Landesbank in Not

Bayern LB will 5600 Stellen streichen

Die angeschlagene Bayerische Landesbank will gut jede vierte Stelle streichen

Die angeschlagene Bayerische Landesbank will gut jede vierte Stelle streichen

01. Dezember 2008 Die schwer angeschlagene Bayerische Landesbank will konzernweit mehr als jede vierte Stelle streichen. Bis 2013 sollen 5600 der insgesamt 19.200 Stellen im Konzern entfallen. Das bestätigte die Landesbank am Montag. Der Schwerpunkt der Aktivitäten soll künftig auf Bayern, Deutschland und ausgewählten Regionen in Europa liegen.

Künftig ruhe das Geschäftsmodell auf den Säulen Mittelstand, Großkunden, gewerbliches Immobiliengeschäft und Privtakunden, hieß es. Weiter im Mittelpunkt stehen soll die Zusammenarbeit mit den Sparkassen, die ihren Anteil an der Bank im Zuge des Umbaus deutlich reduzieren. Das umstrittene Investmentbanking, das der Bayern LB während der Finanzkrise massive Belastungen beschert hatte, soll aufgegeben werden.

“Die Bayern LB wird eine andere Bank sein“, glaubt Vorstandschef Kemmer

"Die Bayern LB wird eine andere Bank sein", glaubt Vorstandschef Kemmer

Außerdem werden zahlreiche Niederlassungen im Ausland geschlossen oder zumindest erheblich verkleinert. So zieht sich die Bank komplett aus Asien zurück. Die Niederlassungen in Hongkong, Schanghai, Peking, Tokio und Mumbai werden dichtgemacht. Ebenso die Filiale in Mailand. Die Standorte New York und London werden stark verkleinert.

„Die Bayern LB wird nach der Restrukturierung und Redimensionierung eine andere Bank sein“, sagte
Vorstandsvorsitzender Michael Kemmer.

670 Millionen Euro jährlich sollen in der Verwaltung gespart werden

Mit den radikalen Kürzungen will die Bank künftig 670 Millionen Euro je Jahr in der Verwaltung einsparen. Die Staatsregierung hatte am Freitag ein Rettungspaket mit Finanzspritzen und Garantien von mehr als 30 Milliarden Euro für die Bank geschnürt. Dafür sollen auch Mittel aus dem Rettungsfonds des Bundes beantragt werden.

Die Gewerkschaft Verdi hat den geplanten Stellenabbau schon jetzt scharf kritisiert und ein Rettungspaket für die Beschäftigten gefordert. „Wir sehen unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt“, erklärte Josef Falbisoner, Landesbezirksleiter von Verdi in Bayern, am Montag. „Politik und Management haben bei der Landesbank ein beispielloses Debakel angerichtet, aber die einzigen, die jetzt die Konsequenzen zu spüren bekommen, sind die Beschäftigten“.

„Größere Liquiditätsschwierigkeiten“

Die Krise der Bayern LB hatte sich in den vergangenen Wochen dramatisch zugespitzt. Am Freitag hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ein staatliches Rettungspaket angekündigt. Es besteht aus einer Kapitalspritze und Ausfallgarantien im Gesamtvolumen von rund 30 Milliarden Euro. Der Freistaat Bayern muss dabei das offenbar kurz vor dem Kollaps stehende Kreditinstitut fast vollständig übernehmen. Andernfalls wären die Sparkassen als Miteigner selbst in Bedrängnis geraten.

Der Freistaat Bayern unterstützt die Bayern LB dabei mit zehn Milliarden Euro. Diese Summe werde Bayern ohne die Beteiligung des Bundes aufbringen, sagte Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) am Montag in München. Darüber hinaus gewähre der Bund Garantien in Höhe von 15 Milliarden Euro.

In Finanzkreisen war am Wochenende darauf hingewiesen worden, wie prekär die wirtschaftliche Lage der Landesbank geworden sei. Es drohten ohne die Stützungsmaßnahmen nicht nur eine Unterkapitalisierung, sondern auch „größere Liquiditätsschwierigkeiten“, sagte ein an den Verhandlungen Beteiligter der F.A.Z. Der Ernst der Lage ist von der Landesregierung offenbar lange unterschätzt worden. „Erst in den vergangenen Tagen ist ein wahnsinniger Zeitdruck aufgebaut worden“, hieß es.

Zusammenbruch würde Banksystem erschüttern

Die Bayern LB ist gemessen an der Bilanzsumme die Nummer sieben unter den deutschen Banken. Ihr Zusammenbruch würde deshalb das gesamte deutsche Banksystem erschüttern. Seehofer hatte schon vor dem Montag angekündigt, dass ein erheblicher Arbeitsplatzabbau notwendig sei. In Finanzkreisen wurde darauf verwiesen, dass nach Einschätzung der Europäischen Kommission das Osteuropa-Geschäft der Bayern LB eine Belastung für die Bank sei.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp

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