Wetzlar

Bestürzung über Nachricht von der Absetzung des Dekans

Von Wolfram Ahlers

Jürgen Erbach und Kristof Heil (l.) wurden von Peter Kollas im Wetzlarer Dom gesegnet

Jürgen Erbach und Kristof Heil (l.) wurden von Peter Kollas im Wetzlarer Dom gesegnet

21. August 2008 „Nach intensiver Überlegung möchte ich zurzeit keine Stellungnahme abgeben.“ Der katholische Pfarrer der Wetzlarer Domgemeinde, Peter Kollas, teilte auf Anfrage per E-Mail mit, dass er sich auch weiterhin weder zu seiner Absetzung als Dekan des katholischen Bezirks Wetzlar durch den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst noch zu der umstrittenen Segnung einer Lebenspartnerschaft eines gleichgeschlechtlichen Paares im Wetzlarer Dom äußern will. Auch in seiner Gemeinde hält man sich mit Aussagen zum dem Vorfall weiterhin bedeckt. Gemeindemitglieder hätten ihre Betroffenheit zur Amtsenthebung zum Ausdruck gebracht, hieß es lediglich dazu aus dem Gemeindebüro.

Erleichtert ist man in der Gemeinde aber offenbar darüber, dass Kollas weiterhin als Pfarrer für die Domgemeinde tätig sein wird. Er gilt als engagierter Seelsorger und Vertreter seiner Gemeinde sowohl gegenüber dem Bistum als auch im Dialog mit der Kommune, mit Institutionen, Verbänden oder anderen Religionsgemeinschaften.

Paar: Hätten wir das gewusst

Auch bei der evangelischen Domgemeinde wollte man sich mit Hinweis auf eine innere Angelegenheit der katholischen Kirche nicht zum Verhalten von Pfarrer Kollas äußern. An der Zeremonie für das Paar im Dom, einer Simultankirche, die von beiden christlichen Glaubensgemeinschaften genutzt wird, hatte neben Kollas auch ein Pfarrer der evangelischen Kirche teilgenommen und die Predigt gehalten. Dabei handelte es sich allerdings nicht um einen Seelsorger aus Wetzlar, sondern um den Jugendpfarrer von Jürgen Erbach, einem der beiden Partner, für die die Zeremonie gestaltet worden war. Erbach, Professor für Immobilienmanagement, der sich in Wetzlar als Initiator des Optikparcours einen Namen gemacht hat, sagte, dass es auch in der evangelischen Gemeinde Wetzlar Bedenken hinsichtlich der Feier für ihn und seinen Partner Kristof Heil gegeben habe.

Deshalb habe man sich für den evangelischen Part darauf verständigt, dass ein Gastpfarrer die Zeremonie im Gotteshaus mitgestaltet und auch nicht im Talar auftritt. Der katholische Pfarrer Kollas, der als Vertreter von Erbachs Partner an der ökumenischen Zeremonie teilnahm, hatte seine Segensworte indes im Talar gesprochen. Erbach sagte im Gespräch weiter, er und sein Partner hätten die Nachricht vom Vorgehen des Bischofs „mit Bestürzung“ zur Kenntnis genommen. Hätten er und sein Partner die Konsequenz für Kollas vorhersehen können, „hätten wir auf die Zeremonie in dieser Form verzichtet“, erklärte Erbach. Man habe Kollas keinen Schaden zufügen wollen.

„Audienz unwahrscheinlich“

Das Paar hat den Bischof nun um eine Audienz gebeten und in einem Schreiben den Wunsch geäußert, der Bischof möge die Amtsenthebung von Kollas zurücknehmen. Erbach und Heil, die nach eigenen Angaben seit 20 Jahren ein Paar sind, begründen dies zum einen damit, dass es sich nicht um eine Hochzeit wie von Mann und Frau gehandelt habe. Insofern sei der Einwand des Bischofs, es habe der Eindruck entstehen können, in der katholischen Kirche würden gleichgeschlechtliche Bindungen mit Eheschließungen gleichgesetzt, unzutreffend. Homosexuelle seien Teil der Gesellschaft und hätten wie andere Menschen auch Anspruch auf seelsorgerische Begleitung, findet Erbach.

Zur Bitte einer Audienz sagte der Sprecher des Bistums Limburg, Robert Eberle, es sei unwahrscheinlich, dass der Bischof für ein solches Gespräch zur Verfügung stehe. Es handele sich um eine innerkirchliche Angelegenheit und der Bischof stehe zu seiner Entscheidung. Die Leitung des Bistums moniert zudem, dass weder das Paar noch Pfarrer Kollas während der Vorbereitungen an den Bischof herangetreten seien, um ihr Anliegen mit ihm zu erörtern. Dann, so heißt es, hätte es zur Absetzung des Dekans womöglich nicht kommen müssen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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