15. Juli 2008 Gasverbraucher in Hessen werden ab Herbst tiefer in die Tasche greifen müssen. Viele Versorgungsunternehmen planen teils kräftige Preiserhöhungen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstag ergab. Im Gespräch oder schon beschlossen sind Steigerungen um einen meist zweistelligem Prozentsatz. Einige Gasversorger wollen hingegen zunächst einmal die weitere Entwicklung abwarten. Als Grund für die Preissteigerungen werden höhere Beschaffungskosten genannt.
Bei der Frankfurter Mainova klettert der Gaspreis Anfang September für einen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden um fast zehn Prozent auf 1336 Euro. Die Einkaufspreise seien stark gestiegen, begründete ein Sprecher den Schritt. Für die 210.000 Kunden des Unternehmens sei dies die erste Preiserhöhung seit Oktober 2005.
Eon Mitte erhöht die Preise bereits Anfang August. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden steigt der Preis um fast 15 Prozent auf 1528,67 Euro. Auch Eon Mitte führte dies auf die Preissteigerung an den Energiemärkten zurück. Mit einer weiteren Erhöhung in diesem Jahr müssten die 90 000 Kunden zurzeit aber nicht rechnen, teilte der Sprecher von Eon Mitte mit.
Die Stadtwerke Marburg erhöhen die Gaspreise zum 1. September um 19 bis 20 Prozent. Wie hoch die Steigerung genau ist, hängt von der Verbrauchsmenge ab, sagte Norbert Schüren, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Stadtwerke Marburg GmbH. Eine solch hohe Preissteigerung hat es in der Geschichte des Unternehmens bislang noch nicht gegeben, berichtete er. Leider scheint nach derzeitigem Stand im Winter eine weitere Preiserhöhung unausweichlich.
Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bezahlt derzeit 1301,81 Euro. Vom 1. September an werden 1554,14 Euro fällig - 252,33 Euro mehr. Wir geben schlichtweg die Verteuerungen an die Kunden weiter, die der Vorlieferant uns diktiert, sagte Schüren. Zum 1. Juli 2007 hatte dieselbe Jahresgasmenge 1203,20 Euro gekostet.
In Südhessen will die GGEW Gruppen-Gas- und Elektrizitätswerk Bergstraße AG in Bensheim die Tarife zum 1. September um knapp 9,5 Prozent anheben, wie Vertriebsleiter Rainer Babylon sagte. Das Unternehmen hat rund 22 000 Gaskunden. So zahlt ein Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden im Jahr im GGEW-Vario-Midi-Tarif seit Januar vergangenen Jahres 1212,28 Euro, ab September werden es 100 Euro mehr sein.
Während bei der Gasversorgung Rüsselsheim mit etwa 12.000 Gaskunden eine Preiserhöhung zum 1. Oktober im Gespräch ist, halten sich Eprimo, die über knapp 2000 Kunden im Kreis Gross-Gerau verfügt und der mit 170.000 Gaskunden größte Anbieter der Region, Entega, noch zurück und wollen zunächst den Markt beobachten.
Der Gaswerksverband Rheingau AG plant zum 1. Oktober eine Gaspreiserhöhung. Das genaue Maß der Erhöhung ist noch unklar, sagte Vorstand Jürgen Burkert. Es werde aber nicht unter zehn Prozent liegen. Grund seien die stark gestiegenen Einkaufspreise für Gas. Der Gasversorger hat im Rheingau rund 22.000 Gaszähler. Zuletzt waren die Preise zum 1. Oktober 2007 erhöht worden. Zum 1. Juli dieses Jahres musste ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden rund 1316 Euro bezahlen. Im gleichen Monat des Vorjahres waren dafür noch 1244 Euro fällig gewesen.
Bei den Städtischen Werken in Kassel steigen die Preise für die rund 50.000 Gas-Kunden ebenfalls zum 1. Oktober. Die genaue Erhöhung steht noch nicht fest - sie dürfte aber rund 20 Prozent betragen, wie das Unternehmen mitteilte. Aktuell zahlt ein Haushalt mit dem gleichen Jahresverbrauch wie bei den anderen Beispielen 1513,68 Euro im Jahr. Auch die Energieversorgung Limburg GmbH kündigte eine Preiserhöhung zum 1. September an. Über die Höhe sei noch keine Entscheidung gefallen, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen hat schätzungsweise 12 000 bis 14 000 Kunden.
Gaspreiserhöhungen planen auch die Stadtwerke Gießen. Wir haben unseren Kunden Anfang des Jahres versprochen, die Gaspreise bis Oktober stabil zu halten, ab dem 1. Oktober kommen wir aber um eine deutliche Erhöhung nicht herum, sagte die Sprecherin der Stadtwerke Gießen AG, Ina Weller. Grund seien die drastisch gestiegenen Beschaffungskosten. Wie hoch die Steigerung ausfallen wird, ist noch nicht klar.
Der osthessische Energieversorger GWV mit Sitz in Fulda hat noch keine Erhöhung beschlossen. Im späten Herbst werden wir wohl vermutlich nicht mehr umhin kommen und die Preise erhöhen müssen, sagte jedoch der Leiter der Kundenabrechnung bei der Gas- und Wasserversorgung Osthessen und Fulda GmbH, Reinhold Auth. Auch die Gasversorgung Offenbach (GVO) prüft noch, ob sie die Preise zum Herbst anheben wird. Zurzeit kostet die Gasmenge jährlich 1292 Euro. Dazu kommt noch ein Grundpreis von 160,56 Euro. Diese Preise gelten für die insgesamt 24.000 GVO-Kunden seit Juni 2007.
Das hessische Wirtschaftsministerium betonte, die stark steigenden Gaspreise seien kein hessisches Problem, sondern ein weltweites. Es könne daher nicht in Hessen gelöst werden. Es liefen auch keine Verfahren der Landeskartellbehörden etwa wegen überhöhter Gaspreise, sagte ein Sprecher.
Text: FAZ.NET mit lhe
Bildmaterial: AP