Schlechte Arbeitsmarktdaten

Finanzkrise schürt Rezessionsangst in Amerika

Von Claus Tigges, Washington

Der Senat hat schon zugestimmt. Heute kommt das Rettungspaket vor das Repräsentantenhaus

Der Senat hat schon zugestimmt. Heute kommt das Rettungspaket vor das Repräsentantenhaus

03. Oktober 2008 In den Vereinigten Staaten wächst angesichts der schweren Finanzkrise und nach der Veröffentlichung einer Reihe schlechter Konjunkturdaten wieder die Furcht vor einer Rezession. Insbesondere hat sich die Lage auf den Kreditmärkten in den vergangenen Tagen weiter zugespitzt. Banken vergeben immer weniger kurzfristige Kredite an Unternehmen, weil faule Darlehen ihre Bilanzen belasten und die gegenseitige Kreditgewährung der Banken untereinander ins Stocken geraten ist. Die Währungshüter der Federal Reserve (Fed) erwägen deshalb offenbar eine Senkung des Leitzinses auf ihrer nächsten Ratssitzung Ende des Monats.

Nach Angaben der Fed haben Kreditinstitute ihre kurzfristigen Darlehen an Unternehmen in der vergangenen Woche um den Rekordbetrag von knapp 95 Milliarden Dollar verringert. Viele Unternehmen bedienen sich solcher Kredite zur Finanzierung ihres Tagesgeschäfts und bezahlen damit Rechnungen, Löhne und Gehälter. Darüber hinaus hat sich die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe im September deutlich verschlechtert; der Einkaufsmanagerindex, der als wichtiger Konjunkturindikator gilt, sackte von 49,9 Punkten auf 43,5 Punkte, den niedrigsten Wert seit Oktober 2001, kurz nach den Terroranschlägen. Werte von weniger als 50 Punkten deuten auf ein Schrumpfen der Aktivität in dem bedeutenden Wirtschaftszweig hin.

Wie das Amt für Arbeitsmarktstatistik am Freitag mitteilte, sind im September im verarbeitenden Gewerbe 51.000 Arbeitsplätze gestrichen worden. Das ist rund ein Drittel des gesamten Stellenabbaus, der mit 159.000 so hoch ausfiel wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Seit Jahresbeginn sind in Amerika nun im Saldo 760.000 Jobs verlorengegangen, unter anderem im Baugewerbe. Die Arbeitslosenquote im September lag unverändert bei 6,1 Prozent, weil zusammen mit dem Jobabbau auch die Zahl der Erwerbsfähigen sank.

IWF-Bericht: Gefahr eines „substantiellen Abschwungs“

Die Angst vor einer Rezession in Amerika wurde zusätzlich geschürt durch einen neuen Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF). Weil das Finanzsystem in so großen Schwierigkeiten stecke, sei die Gefahr eines „substantiellen Abschwungs“ erheblich, warnt der IWF darin. Eine aktuelle Wachstumsprognose, auch für Deutschland und den Euro-Raum, wird der Fonds kommende Woche veröffentlichen. „Unter diesen Umständen erscheint es besonders wichtig, dass die Politik handelt und Maßnahmen gegen den Stress im Finanzsystem und zu seiner Rekapitalisierung ergreift“, rät der Fonds.

Unterdessen ringen Regierung und Kongress in Washington weiter um das milliardenschwere Hilfspaket für das Finanzsystem. Eine Abstimmung im Repräsentantenhaus, das am vergangenen Montag den Plan überraschend zu Fall gebracht hatte, war für Freitagnachmittag oder Freitagabend geplant. Der Vorsitzende des Finanzausschusses im Repräsentantenhaus, Barney Frank, sagte, er sei zuversichtlich, dass sich nun eine Mehrheit für das Paket unter den 435 Kongressmitgliedern finden lasse. Der Führer der demokratischen Mehrheit, Steny Hoyer, äußerte sich ebenfalls optimistisch und fügte hinzu, dass eine Verabschiedung des Rettungsplans zur „Stabilisierung unserer Wirtschaft für alle arbeitenden Amerikaner wichtig“ sei. Einige derjenigen, die am Montag gegen das Paket gestimmt hatten, haben sich bestürzt geäußert über den folgenden Kurssturz an der Wall Street, durch den Vermögenswerte von mehr als 1 Billion Dollar vernichtet worden waren.

Einige konservative Republikaner äußerten sich zufriedena

Die Hoffnungen auf eine Mehrheit im Repräsentantenhaus ruhten nicht zuletzt auf den Änderungen und Ergänzungen an dem Plan, die der Senat zwischenzeitlich vorgenommen hat. Eine Zweidrittelmehrheit der Kongresskammer hatte am Mittwoch einem Rettungspaket zugestimmt, das neben den 700 Milliarden Dollar für das Finanzsystem auch rund 150 Milliarden Dollar an Steuererleichterungen für Haushalte und Unternehmen vorsieht, verteilt über zehn Jahre. Darüber hinaus enthält der Gesetzentwurf eine vorübergehende Anhebung des Höchstbetrags, mit dem Guthaben bei Banken, Spar- und Darlehenskassen durch den staatlichen Einlagensicherungsfonds garantiert werden, von 100.000 auf 250.000 Dollar.

Einige der konservativen Republikaner aus dem Repräsentantenhaus, die am Montag gegen das Paket gestimmt hatten, äußerten sich zufrieden über die Ergänzungen und signalisierten ihre Zustimmung. Allerdings gab es auch Kritik, weil in dem Maßnahmenbündel nun auch Dinge enthalten sind, die mit der Stabilisierung der Wirtschaft nichts zu tun haben, beispielsweise eine Erweiterung des Leistungsumfangs der Krankenkassen bei psychischen Krankheiten.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP

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