Lastenverteilung in Finanzindustrie

Einigung über Details zur Hypo-Real-Estate-Rettung

Rettungsplan vor Umsetzung: Die EU stimmt zu, die Finanzindustrie teilt auf

Rettungsplan vor Umsetzung: Die EU stimmt zu, die Finanzindustrie teilt auf

03. Oktober 2008 Der Rettungsplan für den angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Hypo Real Estate steht. Spitzenvertreter von Banken und Versicherern einigten sich an diesem Freitagmorgen nach Angaben aus Teilnehmerkreisen auf eine Lastenverteilung des Rettungspakets für den Finanzkonzern. „Es ist ein Ergebnis zustande gekommen“, hieß es nach den Gesprächen in den Räumen der Bundesbank in Frankfurt. Die Einzelheiten würden im Laufe des Tages bekanntgegeben.

Offenbar übernehmen die privaten Banken mit 4,5 Milliarden Euro den Löwenanteil der Bürgschaft des privaten Sektors (insgesamt 8,5 Milliarden Euro), wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag unter Berufung auf mit der Einigung vertraute Personen berichtete. Ursprünglich wollten sie nur Kreditgarantien von drei Milliarden Euro abgeben. Sparkassen und Landesbanken schulterten 1,6 Milliarden Euro, Versicherer hätten 1,4 Milliarden Euro zugesagt, hieß es in den Kreisen weiter. Genossenschaftsbanken übernähmen 600 Millionen und Förderbanken 400 Millionen Euro an Bürgschaften. Die Finanzaufsicht Bafin und Bankenverbände wollten zu den Informationen keine Stellung nehmen.

Von Seiten der Genossenschaftsbanken, der Sparkassen und Versicherer hieß es, die Bundesregierung habe massiven Druck ausgeübt, damit die Institute sich an dem Hilfspaket beteiligen. Dem sei man nur „zähneknirschend“ nachgekommen.

Grünes Licht aus Brüssel

Die Bundesregierung und eine Gruppe von Banken hatten die Hypo Real Estate am vergangenen Wochenende mit Finanzhilfen von mehr als 35 Milliarden Euro in letzter Sekunde vor der Pleite bewahrt. Strittig war vor allem, wer wie viel der Bürgschaften für den Notfallkredit übernimmt. Die Finanzbranche hatte sich bei den dramatischen Krisengesprächen am Wochenende verpflichtet, insgesamt 8,5 Milliarden Euro an Garantien für diese Darlehen zu schultern.

Am Donnerstagabend hatte auch die EU grünes Licht für die Rettung des Finanzinstituts gegeben. Die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen stünden im Einklang mit EU-Recht, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit.

Bis zuletzt hätte das Konzept scheitern können

Trotz der grundsätzlichen Einigung auf den Rettungsplan Anfang der Woche war zuletzt auch ein Scheitern der Konzepts nicht mehr ausgeschlossen worden. Zwischenzeitlich waren Gerüchte aufgekommen, die jüngste Einigung sei unter Zeitdruck zustande gekommen, eine Insolvenz des Instituts sei befürchtet worden. In Finanzkreisen hatte es dazu jedoch geheißen, dass auch eine Feinabstimmung bis ins Wochenende möglich sei.

Die Hypo Real Estate war vor allem durch ihre Tochter Depfa in Bedrängnis geraten, die sie vor rund einem Jahr übernommen hatte. Die Depfa hatte an den angespannten Geldmärkten nicht mehr ausreichend kurzfristige Kredite aufnehmen können und hätte den gesamten Dax-Konzern in den Abgrund reißen können.

Text: dpa
Bildmaterial: REUTERS

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