Tierseuche

Impfung gegen Blauzungenkrankheit beginnt im Mai

Bedroht: der Wisente-Bestand in Hanau

Bedroht: der Wisente-Bestand in Hanau

31. März 2008 Millionen Rinder, Schafe und Ziegen in Deutschland sollen von Mai an gegen die Tierseuche Blauzungenkrankheit geimpft werden. Das Land Hessen habe im Auftrag aller Bundesländer knapp 21 Millionen Impfdosen im Wert von rund 17 Millionen Euro bei drei Unternehmen bestellt, sagte der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) in Wiesbaden.

Die Blauzungenkrankheit bedroht nicht nur landwirtschaftliche Tierbeständen, sondern auch Wisente. Im Hanauer Wildpark Alte Fasanerie sind etwa drei Viertel der Tiere an der Seuche gestorben („Es hat uns getroffen wie ein Keulenschlag“ ).

Direkt nach der ersten Lieferung im Mai solle zumindest in Hessen mit der Impfung begonnen werden. Voraussetzung sei, dass ein bereits begonnener Feldversuch des Friedrich-Loeffler-Instituts in Mecklenburg-Vorpommern mit den nun bestellten Impfseren weiter ohne Zwischenfälle verlaufe. Die Impfaktion gegen die Blauzungenkrankheit in Deutschland kommt aus Sicht der Tierärzte möglicherweise zu spät.

Schafe, Ziegen und Rinder gefährdet

Gleichzeitig warnten sie vor „katastrophalen Ausmaßen“ der Tierseuche in diesem Jahr. Obwohl die EU und die deutschen Behörden alle Voraussetzungen für eine Impfung geschaffen hätten, „sind die Vorbereitungen auf Länderseite leider unzureichend“, teilte der Präsident des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte, Hans-Joachim Götz, am Montag in Frankfurt mit.

Die gefährdeten Tiere - Schafe, Ziegen und Rinder - müssten „rechtzeitig vor Weideaustrieb, also spätestens bis Mitte April“ geimpft werden. Nur dann könne verhindert werden, dass die Stechmücken, die die Krankheit übertragen, den Erreger beim Blutsaugen aufnehmen und auf andere Tiere übertragen. „Was wir dringend brauchen, sind ausreichende Mengen an Impfdosen und klare Informationen der Tierhalter und Tierärzte, damit umgehend mit den Impfungen begonnen werden kann“, sagte Götz.

„Zeit ist bereits genug vertan worden“

Ein nachhaltiger Erfolg sei nur zu erreichen, wenn mindesten 80 Prozent der empfänglichen Tiere geimpft sind. Die Länder müssten nicht nur schnell handeln, sondern auch eng zusammenarbeiten und sich auf bundeseinheitliche Richtlinien einigen. „Zeit ist bereits genug vertan worden“, sagte Götz laut einer Mitteilung.

Der Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT) und der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) vertreten die beamteten, angestellten und praktizierenden Tierärzte in Deutschland, die maßgeblich an der Bekämpfung von Tierseuchen beteiligt sind.

Ausgewählte Daten und Fakten zur Tierseuche Blauzungenkrankheit:

- Erstmals in Hessen nachgewiesen wurde die Blauzungenkrankheit am
13. November 2006 - bislang sind 3416 Fälle (Stand: 7. März) der Krankheit bei Rinder-und Schafbeständen in Hessen aufgetreten

- 5900 Schafe, 34 Ziegen und 863 Rinder sind nach Angaben des
Landwirtschaftsministeriums bislang an der Seuche verendet

- seit dem 1. Januar wurden in Hessen 121 neue Fälle der
Krankheit registriert, wobei sich die Tiere aber bereits 2007
angesteckt haben

- 350.000 Schafe und Ziegen sowie 500.000 Rinder sollen in Hessen
geimpft werden

- Der Impfstoff für Hessen kostet rund 940.000 Euro

Text: FAZ.NET mit lhe
Bildmaterial: Daniel Pilar

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