Trotz der Finanzkrise

Nie wieder DDR

Was wird jetzt nicht alles behauptet: Die Deregulierung der Märkte habe die Exzesse der Banker befeuert. Gier habe die Menschen verantwortungslos werden lassen. Die Privatisierung von Unternehmen sei doch der falsche Weg. Private Altersvorsorge führe in den Ruin. Nichts davon stimmt, jedenfalls nicht grundsätzlich. Von Holger Appel

Lesermeinungen zum Beitrag

09. Oktober 2008 09:32

Der Kapitalismus ist keine Schönwetterveranstaltung

Rudolf Ortwein (rudi.rotwein)

Nein, das ist er nicht. Es ist der Versuch, binnen kurzer Zeit möglichst viel Profit zu machen. Das sagen seine eigenen Apologeten. Leider geht dies nur durch maximale Ausbeutung der Natur, der Zukunft der Menschheit und auf Kosten der Bürger, zumindest der armen Bürger. Hinterlassen wird eine Wüste, finanziell und auch real. Daß es jetzt in den letzten 60 Jahren in Europa, USA und Australasien mal kurzfristig anders war, heißt nicht, daß es so bleibt, wie wir zur Zeit sehr gut sehen können. Also: Weiterhin schönes Pfeifen im dunklen Wald.

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09. Oktober 2008 00:36

Ich find's prima...

Michael Koltan (koltan)

... wenn es den Apologeten des Neoliberalismus wirklich so die Sprache verschlägt wie Herrn Appel, daß ihnen nur noch die so olle Kamellen wie "Geht doch nach drüben!" einfallen. Die neoliberale Propaganda scheint tatsächlich endgültig abgewirtschaftet zu haben. Und das ist doch schon mal ein Hoffnungsschimmer am Horizont.

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08. Oktober 2008 19:55

"Nichts davon stimmt, jedenfalls nicht grundsätzlich"

Sophia Orti (rum)

Und zwar davon, was hier Holger Appel uns erzählt. Hier geht es offensichtlich nicht um sachliche Argumente, sondern lediglich um Propaganda für ein gescheitertes System. Zum Beispiel ist Post, Bahn, und teilweise Telekom mit der Privatisierung deutlich schlechter geworden; und weil uns Holger Appel das Gegenteil dieser offensichtlichen Tatsache erzäht, wird es nicht anders. Die ersten zwei sind zu ganz üblen Monopolen geworden, die Post begeht zum Beispiel regelmäßig Hausfriedensbruch bei mir, indem sie wöchentlich die "Morgenpost Wochenend Extra" in meinen kleinen Briefkasten wirft, trotz Schild darauf, daß es unerwünscht ist, trotz mehrfachen Beschwerden, bis zum Vorstand. Keine Beschwerde hilft, Beschwerden werden in der Filiale abgewiesen, telefonisch mit Sondernnummern teuer gemacht. Kann man sich an die Diensleistungen und Angebote der Bahn vor 20 Jahren? Es ist eine Schande, was die Bahn jetzt geworden ist, ein inflationistisches Unternehmen: immer teurer, immer schlechter. Die Taktik der Holger Appels ist, daß ganze zu einem Gegensatz privat/staatlich zu reduzieren, man findet kaum ein Argument, das man ernst nehmen kann, sondern lediglich Propaganda, die nach Milton Friedman stinkt.

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08. Oktober 2008 15:49

DDR - Nordkorea

Daniel Weber (DanielWeber)

Ihr Kollege Müller schreibt: "Dabei ist es nichts Neues, dass der Staat nicht alles schlecht macht und Private nicht alles besser können.[...]Dass Abgesänge auf den Staat verfrüht sind, zeigt zudem die europäische Dimension der Bankenkrise." Muss er nun nach Nordkorea?

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08. Oktober 2008 11:47

Oh Gott..

