Finanzkrise

Goldman Sachs droht Milliardenverlust

Auch Goldman Sachs bleibt nicht von der Finanzkrise verschont

Auch Goldman Sachs bleibt nicht von der Finanzkrise verschont

02. Dezember 2008 Die weltweite Finanzkrise hat nun auch Goldman Sachs hart erwischt. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge wies das New Yorker Finanzinstitut im abgelaufenen Quartal einen Verlust von bis zu zwei Milliarden Dollar aus. Es wäre seit dem Börsengang vor knapp zehn Jahren das erste Mal, dass Goldman Sachs rote Zahlen schreibt.

Wie das „Wall Street Journal“ am Dienstag unter Berufung auf Brancheninsider berichtete, entstand der Fehlbetrag vor allem wegen Abschreibungen in Folge der verschlechterten Bedingungen an den globalen Finanzmärkten. Je Aktie kämen die zwei Milliarden Dollar einem Minus von fünf Dollar gleich. Das ist deutlich mehr als von Analysten erwartet. Von Reuters befragte Experten rechneten mit einem Verlust von 1,27 Dollar je Aktie für das am 28. November zu Ende gegangene vierte Quartal.

Abschreibungen in allen Bereichen

Die Wertkorrekturen entstanden laut der Zeitung über alle möglichen Geschäftsbereiche hinweg. Unter anderem seien sie bei Beteiligungskrediten und gewerblichen Immobiliendarlehen nötig gewesen. Zudem habe Goldman ein großes Portfolio an sogenannten „distressed investments“ - also Krediten, deren Sicherheiten eine große Ausfallwahrscheinlichkeit haben oder an insolvente Firmen gekoppelt sind.

Probleme mache Goldman Sachs auch die Beteiligung an der Industrial & Commercial Bank of China (ICBC). Auf diese müssten bis zu 700 Millionen Dollar abgeschrieben werden, hieß es in der Zeitung. Die ICBC-Aktie hatte in den vergangenen Wochen massiv an Wert verloren.

Entlassungen bereits angekündigt

Goldman Sachs kam lange Zeit vergleichsweise unbeschadet durch die Finanzkrise und schlug durch Spekulation auf fallende Kurse zeitweise sogar Profit daraus. Im vergangenen Quartal war der Gewinn jedoch bereits um 70 Prozent eingebrochen, infolgedessen sollen Tausende Arbeitsplätze abgebaut werden. Mit einem Gewinn 845 Millionen Dollar war Goldman Sachs aber anders als die meisten Konkurrenten in den schwarzen Zahlen geblieben.

Das 139 Jahre alte Geldhaus leitete nach der Pleite des Konkurrenten Lehman Brothers Mitte September einen radikalen Kurswechsel ein. Goldman gab den Status als reine Investmentbank auf und wandelte sich in eine Geschäftsbank, um so besseren Zugang zu liquiden Mitteln zu bekommen. Tagelang war Goldman an der Börse unter Beschuss, der Aktienkurs war zeitweise in wenigen Stunden zweistellig eingebrochen. Innerhalb eines Jahres verlor das Papier 70 Prozent an Wert.

Weltweit kämpfen Banken seit über einem Jahr mit Milliardenverlusten. Seit September hat sich die Finanzkrise nochmals deutlich verschärft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet weltweit mit Verlusten von 1,4 Billionen Dollar. Andere Schätzungen gehen sogar noch höher.

Text: Reuters
Bildmaterial: dpa

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