Nur noch drei Schüler

Kleinste hessische Grundschule schließt

Übersichtlich: Derzeit besuchen noch ganze fünf Kinder die Grundschule in Hesseneck-Hesselbach

Übersichtlich: Derzeit besuchen noch ganze fünf Kinder die Grundschule in Hesseneck-Hesselbach

05. Juli 2009 Wenn in wenigen Tagen die Sommerferien beginnen, heißt es auch für die Schüler der kleinsten Grundschule Hessens Abschied nehmen. Allerdings nicht nur für sechs Wochen, sondern wohl für immer. Denn ihre Schule in der südhessischen Gemeinde Hesseneck muss dicht machen – weil ihr die Schüler ausgegangen sind. „Leider erfüllt die Klasse die für den Schulbetrieb erforderliche Größe von mindestens 13 Schülern nicht”, berichtet die Direktorin des zuständigen Schulamts in Heppenheim, Sonja Thormählen. Im nächsen Schuljahr wird daher kein Lehrer mehr in den Hessenecker Ortsteil Hesselbach entsandt, die Kinder müssen auf eine andere Schule ausweichen.

In diesem Jahr hätten fünf Kinder der Jahrgangsstufen 1, 3 und 4 gemeinsam den Unterricht besucht, und die Zahl bleibt auch im kommenden Jahr niedrig: Dann sollten laut Schulamt lediglich drei Kinder aus Hesselbach die Schule besuchen. „Schüler, die in den anderen Ortsteilen Hessenecks wohnen, sind laut Bezirksgrenze nicht der gleichen Grundschule zugeordnet”, sagt Thormählen.

Nächste Schule 28 Kilometer weiter

Die Eltern der betroffenen Kinder bedauern die Entscheidung des Schulamtes. Schließlich müssen ihre Sprösslinge nun nach den Ferien jeden Morgen in das 28 Kilometer entfernte Beerfelden fahren, wo sich die nächstgelegene Grund- sowie eine weiterführende Schule befinden. „Die Entscheidung wurde uns im April verkündet und war für uns total überraschend”, sagt Matthias Grim, dessen Tochter Emilia nach den Sommerferien eingeschult wird. Schließlich sei die Schüleranzahl schon lange so gering gewesen.

„Ich verstehe ja, dass es schwer ist, so eine kleine Schule zu erhalten, aber nun wird es für die Kreisverwaltung teuer, weil sie die Busverbindung für die Kinder nach Beerfelden gewährleisten muss”, sagt Grim. Er befürchtet, dass die lange Fahrt für seine kleine Tochter zu anstrengend werde. „Manchmal fährt der Schulbus einen Umweg über die anderen Ortsteile, da kann es schon mal über 40 Minuten dauern.” Dass der kurvige Weg in die Beerfelder Grundschule vor allem im Winter nicht einfach zu bewältigen sei, gibt Ulrike Damm zu denken.

Ihr Sohn Jannick wurde in den vergangenen Jahren in der kleinen Hesselbacher Grundschule unterrichtet und wird jetzt die vierte Klasse in Beerfelden besuchen. „Ich bin mir sicher, dass es bei starkem Schneefall durchaus passieren kann, dass die Schulbusse gar nicht fahren.” Für Ulrike Damm käme jedoch nicht in Frage, ihren Sohn in eine näher gelegene Schule im angrenzenden Baden-Württemberg zu schicken. „Erstens gibt es keine Busverbindung in diesen Ort, zweitens ist das Schulsystem dort ganz anders.” Deswegen müsse nun der Sohn in den sauren Apfel beißen. „Nach der vierten Klasse würde Jannick sowieso in die weiterführende Schule in Beerfelden kommen.” Ihr Sohn habe den Unterricht in der kleinen Klassengemeinschaft genossen, sagt Damm. „Die Lehrerin konnte individuell auf die Schwächen der Schüler eingehen, für Jannicks Entwicklung war die kleine Gruppe vorteilhaft.” Nun müsse er sich an ein großes Gebäude mit vielen Klassenräumen und vielen Schülern gewöhnen.

Überbleibsel von Reform in Sechzigern

Hessenecks Bürgermeister Thomas Ihrig bedauert, dass „schon wieder eine Einrichtung schließen muss”. Die kleine Grundschule sei Überbleibsel einer Reform in den sechziger Jahren, nach der nahezu alle Volksschulen abgeschafft worden seien. Die Schulschließung hat laut Schulamt schon lange zur Debatte gestanden, man habe sich jedoch bislang zugunsten der Hesselbacher entschieden.

Der Kreis Odenwald müsse sich jetzt als zuständiger Schulträger um die Sicherstellung des Transports nach Beerfelden für die betroffenen Schüler kümmern.

Hesseneck ist mit derzeit 736 Einwohnern die kleinste selbstständige Gemeinde Hessens. Es teilt sich in die Ortsteile Hesselbach, Kailbach und Schöllenbach.

In wenigen Tagen wird die kleinste Grundschule Hessens letztmals Kinder in die Ferien verabschieden. Denn Hesselbach mangelt es an Schülern.

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa

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