Kriminalität

Weniger Straftaten an videoüberwachten Orten

Von Katharina Iskandar

09. Juli 2008 An videoüberwachten Plätzen in Hessen ist die Kriminalität deutlich zurückgegangen. Das gab Innenstaatssekretärin Oda Scheibelhuber (CDU) bekannt und zitierte zum Beleg den Jahresbericht der hessischen Polizei. 2155 Straftaten wurden im vergangenen Jahr an diesen Orten registriert – 45,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Nach Ansicht Scheibelhubers ist somit erwiesen, dass Videoüberwachung ein „sinnvolles Instrument zur Abschreckung von potentiellen Tätern und ein wirksames Mittel zur Aufklärung von Straftaten“ sei.

Hessen war nach Angaben des Innenministeriums im Jahr 2000 das erste Bundesland, das Überwachungskameras an öffentlichen Straßen und Plätzen installiert hatte. Zehn Videoanlagen mit insgesamt 38 Kameras seien derzeit in Betrieb. Möglicherweise kämen schon bald weitere hinzu, kündigte das Ministerium gestern an.

Stärkste Rückgänge in Frankfurt

Die deutlichsten Rückgänge sind der Statistik zufolge in Frankfurt zu verzeichnen. Im Bahnhofsviertel sanken die Fallzahlen von 2972 auf 1222; dabei ging es zumeist um Rauschgift- und Beschaffungskriminalität. Aber auch Gewaltdelikte wurden im vergangenen Jahr mit Hilfe von Videoüberwachungskameras aufgeklärt oder gar verhindert. Im Oktober hatte ein 25 Jahre alter Mann auf dem Marktplatz in Gießen einen zwei Jahre jüngeren Passanten grundlos zu Boden geschlagen und auf ihn eingetreten. Die Tat wurde gefilmt, der Beamte in der Überwachungs-Leitzentrale reagierte sofort und schickte eine Streife an den Tatort. Der Täter wurde festgenommen, bevor er weiter auf den Geschädigten einschlagen konnte.

Fahndungserfolge wurden auch in anderen Städten erzielt: Am Frankfurter Hautbahnhof beispielsweise war es im Mai 2007 gelungen, die Täter eines Raubes zu identifizieren und festzunehmen. Ein ähnlicher Fall ist aus Hofheim bekannt. Dort war der Tatort selbst zwar nicht überwacht, allerdings konnten die Täter auf ihrer Flucht von den Kameras erfasst und später festgenommen werden.

Dass Kameras auch Straftaten verhindern können, hat sich an der Konstablerwache in Frankfurt gezeigt. Dort wurden im April 2007 zwei Angehörige einer „Skimming“-Bande beobachtet, als sie einen Geldautomaten manipulieren wollten, um später die Bankdaten der Kunden auszuspähen und deren Konten leerzuräumen. Die Täter konnten noch in der Nähe der Bankfiliale festgenommen werden; die Konten der Kunden blieben unberührt.

Polizeisprecher: Daten werden normalerweise alle vier Tage gelöscht

Aus Sicht der Polizei haben sich die kostspieligen Investitionen in die technisch aufwändigen Anlagen längst gelohnt. Dabei will die Polizei keine „flächendeckende Überwachung“, wie ihr Frankfurter Sprecher Jürgen Linker sagt. Das sei auch gar nicht zu leisten, da die gesendeten Bilder rund um die Uhr an jedem Tag im Jahr in der Einsatzzentrale „live“ ausgewertet würden. Nur dann habe die Überwachung von öffentlichen Plätzen auch Sinn.

Allerdings seien die Kameras in Frankfurt ein wichtiger Indikator dafür, was sich auf den Straßen und Plätzen abspiele. Kriminalitätsschwerpunkte würden erkannt, dementsprechend könne man die Kräfte einsetzen. „Videoüberwachung ist ein Teil des Sicherheitskonzepts“, sagt Linker. „Täter wollen anonym bleiben und nicht bei ihren Taten durch die Polizei beobachtet werden.“

Aufgezeichnet wird alles, was sich rund um die Anlagen abspielt, gespeichert werden dürfen die Daten nach dem Hessischen Sicherheits- und Ordnungsgesetz aber nur maximal zwei Monate lang – es sei denn, die Bilder dienen als Beweismittel einer begangenen Straftat oder Ordnungswidrigkeit, wie Linker sagt. Im Normalfall würden die Aufnahmen alle vier Tage automatisch gelöscht.

Überwachung wird ausgeweitet

Die Technik der öffentlichen Überwachungskameras ist ausgefeilt. Bis auf etwa einen Meter können die Beobachter im Polizeipräsidium an einen Menschen oder einen Gegenstand heranzoomen. Somit hat die Polizei die Möglichkeit, auch Detailbilder festzuhalten, die später für die Beweissicherung wichtig sein können.

Eine Situation wie in London, wo der gesamte öffentliche Raum videoüberwacht ist, wird es nach Ansicht von Fachleuten in Städten wie Frankfurt nicht so schnell geben. Fest steht aber schon jetzt, dass die Überwachung ausgeweitet wird.

Nach Angaben von Thorsten Neels, Sprecher des Innenministeriums, ist das Land derzeit mit 33 Kommunen im Gespräch. Auch in Frankfurt ist dem Vernehmen nach das Anbringen weiterer Kameras geplant; wo genau, ist noch nicht entschieden. Wünschenswert wären aus Sicht der Polizei jedoch die Hauptwache, der Schweizer Platz und der Bahnhof Höchst.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Frank Röth

 

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