
Der Anteil der Windkraft an der Energieversorgung soll steigen - wie hoch er sein soll, ist umstritten
06. Januar 2008 SPD und Grüne kämpfen gegen Atomkraftwerke, CDU und FDP gegen Windmühlen. So könnte man die in den vergangenen Monaten ausgiebig geführte Debatte um die Zukunft der hessischen Energieversorgung kurz zusammenfassen. Union und Liberale setzen auf einen Mix aus Kernkraft, Kohle und alternativen Energien, denn nur so sei mittelfristig eine sichere und für Familien und Unternehmen bezahlbare Stromversorgung sicherzustellen. Aus Sicht der Sozialdemokraten, getrieben von Solarpapst Hermann Scheer, könnte Hessen schon 2013 einen Großteil des hier verbrauchten Stroms mit Wind, Sonne, Wasser und Biomasse erzeugen; die Grünen sind in dieser Hinsicht skeptischer und peilen als Termin das Jahr 2028 an.
Gemeinsam warnen SPD und Grüne vor einem Weiterbetrieb des Atomkraftwerks Biblis, insbesondere der Meiler Biblis A sei überaltert und gefährlich. Als Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) im Landtag gar für den Bau neuer Kernkraftwerke eintrat, musste er sich von den beiden Oppositionsfraktionen fragen lassen, welchen Standort er denn in Hessen anpeile. Seitdem hat der Minister, wohlwissend, dass zwei Drittel der Bevölkerung für den Ausstieg aus der Kernenergie sind, seinen Vorstoß nicht wiederholt.
CDU und FDP wollen den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent steigern, vor allem durch den verstärkten Einsatz von Biomasse. Die Verspargelung der Landschaft mit Hunderten von neuen Windrädern halten die beiden Parteien für unvertretbar. SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti hingegen weist darauf hin, dass Kohle- und Atomkraftwerke die Landschaft durch ihre Aussehen und ihre Emissionen sehr viel mehr verschandelten.
SPD und Grüne wollen die Grundwasserabgabe wieder einführen, um Geld für die Energiewende zu erhalten. CDU und FDP lehnen das ab.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.01.2008, Nr. 1 / Seite 7
Bildmaterial: dpa