Hessen

Gelebter Denkmalschutz in sanierten Gebäuden

18. Juli 2008 „Der Kauf des Bürgerhauses war für uns wie ein Rubbellos: Wir wussten nicht, was dabei herauskommt“, sagte Birgitta Söling scherzhaft bei der Verleihung. Das von den Eheleuten Söling sanierte Bürgerhaus erhielt vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen als Anerkennung für die vorbildliche Aufwertung des Gebäudes einen Geldpreis von 5000 Euro. „Der eigentliche Preis ist für uns das Haus und dessen Charme selbst“, sagte Söling nach der Preisverleihung.

„Mit diesem Preis werden Vorbilder für denkmalpflegerische Methodik und ehrenamtliches Engagement gewürdigt“, sagte Staatsministerin Silke Lautenschläger (CDU) vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen, Heinz-Georg Sundermann, zeichnete sie die Gewinner des Hessischen Denkmalschutzpreises 2008 aus.

Lili-Tempel in Offenbach erhält Preis

Dank des besonderen Engagements und der Risikobereitschaft der Eheleute Söling sei es möglich geworden, ein für Geisenheim-Johannisberg bedeutendes Gebäude zukunftsfähig zu machen, sagte Gerd Weiß, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege. Eineinhalb Jahre und 500.000 Euro seien nötig gewesen, um das um 1560 errichtete Haus für ihre fünf Mitglieder starke Familie bewohnbar zu machen, sagte Söling. Trotzdem bereue sie den Kauf des Hauses auf keinen Fall, da es für ihren Mann und sie schon immer ein Traum gewesen sei, in einem „alten Schmuckstück“ zu wohnen.

Für die Holzbalkendecken seien bei der Sanierung verschiedene Sicherungsmaßnahmen nötig gewesen, an den Fachwerkaußenwänden seien die ursprüngliche Profilierung der Stockwerksschwelle sowie Zierformen an der Brüstung rekonstruiert worden. Die Familie Söling handelte durch die Sanierung des zum Zeitpunkt des Kaufes stark beschädigten Anwesens ganz im Sinne von Staatsministerin Lautenschläger. „Denkmalschutz muss erlebbar werden“, sagte sie in ihrer Rede und lobte das große ehrenamtliche Engagement derer, die sich hierfür einsetzen. Der Hessische Denkmalschutzpreis setze Maßstäbe und schule das öffentliche Bewusstsein für den Wert unseres kulturellen Erbes, hob auch Weiß hervor.

Ein weiterer Preisträger war der am Mainufer gelegene Lili-Tempel in Offenbach. Mit einem Geldpreis und einer Urkunde wurden vor allem die aufwendigen Stuckarbeiten an dem 1798 errichteten Gebäude lobend anerkannt. Im Lauf der Jahre sei das Gebäude zunehmend verfallen, äußerte Weiß. So habe beispielsweise die zerstörte Kuppel über der Rotunde rekonstruiert werden müssen. Der Lili-Tempel verdankt seinen Namen Lilli Schönemann, der damaligen Verlobten Johann Wolfgang von Goethes. Im Garten des Anwesens fand das erste Treffen der beiden jungen Leute statt.

Schloss Fechenbach nach zehn Jahren renoviert

Weitere Anerkennungen und ein Preisgeld erhielten das Gebäude Herrenhaus und Kavaliersbau in Fronhausen und die Henkelsche Villa in Kassel. Mit Urkunden ausgezeichnet wurden der Sandberghof in Darmstadt, eine Grundschule in Hofheim-Marxheim im Main-Taunus-Kreis, die Untere Mühle im Wattertal, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Schlagdscheunen in Wanfried und das Dieburger Schloss Fechenbach selbst, wo die Preisverleihung stattfand.

Der aus dem 18. Jahrhundert stammende Sandberghof in Darmstadt wurde für das wegweisende Projekt „Wohnen im Alter in einem Denkmal“ gewürdigt. Fünf ältere Ehepaare wohnen seit Anfang 2007 in dem Gebäude. Der Sandberghof gehörte somit zu den dieses Jahr besonders gewürdigten Projekten, die aufgrund ihres zukunftsfähigen Umnutzungskonzeptes ausgezeichnet wurden. Die ebenfalls prämierte Grundschule in Hofheim-Marxheim glänzte vor allem, weil der historische Baubestand herausgearbeitet wurde. Dadurch sei eine neue Identifikation mit dem Schulgebäude gelungen, äußerte Weiß.

Schloss Fechenbach in Dieburg wurde unter anderem für die Rekonstruierung der vielen historischen Raumfassungen während der fast zehnjährigen Renovierungszeit gelobt. „Die Sanierung gestaltete sich spannend wie ein Krimi“, sagte Weiß. Trotz intensiver Voruntersuchung und Sanierungsplanung habe es die eine oder andere Überraschung gegeben. So lieferten beispielsweise archäologische Grabungen im Keller Aufschlüsse über Vorgängerbauten und Subkonstruktionen aus der Renaissance. Die Sanierung habe sich, wie bei den meisten der ausgezeichneten Objekte, am historischen Befund orientiert, berichtete Weiß.

Lob für persönliches Engagement

Lautenschläger hob am Ende der Veranstaltung das Engagement der Preisträger hervor: „Sie haben mit Ihrem persönlichen Engagement etwas geschaffen, an dem nicht nur Sie Freude haben, sondern von dem auch die Öffentlichkeit profitiert, denn die Pflege der Denkmäler ist in gesamtgesellschaftlichem Interesse“, sagte die Ministerin.



Text: pbar., F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Michael Kretzer

 
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