Wolfgang Reinhart (ciceron)

Wer es wagt, Kritik am Verhalten der Banker zu üben, ist also gleich ein Stalinist und soll nach Nordkorea auswandern. Platter geht es kaum noch, und dass in der FAZ. Wenn das der vielgepriesene Qualitätsjournalismus sein soll, lese ich in Zukunft nur noch die Bildzeitung. Mal ein Experiment für alle, die jeden Kritiker der internationalen Finanzmärkte zum Kommunisten abstempeln: Stellt euch doch mal die Welt nicht aus eurer saturierten Sicht, sondern aus der Sicht der Verlierer der Finanzmarktkrise vor, bspw. aus dem Blinkwinkel eines US-Rentners, dem jetzt die Altersvorsorge aus der ordnungspolitisch Korrekten aktienbasierten Anlage abhanden gekommen ist und der jetzt mit 70 wieder arbeiten muss. Würden sie dem auch mit Nordkorea kommen, wenn er auf die Bank(en) schimpft, Herr Appel, und ihm sagen, es soll halt fest schuften und ist selber schuld, wenn er die Kohle verliert? Ob jemand "neoliberal" oder "sozialistisch" ist, entscheidet sich nicht an seinem Geschwätz, sondern daran, ob er in privaten materiellen Krisen auf seine "Selbstheilungskräfte" oder die Gemeinschaft vertraut. Von daher ist auch Herr Ackermann ein Sozialist, weil er jetzt nach dem Steuerzahler schreit.

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08. Oktober 2008 10:46

Ich kann diesen DDR-Quatsch nicht mehr hören.

Andreas Neubert (Citizen_Kane)

Die DDR ist passé. Der Sozialismus ist (bis auf Ausnahmen) international gescheitert. Und das (meiner persönlichen Meinung nach) aus gutem Grund. Unsere Aufgabe ist es das Gesellschaftssystem zu gestalten (und ggf. zu kritisieren und zu verbessern) welches sich durchgesetzt hat. Und da ist dieser dauernde DDR/Nordkorea/Kuba Vergleich nicht sehr förderlich. Diese Ideologiedebatte gehört ins 20. aber nicht ins 21. Jahrhundert. Entweder ist der Autor in der Vergangenheit stehengeblieben, oder ihm ist an einer kritischen und ernsthaften Debatte der aktuellen Probleme unseres Gesellschaftssystems nicht sehr gelegen. Mal zum Mitschreiben: Man kann unser gegenwärtiges System kritisch hinterfragen und es vernünftig finden Dinge zu ändern OHNE(!) irgendeine Form von Sozialismus zu wollen! Einige wollen oder können das nicht begreifen. Bei mir fallen diese ewigen DDR-Vergleiche unter die Rubrik "Todschlagargument". Wobei paradoxerweise die, die dieses DDR-"Argument" immer im Munde führen ausgerechnet die sind, die den ehemaligen Anhängern des Sozialismus in Sachen Ideologie (wenn auch mit anderen Vorzeichen) am nächsten sind. Mit ideologischen Scheuklappen lassen sich aber schlecht reale(!) Probleme lösen. Realität kennt keine Ideologien.

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08. Oktober 2008 09:23

Marktwirtschaftt ist keine Schönwetterveranstaltung

joachim bovier (jbovier)

Leichtfertig die Kleingläubigen in Sachen Marktwirtschaft, die in diesen Tagen zur Philippika auf unsere Wirtschaftsordnung ansetzen, die uns in den vergangenen 60 Jahren Wohlstand und Prosperität in nie gekanntem Ausmaß geschenkt hat. Erschreckend dabei ist vor allem, wie bis weit ins bürgerliche Spektrum diese defätistische Ansicht vorzufinden ist. Marktwirtschaft ist keine Schönwetterveranstaltung und Wirtschaftskrisen, die es immer gegeben hat, sind letztlich notwendige Reinigungs- und Selbstheilungsprozesse. Darauf sollten wir vertrauen, statt in hektische Symbolpolitik zu verfallen. Politiker dürfen keine unhaltbaren populistischen Versprechen wie das der staatlichen Absicherung von Privatkundenkonten, das im Ernstfall mit rd. 1,6 Billionen Euro den Staatsbankrott bedeuten würde, abgeben. Genauso wenig dürfen Sie Missmanagement von Großunternehmen durch Staatshilfen sozialisieren, während der Mittelstand in den Ruin getrieben wird. Die Antwort muss marktwirtschaftlich sein: „Einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird“ (Winston Churchill)

