Bistum Limburg

Bischof: Zusammenführung von Gemeinden unumgänglich

Von Stefan Toepfer

09. Mai 2008 Im zweiten Hirtenbrief seiner noch jungen Amtszeit hat der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst deutlich gemacht, dass er die Zukunft der Kirche in größeren Zusammenschlüssen von Gemeinden mit mehr zentralen Gottesdiensten sieht. Zudem solle mit Hilfe von „Pilotprojekten“ herausgefunden werden, wie die Seelsorge in den unterschiedlichen Gegenden des Bistums künftig aussehen könne. Eine Kurzfassung des Hirtenbriefs wird heute und morgen in allen Pfingstgottesdiensten verlesen. Die Langversion wurde vor wenigen Tagen an die Gemeinden verschickt, damit Gottesdienstbesucher sie mitnehmen können; sie liegt dieser Zeitung vor.

Tebartz-van Elst, der seit 110 Tagen im Amt ist, macht klar, dass größere Räume der Seelsorge und Zusammenführungen von Gemeinden „unumgänglich sind“. Er nimmt Bezug auf die Kooperation von Gemeinden in „Pastoralen Räumen“; Regeln dafür waren 2006 erlassen worden. Dieser Weg, zu dem er keine Alternative sehe, solle „konsequent“ fortgesetzt werden, so der Bischof. Einzelne Gemeinden seien „nicht der exklusive Ort von Kirche“. Diese seien in der Vergangenheit theologisch überbewertet worden, und man habe zuviel von ihnen erwartet.

Priesterberuf attraktiver machen

Tebartz-van Elst regt an, in den Pastoralen Räumen auch zu Sonntagsgottesdiensten zusammenzukommen. So könne, wie an gemeinsamen Feiern zu Ostern oder Fronleichnam, deutlich werden, „was uns Christen Gemeinschaft im Glauben bedeutet“. Der Bischof fordert ein stärkeres Bewusstsein für den besonderen Wert der durch den Priester geleiteten Eucharistiefeier. Aus ihr entstehe die Kirche. Es müsse darüber nachgedacht werden, wie und wo die Versammlungen zu jener Feier „eine größere und weitere Ausstrahlung“ finden könnten.

„Beunruhigt“ zeigt sich der Oberhirte von der zurückgehenden Zahl der Priester. Sie müssten entlastet werden, um so mit „geistlicher Ausstrahlung, größerer Gelassenheit und weniger Erwartungsdruck“ den Beruf für junge Menschen attraktiver machen zu können. Insgesamt ermunterte der Bischof alle Priester, Diakone, pastoralen Mitarbeiter und Ehrenamtliche dazu, in der Nachfolge Jesu Christi Prioritäten zu setzen. Auch Jesus habe seine Sendung nicht flächendeckend organisiert.

Neue Modelle für Seelsorge entwickeln

Ausdrücklich würdigt der Bischof die Vielfalt des Bistums, das Städte wie Frankfurt und Wiesbaden genauso umfasst wie ländliche, eher katholisch geprägte Regionen, etwa den Rheingau, oder Diasporagebiete im Norden. Tebartz-van Elst ermuntert dazu, mit Initiativen, die unterschiedlichen Gegebenheiten Rechnung trügen, fortzufahren und in „Pilotprojekten“ beispielhafte Modelle für die Seelsorge zu entwickeln. So zu verfahren, sei „vielversprechend und verträglich zugleich“.

Der Bischof möchte die grundsätzliche Richtung, die er in seinem Brief vorgibt, nun mit den Gremien besprechen, um zu konkreten Schlussfolgerungen zu kommen. Der Hofheimer Pfarrer Reinhold Kalteier hieß es als Sprecher des Priesterrats gut, dass die unterschiedliche Struktur des Bistums berücksichtigt werden solle. In den Diskussionen werde man aber auch „Ängsten“ begegnen, etwa solchen vor Gemeindefusionen. Beatrix Schlausch, die Präsidentin der aus Gemeindevertretern bestehenden Diözesanversammlung, sagte, sie kenne das Hirtenwort nicht und könne noch kein Urteil abgeben.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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