
Gesprächsbedarf: Die Ideen zur Schulpolitik des hessischen Kultusministers Jürgen Banzer beschäftigen den Landtag
30. April 2008 Die kooperativen Gesamtschulen in Hessen können nach dem Willen des Landtags bereits mit Beginn des nächsten Schuljahrs zur neunjährigen Gymnasialzeit zurückkehren. Diesen Auftrag an die Landesregierung hat der kulturpolitische Ausschuss des Landtags einmütig, bei Enthaltung der Linkspartei, erteilt.
Das Kultusministerium erklärte sich bereit, den Gesamtschulen noch bis zum Sommer die Wahl zwischen G9 und der kürzeren, achtjährigen Gymnasialzeit (G8) zu ermöglichen. Das Ministerium müsse die administrativen Voraussetzungen schaffen und das bereits abgeschlossene Anmeldeverfahren für die Schulen nochmals eröffnen, sagte die FDP-Abgeordnete Dorothea Henzler.
Anhörung im Juni
Als Termin für die von den Grünen beantragte große Anhörung zur Schulpolitik legte der Ausschuss den 16. Juni fest. Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) kündigte indes weiter reichende Veränderungen bei der Schulzeitverkürzung an. Er persönlich sei der Meinung, dass auch Gymnasien die Wahl zwischen G8 und G9 haben sollten.
Eine flexible Regelung werde es in diesem Fall allerdings erst zum Schuljahr 2009/2010 geben können. Die neuen, inhaltlich stark reduzierten Lehrpläne für die verkürzte Gymnasialzeit sollen nach den Worten Banzers noch vor den Sommerferien vorliegen.
Landkreise fordern Personalhoheit
Die hessischen Landkreise haben unterdessen die Personalhoheit über die rund 50 000 Lehrer an den öffentlichen Schulen des Landes sowie mehr bildungspolitische Kompetenzen gefordert. In einem am Mittwoch vorgestellten Strategiepapier des Landkreistags wird für die Weiterentwicklung der Schulen zu ganztägig geöffneten Häusern des Lebens und Lernens“ plädiert. Sie sollten mit Betreuungseinrichtungen kooperieren, sich selbst verwalten und mehr auf das einzelne Kind eingehen.
Man wolle eine Individualisierung des Unterrichts und keine Selektion“, sagte der Offenbacher Landrat Peter Walter (CDU), der sich auch dafür aussprach, die Sonderschulen abzuschaffen. Sie verursachten so hohe Kosten für die Schülerbeförderung, dass man dieses Geld besser verwenden sollte, um Regelschulen mit Heilpädagogen auszustatten.
Mehr Rechte für Schulen
Bislang sind die Kommunen für Bau und Unterhalt der Schulen zuständig, während das Land die Lehrer zuteilt und den Unterricht organisiert. Nach Auffassung des Landkreistags ist diese Aufsplittung nicht mehr effizient. Nach seinen Vorstellungen soll das Land künftig nur noch Ziele vorgeben und ihre Erfüllung überprüfen; alle anderen Aufgaben der Schulaufsicht würden auf die Kommunen übergehen, die dann auch allein über die Schulentwicklungspläne zu entscheiden hätten. Gleichzeitig bekämen die Schulen mehr Selbständigkeit bis hin zum Disziplinarrecht. Lehrer würden nicht mehr als Beamte eingestellt.
Text: F.A.Z./ler.
Bildmaterial: Frank Röth