Schulbildung

Hessen besser, aber weiterhin im Mittelfeld

Von Jacqueline Vogt und Ralf Euler

Chemieunterricht: Naturwissenschaften waren der Schwerpunkt der aktuellen PISA-Studie

Chemieunterricht: Naturwissenschaften waren der Schwerpunkt der aktuellen PISA-Studie

19. November 2008 Beim Pisa-Bundesländervergleich liegt Hessen, obwohl es sich verbessert hat, weiterhin im Mittelfeld. Das ist das Ergebnis der in Berlin veröffentlichten Studie „Pisa E“, die auf Daten aus dem Jahr 2006 basiert. Sie hatte den Untersuchungsschwerpunkt Naturwissenschaften, in diesem Feld erreichten die hessischen Schüler Rang 12 von 16. Überrundet wurden sie auch von ihren Altersgenossen in Rheinland-Pfalz, die auf Rang 6 kamen. Das beste Ergebnis erzielten die hessischen Jugendlichen mit Rang 7 im Kompetenzfeld Lese- und Textverständnis. Insgesamt am besten schnitt Sachsen ab, gefolgt von Bayern. Schlusslicht in allen Disziplinen war wie zuvor Bremen.

Die Pisa-Studie ist ein internationaler Vergleich, der die Fähigkeiten von Fünfzehnjährigen misst und alle drei Jahre erhoben wird. Deutschland hat zusätzlich jeweils einen nationalen Vergleich erstellen lassen, „Pisa E“ genannt. Die Studie ist die vorerst letzte dieser Art. Die hessischen Schüler, heißt es darin, hätten sich in allen Disziplinen verbessert im Vergleich zu denen, die für „Pisa E“ 2003 (Erscheinungsjahr 2005) getestet worden waren. Im Fach Mathematik zum Beispiel kamen sie von 497 auf 500 Punkte (zum Vergleich: der Bundesdurchschnitt beträgt 504 Punkte, Sachsen erreichte 523). Der Gesamtmittelwert beträgt 495 Punkte, Hessen hat 492.

Nach Grundschule nur noch zwei Schulformen

In ersten Stellungnahmen bewerteten Lehrerverbände und Politiker die Ergebnisse unterschiedlich. Während der geschäftsführende hessische Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) die erreichten Verbesserungen herausstrich, kritisierten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Mehrheit der im Landtag vertretenen Parteien die Bildungspolitik der CDU in Hessen als Ursache für das mittelmäßige Abschneiden.

Helmut Deckert, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, in dem vor allem Lehrer an Haupt- und Realschulen organisiert sind, erklärte den Erfolg Sachsens mit finanziellen Anstrengungen im Bildungswesen dort. Bei sinkenden Schülerzahlen sei die Zahl der Lehrerstellen gleich geblieben, sagte er. Vor allem aber, fügte Deckert hinzu, sei das Schulsystem in Sachsen „vorbildlich strukturiert“, weil die Kinder nach der vierten Klasse entweder auf ein Gymnasium oder auf eine Mittelschule wechselten, die sie dann bis zur 7. Klasse gemeinsam besuchten – der Verband Bildung und Erziehung schlägt seit längerem für Hessen ein ähnliches Modell vor, das eine Verteilung nach der Grundschule auf nur noch zwei Schulformen vorsieht.

Mittelmaß

Aus der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) hieß es, die künftige Landesregierung müsse für „weitere Qualitätsverbesserungen, vor allem im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht“ sorgen. „Wir haben viel getan und haben noch viel zu tun“, sagte Kultusminister Banzer. Die von der CDU-geführten Landesregierung eingeführten Veränderungen – vom erweiterten Stundenumfang in den Grundschulen über die Lese- und die Deutschförderung bis hin zu den Schub-Klassen als berufsorientiertes Schulangebot für Hauptschüler – würden erst in einigen Jahren volle Wirkung entfalten.

Heike Habermann, die schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag, nannte hingegen die Bildungspolitik der Regierung von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) gescheitert. Die hessischen Schulen kämen im bundesweiten Vergleich nicht aus dem Mittelmaß heraus, weil die CDU in ihrer „Bildungsideologie“ verhaftet bleibe.

Soziale Herkunft maßgeblich für Bildungserfolg

Das Ergebnis der Vergleichsstudie sei der Beleg dafür, dass die politischen Weichenstellungen der Regierung Koch in den vergangenen neuneinhalb Jahren die hessischen Schulen zwar „an den Rand des Wahnsinns“ getrieben, aber keine Verbesserungen gebracht hätten, äußerte der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Mathias Wagner.

Die absolute Mehrheit der CDU in der vergangenen Legislaturperiode sei schädlich für die Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht gewesen, äußerte die schulpolitische Sprecherin der FDP im Landtag, Dorothea Henzler. Die CDU habe in der Schulpolitik falsche Schwerpunkte gesetzt und zu viel Bürokratie verursacht. Dabei sei die individuelle Förderung der Jugendlichen auf der Strecke geblieben. „Die Unterrichtsgarantie Plus war ein Paradebeispiel dafür.“

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Barbara Cárdenas, sagte, das mehrgliedrige Schulsystem in Hessen habe zur Folge, dass die soziale Herkunft noch immer maßgeblich für den Bildungserfolg eines Schülers sei.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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