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08. Oktober 2008 09:21

Warum Nordkorea

Karsten Krug (kkrug)

der Vergleich ist Unsinn. Es gab einmal eine DDR, und in der war nicht alles gut. Aber es gab keine gierigen Banker die hunderte ja tausende von Milliarden verzockten. Die "Marktwirtschaft" ist auf einen Schuldenberg gebaut, und der stellt sich gerade als Kartenhaus heraus. Die einfachen Menschen sind in ihrer Mehrheit nicht mehr bereit für die Exzesse abgehobener Manager und Banker aufzukommen. Sehen Sie sich die Wahlergebnisse an. Wachen Sie eines Tages auf!!! PS: ich glaube Sie haben noch nicht gemerkt, dass dies ein Paradigmenwechsel wie 9/11 ist.

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08. Oktober 2008 09:21

Wer will schon die DDR zurück

Rudolf Ortwein (rudi.rotwein)

Niemand will die DDR zurück, niemand will eine Staatsdiktatur wie in Cuba, Nordkorea oder ähnliches. Aber niemand wird uns alle daran hindern, über eine andere Gesellschaft nachzudenken, frei von Ausbeutung, frei von profitgierigen Managern und ohne Wachstumswahn. Allein daß solch ein Artikel erscheint, beweist, daß es immer mehr Menschen gibt, welche grundsätzlich nachdenken und sich nicht mehr von plumper Antipropaganda abschrecken lassen.

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08. Oktober 2008 08:53

DDR

Gerd Lehmann (Gerd_L)

Bloß gut das es die Deutsche Demokratische Republik (in der ich 1964 geboren bin und gern gelebt habe) gegeben hat, so kann man gut von den negativen Seiten des jetzigen Systems ablenken.

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08. Oktober 2008 08:14

Sie verlieren, meist ohne Abfindung, ihren Job.

mirko vuletic (frido5)

bin einfach fassungslos, dass diese zeitung noch mitleid hat mit menschen, die ganze staaten und voelker in unglueck gestuerzt hatten und noch fuer ihre misstaten ABFINDUNG sich wuenscht: SCHANDE !

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08. Oktober 2008 07:02

Der Umfang der Krise wird noch nicht überall realisiert.

Bernd Walther (Bernd1964)

Ich kann ja verstehen, wenn die Befürworter des freien Marktes in diesem Moment der Infragestellung ihrer Weltanschauung den Neoliberalismus verteidigen, doch es wird vergebens sein. Der Neoliberalismus ist tot, toter geht es nicht. Er wird auch nie wieder wie in der einst gekannten Form zurückkommen können, da er nur in einer zivilisatorischen Umgebung wie den letzten 20 Jahren realisiert werden konnte, in der Erdöl und sonstige fossile Ressourcen im Überfluß vorhanden waren. Die moderne industrielle Zivilisation nach dem 2. Weltkrieg hat es fertig gebracht etwa die Hälfte aller fossilen Schätze der Erde für das Wirtschaftsgeschehen zu mobilisieren und zu verbrauchen. Die gegenwärtige Krise hat daher mehrere kapitale Fehler zur Ursache. Ein Kardinalfehler war die Schaffung von Derivaten auf dem Finanzmarkt, ein anderer Fehler war die Globalisierung der Finanzmärkte und der Glaube an ein unbegrenztes marktwirtschaftliches Wachstum durch Geld, das in Form von Krediten (Schulden) generiert wird. Banker und Ökonomen können zwar beliebig viel Fiat-Geld durch Schulden generieren, aber sie können nicht auch nur einen Tropfen Öl oder ein Stück Kohle zusätzlich in die Welt zaubern, das nicht durch Technik förderbar ist.

