15. Juli 2008 Wegen bandenmäßigen Betrugs mit dem als Krebswundermittel verkauften Aufbaupräparat Galavit hat das Kasseler Landgericht die drei Hauptangeklagten am Dienstag zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Kopf der Bande, ein 64 Jahre alter Geschäftsmann, muss für sieben Jahre und drei Monate hinter Gitter. Ein Arzt, der mindestens 132 Krebspatienten das russische Stärkungsmittel verabreicht haben soll, wurde zu fünf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Ein Journalist, der die Geschichte von Wunderheilungen lanciert hatte, soll drei Jahre ins Gefängnis. Die Verteidiger kündigten bereits Revision an.
Die fünf Männer - zwei Kaufleute wurden als Mittäter zu Bewährungsstrafen und Geldbußen verurteilt - hatten vom Sommer 2000 an in Nordhessen fast 150 Patienten behandelt. Sie verkauften ihnen das Stärkungsmittel als Wunderdroge gegen Krebs für 8500 Euro - das 26-fache des von ihnen gezahlten Preises. Fast alle Patienten starben nach der Behandlung.
In Russland nicht gegen Krebs zugelassen
Nach Auffassung des Gerichts ist Galavit gegen Krebs völlig unwirksam. Das hätten auch alle fünf Angeklagten wissen müssen. Das Aufbaumittel sei in Deutschland nicht zugelassen und in Russland nicht gegen Krebs. Zwar könne das Gericht die Unwirksamkeit nicht nachweisen, derartige Studien würden mindestens 100 Millionen Euro kosten. Aber die Angeklagten hätten die von ihnen betreuten Krebspatienten umfassend aufklären müssen. Stattdessen sei den Menschen völlig unbegründet Hoffnung gemacht worden. Das ist besonders verwerflich, sagte der Richter am Ende seiner mehr als zweistündigen Urteilsbegründung.
De Verteidigung des Hauptangeklagten hatte zuvor einen Freispruch gefordert. Zudem müsse der 64 Jahre alte Mann für seine zweieinhalbjährige Untersuchungshaft entschädigt werden, meinten die Anwälte. Natürlich wollte mein Mandant Geld verdienen. Aber auch ein neues, vielversprechendes Medikament verbreiten. Wenn das Wucher ist, sind in der Pharmaindustrie viele schuldig.
Text: FAZ.NET mit lhe
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