Lebensmittel

Milchbauern fordern höhere Preise

Von Wolfram Ahlers

09. April 2008 Herrschte unter hessischen Milchbauern im vergangenen Jahr noch Zuversicht, weil sie für ihre Erzeugnisse nach vielen Jahren wieder höhere Preise erzielen konnten, hat sich die Stimmung zuletzt wieder eingetrübt. Als Grund nennt der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider, auch die Anhebung der Milchquote durch die EU-Kommission. Insbesondere aber bereiten den Landwirten die nach seinen Worten zum Teil deutlich gestiegenen Produktionskosten Sorge.

Als Folge der Quotenerhöhung erwarten die Milchbauern nach Schneiders Worten, dass ihre Ware wieder so unter Preisdruck gerät, dass die Rentabilität vieler Betriebe gefährdet wird. Zugleich gerieten die Betriebe durch den Anstieg der Kosten für Futter und Energie unter Druck. Sollte es nicht gelingen, diese Entwicklung aufzuhalten, sei damit zu rechnen, dass insbesondere kleinere Höfe und Betriebe in benachteiligten Lagen aufgeben müssten, prophezeite Schneider bei einem Besuch des Betriebs der Brüder Hofmann im mittelhessischen Hungen.

Landwirt: Futterkosten um etwa 30 Prozent gestiegen

Unter dem Motto „Milchpreise jetzt stabil halten“ hat der Hessische Bauernverband gemeinsam mit anderen Landesverbänden zu einer gemeinsamen Aktion aufgerufen: Dabei geht es darum, Molkereien und Handel für eine Preispolitik zu gewinnen, die es den Bauern ermöglichen soll, aus der Milchproduktion Gewinne zu erzielen. Und man will mit Öffentlichkeitsarbeit die Konsumenten für das Anliegen der Landwirte sensibilisieren. Für Mitte kommender Woche ist außerdem ein zentraler „Aktionstag Milch“ in Berlin geplant.

Eine wachsende Nachfrage, nicht zuletzt als Folge neuer Märkte im Ausland, bei konstanter Menge ließ die Erzeugerpreise seit Ende 2006 schrittweise steigen, von durchschnittlich 28 Cent pro Liter Milch auf 34 Cent. In manchen Regionen wurden durch einen saisonbedingten Zusatzbedarf sogar fast 45 Cent erzielt. Derzeit liegen die Erlöse bei 37 Cent mit leicht fallender Tendenz seit Jahresanfang. Mindestens 40 Cent müssten die Höfe durchschnittlich nach Berechnungen des Bauernverbandes bekommen, um mit der Milchwirtschaft Gewinne „für einen angemessenen Lebensstandard“ erwirtschaften zu können. Ein nicht geringer Teil der höheren Einnahmen aus dem vergangenen Jahr sei durch höhere Produktionskosten bereits wieder aufgezehrt, hieß es gestern.

Der Hungener Landwirt Heiko Hofmann beispielsweise klagt darüber, dass die Futterkosten in den zurückliegenden Monaten um etwa 30 Prozent gestiegen seien. Zurückzuführen ist das nach seinen Angaben vor allem auf die steigende Nachfrage nach Getreide und Mais durch Schwellenländer wie China und Indien, ein immer größerer Teil der Agrarrohstoffe wird aber auch für die Produktion von Autokraftstoffen verwendet. In ähnlichem Umfang seien die Kosten für Strom, Gas, Wasser und Kraftstoff in die Höhe gegangen. Noch weiter verteuerte sich die Milchproduktion auf seinem Hof, wenn er nicht auf mehr als einem Drittel seiner Betriebsfläche Ackerbau betriebe, wovon ein Teil der Ernte für die Versorgung der 250 Milchkühe bereitgestellt werde, sagte Hofmann.

Milchwirtschaft Haupteinnahmequelle der Landwirtschaft

Nach Berechnungen des Bauernverbandes sind die Produktionskosten durchschnittlich um sechs bis acht Cent pro Liter Milch gestiegen. Sollten die Erzeugerpreise wieder auf das Niveau früherer Jahre fallen, plant Heiko Hofmann, die Produktion deutlich zu drosseln, wie er sagt, also auch einen Teil seines Tierbestandes zu veräußern. Die im vergangenen Jahr als Folge der steigenden Preisen geplante Einstellung zusätzlicher Arbeitskräfte hat er nach eigenem Bekunden aufgrund der jüngsten Entwicklung wieder verworfen. Abstriche beim „Kuh-Komfort“, also bei der Zusammensetzung des Futters und der artgerechten Haltung, wollen die Brüder Hofmann aber nicht machen: Die Qualität der deutschen Milch sei ein Pfund, mit dem man auf dem internationalen Markt wuchern könne.

Nach Angaben des Bauernverbandes ist die Milcherzeugung in Hessen seit Ende der achtziger Jahre von rund 1,2 Milliarden auf knapp eine Milliarde Liter im vergangenen Jahr gesunken. Mit einem Jahresumsatz von insgesamt etwas mehr als 330 Millionen Euro zählt die Milchwirtschaft zu den Haupteinnahmequellen der Landwirtschaft. Von knapp 800.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche entfallen etwa 350.000 auf Grünland. Rinderhaltung und Milchwirtschaft prägen nach den Worten des Bauernpräsidenten also das Bild der hessischen Kulturlandschaft. Ein weiterer Rückgang der Tierbestände sei auch im Sinne der Landschaftspflege nicht erstrebenswert.

Der Trend zu größeren Betriebseinheiten und damit zum Rückgang der Zahl der Höfe betrifft die Milchwirtschaft in etwa so wie andere Zweige der Landwirtschaft auch. Mit durchschnittlich drei bis vier Prozent weniger Betrieben pro Jahr liegt Hessen seit Jahren im Bundesdurchschnitt. Ende vergangenen Jahres zählte der Bauernverband rund 4500 Milchviehhalter mit knapp 145.000 Kühen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Wonge Bergmann

 

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