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08. Oktober 2008 05:28

Das Märchen der wundersamen Geldvermehrung ist zu Ende

martin gabel (martin.gabel)

"Nie wieder DDR" ist sicher richtig. Aber ich habe den Eindruck, dass erst mit dem zusammenbruch des "sozialistischen Gegenmodells" der neoliberale Kapitalismus in Selbstverblendung verfiel und die eigene Profitsucht nicht mehr schamhaft sozial verbrämte, sondern sie zum Evangelium erhob - wodurch seine Tendenz zur Selbstzerstörung erst zum Durchbruch kam. Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn auf den Zusammenbruch des "real existierenden" Sozialismus nun der Zusammenbruch des "real exisitierenden" Liberalismus folgte, dessen Ideologie des Wohlstands durch Spekulation genauso schimärenhaft und verlogen ist wie das Märchen der klassenlosen Gesellschaft. Von Karl Marx wie von seinen klassisch-liberalen Vorgängern ist zumindest das eine wieder zu lernen, dass der Reichtum der Nationen letztlich auf den durch Arbeit geschaffenen Werten beruht, und nicht auf der Erwartung, dass sich Geld von selbst vermehrt. Hierin wären sich Adam Smith und Karl Marx einig gewesen.

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08. Oktober 2008 03:35

Lafo hatte ...

Peter Maier (DermitdenEngelnsprach)

...genauso wie damals mit dem Kauf der DDR recht! Wäre das Volk ihm 1989 oder 1999 gefolgt, wären wir vielleicht heute "ärmer", aber dafür müsste niemand um seinen Spargroschen fürchten - oder wen glaubt ihr, zahlt am Ende für all die Milliarden für das Finanzwesen ;-) VIELEN DANK ANS NEO-LIBERALE PACK!!! DESHALB: Wenn die Bundesregierung noch irgendeinen Funken Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Volk haben sollte, dann, ja dann sollte sie wie bei Eurem großen Vorbild USA sofort eine parlamentarische Sonderkommission einsetzen, um den ganzen Kapitalverbrechern auf den Zahn zu fühlen (wer mir nicht glaubt, schaut Euch mal "FoxNews" mit O'Reilly und all den Anderen KONSERVATIVEN an!!! - Ihr werdet Euch wundern!) Zusätzlich sollte alles Vermögen der Verantwortlichen bis zur Klärung der Täterschaft eingefroren oder enteignet werden. Gehälter/Pensionen sollten gleich mit auf HartzIV-Diät gekürzt werden, ganz so wie bei jedem beliebigen Anderen! Schreiberlinge, die sich der geistigen Mittäterschaft durch Verbreitung von neo-liberaler "Missinformation" schuldig gemacht haben, sollten mit einem steuerlichen Sonderopfer belohnt werden. :::An die chinesische Zensur in BRD::: Viel Spaaasss beim Lesen :-)

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08. Oktober 2008 01:29

Thema verfehlt

Andreas Grey (Arbitrage74)

Lieber Herr Appel, folgte man der Ihnen eigenen Kausalkette, hätten sie auch den Konsum von Milch in einem Leitartikel verteidigen können und dies, obwohl jeder Drogenabhängige regelmäßig in seinem Leben Milch getrunken hat. Genauso abwegig halte ich es, sich hier ernsthaft mit der Wiederauferstehung der DDR auseinanderzusetzen ! Das fordert doch niemand, der nur halbwegs ernst zu nehmen ist. Tatsache ist hingegen, dass immer Menschen an der Gerechtigkeit der Marktwirtschaft - angefeuert durch die Lafontaines dieser Welt - zweifeln. Aufgabe von Politik und Wirtschaft sollte es daher meines Erachtens sein, das verloren gegangene Vertrauen in die beste Wirtschaftsform, die Marktwirtschaft, wiederherzustellen. Das kann aber nur geschehen, wenn man die Gründe für das Zustandekommen der Subprime-Krise schonungslos aufdeckt und anschließend die richtigen Schlüsse zieht. Darum geht es doch in Wirklichkeit und nicht darum, ob der Staat einzelne Aufgaben besser als die Privatwirtschaft wahrnehmen kann.

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