Finanzkrise

Commerzbank wird teilverstaatlicht

Von Hanno Mußler und Manfred Schäfers

Kommt teilweise unter die Fittiche des Staats: die Commerzbank

Kommt teilweise unter die Fittiche des Staats: die Commerzbank

09. Januar 2009 Die Commerzbank erhält weitere 10 Milliarden Euro vom Staat. Dafür wird sich der Bund mit 25 Prozent plus eine Aktie am Kapital der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank beteiligen. „Ich hätte mir vor acht bis zehn Wochen nicht träumen lassen, dass es so weit kommen wird“, sagte Vorstandssprecher Martin Blessing am Donnerstagabend. Doch ungewöhnliche Zeiten erforderten ungewöhnliche Maßnahmen. Auf die Frage, ob er heute die unmittelbar bevorstehende Übernahme der Dresdner Bank noch einmal wagen würde, sagte Blessing: „Die Frage ist hypothetisch. Ich weiß es nicht.“

Die neue Eigenkapitalzufuhr sei „wegen der Dresdner Bank, aber nicht nur wegen der Dresdner Bank“ nötig. Diese müsse wegen ihrer Investmentbank Dresdner Kleinwort hohe Belastungen nach einem „für alle Banken schlimmen vierten Quartal 2008 an den Kapitalmärkten“ verkraften. Ihre Kernkapitalquote wäre ohne zusätzliches Eigenkapital wohl unter 7 Prozent gerutscht. Die Commerzbank wiederum sei als Mittelstandsbank ein Spiegelbild der Volkswirtschaft und davon getroffen, dass Deutschland in die Rezession gerutscht sei. „Ich weiß nicht, wie lange die Zeiten so schwierig sein werden. Deshalb wollen wir uns noch wärmer anziehen“, sagte Blessing. Die Commerzbank werde mit der Dresdner Bank zusammen eine Kernkapitalquote von 10 Prozent haben. Bis zur Schwelle von 8 Prozent Kernkapitalquote gebe es nun bis zu 7 Milliarden Euro Eigenkapitalpuffer „für schlimme Dinge, die noch kommen könnten“.

Eigenkapitalzufuhr in zwei Schritten

Für die Commerzbank erleichternd sind auch neue Vereinbarungen mit dem Verkäufer der Dresdner Bank, der Allianz, nachdem schon vor Weihnachten der Verkaufspreis von ursprünglich im Sommer vereinbarten 9,8 Milliarden auf 5,1 Milliarden Euro gesenkt worden war. Blessing lobte die Rolle des Versicherers als sehr konstruktiv. Mit der Allianz sei neu vereinbart, dass sie nach der Übernahme der Dresdner Bank einen Teil des Verkaufspreises, nämlich 750 Millionen Euro, wieder als stille Einlage in die neue Commerzbank einbringe. Zudem kaufe die Allianz für 1,1 Milliarden Euro hochriskante Wertpapiere der Dresdner Bank im Nominalwert von 2 Milliarden Euro. Der Effekt für die Commerzbank werde spürbar sein. Aus bilanztechnischen Gründen - die Wertpapiere haben ein so hohes Risiko, dass sie nach gestiegener Zahlungsausfallwahrscheinlichkeit mit 17,5 Milliarden Euro zu Buche stehen - müssen nun in der Commerzbank 700 Millionen Euro weniger Eigenkapital vorgehalten werden. Die Allianz wird nach dem Einstieg des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin), der das Rettungspaket des Bundes für die Kreditwirtschaft verantwortet, nicht wie geplant 18,4 Prozent, sondern nur 14 Prozent an der neuen Commerzbank halten.

Die neue Eigenkapitalzufuhr des Soffin erfolgt in zwei Schritten. Wie schon im Dezember gibt der Stabilisierungsfonds der Commerzbank eine stille verzinste Einlage von 8,2 Milliarden Euro. Darüber hinaus erwirbt der Fonds erstmals Aktien an einer Bank. Für die 295 Millionen Stammaktien, die durch die Commerzbank neu ausgegeben werden und 25 Prozent plus einer Aktie entsprechen, zahlt der Soffin 6 Euro je Aktie, insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Der Erwerb von Aktien hat insofern eine neue Qualität, als der Bund nun aller Voraussicht nach im Aufsichtsrat der Commerzbank mit künftig vermutlich zwei Vertretern Einfluss nehmen kann. Blessing indes betonte, die Bank werde weiterhin nach betriebswirtschaftlichen Kriterien geführt. Zwar sei mit dem Soffin vereinbart, dass die Commerzbank die Kreditvergabe an den Mittelstand forcieren werde. Doch Kredit erhielten nur die Unternehmen, die ihren Kredit aller Wahrscheinlichkeit nach auch zurückzahlen könnten. Gleichwohl liegt der Staatsanteil am Kapital der Commerzbank unter Berücksichtigung der beiden stillen Einlagen von je 8,2 Milliarden Euro nun höher als 50 Prozent.

Zusammenschluss wird wie geplant fortgesetzt

An der Börse kam die Nachricht schlecht an. Der Aktienkurs der Commerzbank fiel am Donnerstag um rund 14 Prozent; zeitweise lag er unter 5 Euro - so tief wie nie zuvor. Damit ist das Institut an der Börse nur noch 3,7 Milliarden Euro wert.Dagegen zeigte sich ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums, dem der Soffin unterstellt ist, zufrieden mit den vereinbarten Staatshilfen. Tatsächlich hat sich die Bundesregierung mehrmals für die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank ausgesprochen. Auf die Frage, ob er ein schlechtes Gewissen habe, dass ihm letztlich der Steuerzahler die Übernahme der Dresdner Bank erlaube, sagte Blessing: „Ich entschuldige mich für den Kauf von Subprime-Krediten. Aber für die Insolvenz von Lehman Brothers kann ich nichts.“

Die Commerzbank hat darüber hinaus am Donnerstag als erste Bank in Deutschland eine durch den Soffin garantierte Anleihe begeben. Blessing bestritt, dass dies nur möglich gewesen sei, weil zuvor die Gespräche über einen Verkauf von Wertpapieren und eine weitere Eigenkapitalzufuhr erfolgreich waren. Zumindest scheint die Übernahme der Dresdner gesichert. Mit dem offiziellen Abschluss des Verkaufs rechnet Blessing in den nächsten Tagen. Der Zusammenschluss der beiden Banken werde wie geplant fortgesetzt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp

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