ich sie im Auge habe.“

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS

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