25. März 2008 Der Wintereinbruch zu Ostern hat an frühen Blüten und Trieben herbe Schäden verursacht und damit die Gefahren milder Winter für vorwitzige Pflanzen aufgezeigt. Im März müsse immer mit Frost gerechnet werden, erklärte die Agrarmeteorologin Brigitte Klante vom Deutschen Wetterdienst in Geisenheim im Rheingau. Das Fatale an milden Wintern zeige sich, wenn Kälte und Schnee auf die früh entwickelte Natur träfen. Die Folgen sind schon relativ dramatisch, lautet Klantes Bilanz der Ostertage. Die Aprikosenblüten seien erfroren, und auch die ersten Triebe von Salaten und Gemüsesorten wie Kohlrabi und Sellerie wiesen Schäden auf.
Die Aprikosenbäume standen wegen des milden Winters bereits mancherorts in voller Blüte, als die Kälte einsetzte. Die Aprikosenblüten sind kaputt, sagte die Wissenschaftlerin. Aber auch an den frostempfindlichen Knospen von später blühenden Obstbäumen müsse mit Schäden gerechnet werden. Obstblüten könnten zwar mit Eis vor Kälte geschützt werden. Anlagen zur sogenannten Frostschutzberegnung habe aber nicht jeder Obstbauer, so Klante. Das Verfahren nutze den Umstand aus, dass bei der Umwandlung von Wasser in Eis etwas Wärme freigesetzt wird.
Fünf Zentimeter Schnee müssen es als Frostschutz sein
Während der Ostertage kamen zur Kälte mit Bodentemperaturen bis zu minus zehn Grad leichte Schneefälle. Die wenigen Zentimeter reichten aber nicht aus, um die jungen Triebe etwa von Kartoffeln vor der kalten Luft zu schützen, erklärte die Agrarmeteorologin. Dazu seien fünf bis sechs Zentimeter nötig, so viel Schnee fiel aber nicht überall. Bei einer dünneren Schneedecke überwiege der Effekt, dass sich die Luft über Schnee noch zusätzlich abkühle.
Daher rechnet Klante auch mit Schäden an den frühen Gemüsesorten, wie sie beispielsweise in der Pfalz längst ausgesät oder gesetzt worden sind. Auch die jungen Triebe der frühen Kartoffeln dürften gelitten haben. Kartoffeln trieben zwar neu aus, aber der Ertrag werde geringer. Der Spargel bliebe dagegen vorerst aber unbehelligt. Der ruhe noch.
Nach den Erfahrungen der Agrarmeteorologen sind die Winter in den vergangenen Jahren kürzer und milder geworden. Einen Winter mit längerem Dauerfrost hatte es seit Ende der achtziger Jahre kam noch gegeben, hatte Klante im Februar erklärt, nachdem der Januar dieses Jahres wieder viel zu warm ausgefallen war.
'S Wetter wird wie's will, Spargel wächst im April
Die Rückkehr des Winters hat dem heimischen Spargel kaum geschadet. Ein paar wenige Pflanzen sind vielleicht erfroren, aber der Spargel war noch nicht so weit, weil es durchgehend kühl, nass und bedeckt war, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt. Bislang seien nur die ersten frühen Vorboten unter doppelten Folien gestochen worden. Die Wetterprognosen sagen für kommende Woche 17 Grad voraus, dann geht es los mit der Spargelernte, sagte Meinhardt.
Im vergangenen Jahr konnte das Edelgemüse unter Folien dank des milden Winters bereits zum Frühlingsbeginn gestochen werden. Das sei aber relativ früh gewesen, sagte Meinhardt und bekräftigte dies mit einer alten Weisheit der Spargelbauern: 'S Wetter wird wie's will, Spargel wächst im April. Er rechne auch in dieser Saison mit ersten größeren Erntemengen wie gewöhnlich um den 20. April. Da gibt es dann richtige Mengen, wir liegen voll im Zeitplan. Bis dahin ist alles Geplänkel. Zunächst würden vor allem Feinkostläden und Restaurants den noch seltenen und daher teuren heimischen Spargel ordern. Die Saison endet traditionell am 24. Juni, dem Johannistag.
Südhessen gilt mit knapp 2000 Hektar als eines der großen Anbaugebiete in Deutschland.
Text: FAZ.NET mit lhe
Bildmaterial: dpa
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