Energieministerin zu Kernkraft

Fonds als Gegenleistung für längere Laufzeiten

Umstrittener Stromlieferant: Kernkraftwerk Biblis

Umstrittener Stromlieferant: Kernkraftwerk Biblis

05. Juli 2009 

Die hessische Energieministerin Silke Lautenschläger (CDU) und die FDP-Landesspitze haben sich gegen Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke zum Nulltarif ausgesprochen. Die deutschen Stromkonzerne sollten dafür 20 Milliarden Euro in einen unabhängigen Fonds einzahlen, schlug Lautenschläger am Samstag in Wiesbaden vor. Das Geld müsse der Erforschung erneuerbarer Energien und besserer Stromnetze zugutekommen. Nach Aussage von FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn sollen auch Unterricht und Kinderbetreuung von einem solchen Fonds profitieren. Eine Summe nannte die FDP am Samstag in Gießen aber nicht.

Die Grünen warnten hingegen vor den Folgen von Großkraftwerken für die Umwelt. Die SPD teilte mit, dass sie den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomkraftnutzung anstrebe. „Diese Technologie ist hoch riskant“, sagte der Sprecher der Hessen-SPD, Frank Steibli.

Zusatzerlöse von mehr als 200 Milliarden Euro

Mit einer Laufzeitverlängerung für ihre Kernkraftwerke könnten die deutschen Atomstromkonzerne einer Studie zufolge dreistellige Milliardengewinne erwirtschaften. Der nichtöffentlichen Ausarbeitung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zufolge, die der „Berliner Zeitung“ vorliegt, würden Eon, RWE und EnBW Zusatzerlöse von mehr als 200 Milliarden Euro erzielen, falls die AKW 25 Jahre länger laufen dürften und die Strompreise stiegen.

„Die Kernkraft wird als Übergangstechnologie noch eine Weile gebraucht - aber wir wollen die verstärkte Nutzung der neuesten Technik der erneuerbaren Energien“, sagte Lautenschläger. „Im Forschungsbereich gibt es derzeit noch einen gewaltigen Nachholbedarf.“ Begrenzte Laufzeitverlängerungen kämen aber nur infrage, wenn die technische Sicherheit gewährleistet sei.

Der Landesvorstand der Liberalen sprach sich für eine Verlängerung der Restlaufzeiten aus. „Das gilt auch für Biblis.“ Nach der Bundestagswahl müsse der Atomkompromiss neu mit der Atomindustrie verhandelt werden. Mögliche Gewinne, die sich daraus ergäben, dürften aber nicht bei den Konzernen bleiben, sondern müssten den „Zukunftsfeldern erneuerbare Energien sowie Bildung, Forschung und Entwicklung“ zugutekommen.

„Großkraftwerke wirken auf Flüsse wie Durchlauferhitzer“

Biblis, aber auch das Kohlekraftwerk Staudinger gefährde die Wasserqualität in Rhein und Main, kritisierte dagegen die grüne Landtagsabgeordnete Angela Dorn in Frankfurt. „Großkraftwerke wirken bei hochsommerlichen Temperaturen auf unsere Flüsse wie Durchlauferhitzer.“ Zum Schutz der Flüsse müsse auf Laufzeitverlängerungen für das Atomkraftwerk Biblis und neue Kohleblöcke ohne ausreichende Fernwärmeauskopplung verzichtet werden. Stattdessen sollten erneuerbare Energien ausgebaut werden. Anlass war die vom Umweltverband BUND vorgestellte Studie zur Wärmebelastung des Rheins.

Die Grünen forderten zudem die Erhebung eines Wassercents auf die Entnahme von Kühlwasser durch Großkraftwerke. „In Baden-Württemberg sank der Kühlwasserbedarf nach der Einführung des dortigen Wasserpfennigs um ein knappes Drittel. Das sollte ohne weiteres auch in Hessen möglich sein“, sagte Dorn laut Mitteilung.

Text: FAZ.NET mit lhe
Bildmaterial: ddp

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