13. März 2008 Im Krankenhaus ausgelaugt und mies bezahlt.“ Dieser Spruch auf einem der zahlreichen von den Medizinern mitgebrachten Plakate und Transparente spiegelte offenbar die Gemütslage der Demonstranten am Donnerstag vor dem Hauptbahnhof in Wiesbaden treffend.
Zum Beispiel Sonja Martenstein: Die Assistenzärztin an den Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken fühlt sich regelrecht ausgebeutet. 1800 Euro netto einschließlich zahlreicher unbezahlter Überstunden – da bekomme manche Reinigungsdame mehr“.
Kundgebung zum Warnstreik
Aufgerufen zu der Demonstration parallel zu Warnstreiks an kommunalen Krankenhäusern hatte der Marburger Bund zum Auftakt der gestern im Wiesbadener Hotel Dorint Pallas begonnenen vierten Verhandlungsrunde mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA). Der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft, Rudolf Henke, zeigte sich erfreut über die beachtliche Resonanz.
Um ihre Forderung nach Gehaltserhöhungen um durchschnittlich 10,19 Prozent und umgehender Angleichung der Ostgehälter an das Westniveau Nachdruck zu verleihen, zogen die Demonstranten gestern auch vor das Tagungshotel. Der Versuch einer Delegation, der Gegenseite vor dem Konferenzraum eine Resolution zu überreichen, schlug fehl.
Verhandlungen hinter verschlossenen Türen
Der Geschäftsführer des VKA, Hartmut Matiaske, ließ sich nur kurz blicken, um mitzuteilen, dass wie immer nur hinter geschlossenen Türen verhandelt“ werde. Die Zurückweisung habe wohl viel mit der Angst vor der Wahrheit zu tun“, mutmaßte der Verhandlungsführer des Marburger Bunds, Lutz Hammerschlag. Ihre Botschaft“ hinterließen die Ärzte daraufhin, mit Klebeband befestigt, an der Tür von Raum Basel“, hinter der die Tarifverhandlung stattfand.
Wie der Geschäftsführer des Marburger Bunds Hessen, Udo Rein, gestern auf Anfrage mitteilte, konnte mit den Berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken schon ein Tarifvertrag abgeschlossen werden, dessen Gehälter für Ärzte zehn Prozent über denen für die Kollegen an kommunalen Krankenhäusern lägen. Dem ärztlichen Nachwuchsmangel müsse man dringend durch bessere Gehälter begegnen, um eine weitere Abwanderung ins Ausland zu verhindern.
Stellen bleiben unbesetzt
Schon jetzt könnten viele Stellen nicht mehr besetzt werden, konstatierte Rein weiter. An den städtischen Kliniken in Frankfurt-Höchst hat Verwaltungsleiter Ralph Freiherr von Follenius solche Sorgen nach eigener Darstellung noch nicht. Doch ist es nach seiner Auffassung nur eine Frage der Zeit, dass auch Krankenhäuser in Städten in ähnliche Nöte gerieten wie in ländlichen Regionen.
Die Höchster Kliniken gehörten zu den zwölf kommunalen Häusern in Hessen, wo gestern aufgrund der Warnstreiks bis nachmittags nur eine Notfallversorgung der Patienten sicher gestellt war. Planbare Operationen indes wurden verschoben. Das muss natürlich wieder aufgeholt werden“, sagte Follenius. Heute werde man daher konkret auswerten, welche Eingriffe und Behandlungen entgegen der ursprünglichen Planungen nicht erfolgt seien.
Tarifsteigerungen bedeuteten freilich, dass diese zusätzlichen Kosten wieder ausgeglichen werden müssten, zum Beispiel durch zusätzliche Leistungen, mehr stationäre Patienten oder Einsparungen, so Follenius. Er wies aber auch darauf hin, dass die Ärzteflucht nicht allein durch mehr Geld aufgehalten werden könne. Ebenso wichtig seien attraktive Arbeitsbedingungen. So werde für die Höchster Kliniken derzeit ein Konzept für mehr Familienfreundlichkeit erarbeitet.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
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