06. Oktober 2008 Eine Bank nach der anderen gerät in Schieflage, die Banken leihen sich gegenseitig kein Geld mehr und an der Börse sieht es düster aus. Doch jetzt drohen die Auswirkungen der Finanzkrise auch noch die Realwirtschaft zu erfassen - und damit die mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Das zeigt die neue Studie Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand des Verbands der Vereine Creditreform für den Herbst 2008.
Demnach hat sich das Geschäftsklima verschlechtert, die Umsätze sind auf dem absteigenden Ast und auch der Beschäftigungsmotor Mittelstand stottert. Zur Ermittlung des Geschäftsklimas im Mittelstand befragte der Verband rund 4000 Unternehmen. Die Geschäftsklima-Studien des Vereins werden zweimal jährlich - im Frühjahr und im Herbst - veröffentlicht.
Die Antworten des deutschen Mittelstands zur Konjunkturentwicklung seien jedoch gemessen an der derzeitigen Lage immer noch relativ positiv, sagte Helmut Rödl, Vorstandsmitglied des Verbands der Vereine Creditreform zu FAZ.NET. Ein Teil der Entwicklung sei auch einem ganz normalen konjunkturellen Rückgang geschuldet. Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Mittelstandskonjunktur stellen wir aber insoweit fest, als es bereits erste Restriktionen bei der Finanzierung der Unternehmen gibt, speziell im Zusammenhang mit der Kreditvergabe durch die Banken.
Stimmung deutlich eingetrübt
Die Stimmung unter Deutschlands Mittelständlern hat sich der aktuellen Umfrage zufolge deutlich eingetrübt: Die Zahl der Unternehmen, die ihre Geschäftslage mit den Noten sehr gut oder gut einstuften, nahm gegenüber dem Herbst 2007 um 4,9 Prozentpunkte ab und beträgt nun 46,9 Prozent. Mit mangelhaft und ungenügend votieren 5,4 Prozent der Befragten (Vorjahr: 4,0 Prozent). Am deutlichsten abgenommen haben die guten Einschätzungen im Dienstleistungsbereich: 47,7 Prozent vergeben hier die Noten sehr gut und gut - das entspricht einem Rückgang von 8,6 Prozentpunkten.
Die Umsätze der befragten Mittelständler haben sich im Verlauf des letzten Jahres negativ entwickelt, allerdings nicht so deutlich, wie es aufgrund der Hiobsbotschaften wegen der Finanzmarktkrise hätte befürchtet werden können, hieß es in einer Mitteilung. 34,7 Prozent der Unternehmen konnten innerhalb der vergangenen sechs Monate mehr Umsatz erwirtschaften - das entspricht einem Rückgang um 3,8 Prozentpunkte im Jahresverlauf. Die Zahl der Betriebe, die Umsatzeinbußen zu verkraften hatten, stieg dagegen um 2,8 Prozentpunkte auf 19,1 Zähler. Die beiden Branchen Bau und Handel wiesen bessere Umsatzergebnisse als noch vor einem Jahr auf, während sie sich im Verarbeitenden Gewerbe und bei den Dienstleistern verschlechterten.
Der Mittelstand, der als Beschäftigungsmotor in Deutschland gilt, stellt außerdem der Umfrage zufolge nicht mehr so viele Mitarbeiter ein wie noch vor einem Jahr: Aktuell geben 29,8 Prozent der Befragten an, ihren Personalbestand innerhalb der vergangenen sechs Monate aufgestockt zu haben. Im Herbst 2007 waren es noch 32,2 Prozent. Ihre Personaldecke verkleinern mussten 11,7 Prozent der Mittelständler - das sind 3,1 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr.
Text: nab./FAZ.NET
Bildmaterial: Creditreform
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