Von Werner D'Inka
05. Dezember 2008 Sechs Wochen vor der hessischen Landtagswahl haben CDU und FDP zusammen einen deutlichen Vorsprung vor Rot-Grün. Die CDU liegt bei 41 Prozent, die FDP kommt auf zwölf Prozent. Die SPD ist auf 26 Prozent gefallen. Das wäre der tiefste Stand seit 1946. Die Grünen erreichen zwölf Prozent, die Partei Die Linke“ liegt bei fünf Prozent.
Dieses Stimmungsbild hat die Forschungsgruppe Wahlen für diese Zeitung und für den Sender Hitradio FFH ermittelt. Allerdings bergen die Zahlen noch reichlich Unsicherheit. Nur 51 Prozent der Befragten sagen, sie seien sich ihrer Wahlentscheidung schon sicher. 49 Prozent wissen noch nicht, ob und wenn ja wen sie am 18. Januar wählen werden. Bei der Landtagswahl am 27. Januar dieses Jahres hatten die CDU mit 36,8 und die SPD mit 36,7 Prozent praktisch gleichauf gelegen. Die FDP hatte 9,4 Prozent erzielt, die Grünen waren auf 7,5 Prozent gekommen, und die Linke hatte mit 5,1 Prozent den Einzug in den Landtag geschafft.
Schäfer-Gümbel kennen viele nicht
Gefragt, wen sich die Hessen als Ministerpräsidenten wünschen, sprechen sich 41 Prozent für den Amtsinhaber Roland Koch (CDU) aus und 34 Prozent für den SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel. Neun Prozent wollen weder den einen noch den anderen in der Staatskanzlei sehen, und elf Prozent können sich nicht entscheiden, weil sie Schäfer-Gümbel kaum kennen. Etwa drei von vier Wahlberechtigten können auf die offene Frage nach dem CDU-Spitzenkandidaten den Namen Koch nennen. Dagegen wissen derzeit nur 38 Prozent, dass Thorsten Schäfer-Gümbel die SPD-Liste anführt. Sieben Prozent nennen andere Namen, und 55 Prozent können keine Antwort geben. Auffallend ist, dass nur 37 Prozent der SPD-Anhänger den sozialdemokratischen Spitzenkandidaten kennen.
Ungefähr zwei Drittel der Befragten erwarten, dass die CDU mit Koch die Landtagswahl gewinnen wird, weitere zehn Prozent rechnen mit einem Wahlsieg von CDU und FDP. Nur sieben Prozent glauben, dass die SPD und Schäfer-Gümbel es schaffen können. Vor der Landtagswahl im Januar dieses Jahres hatten nur 44 Prozent mit einem CDU-Wahlsieg und weitere sechs Prozent mit einem gemeinsamen Erfolg von CDU und FDP gerechnet, aber 30 Prozent hatten seinerzeit angenommen, die SPD werde mit ihrer Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti obsiegen.
Wie seit Jahren wird Koch eher geachtet als geliebt. Auf der Skala von plus fünf bis minus fünf erhält er wie vor elf Monaten den Mittelwert 0,0. Über Schäfer-Gümbel trauen sich 45 Prozent der Befragten kein Urteil zu, weil sie ihn nicht oder kaum kennen. Bei jenen, die ihn benoten, kommt er auf den Wert 0,1.
Geradezu ins Bodenlose gefallen ist die hessische SPD-Vorsitzende Ypsilanti. Nachdem sie im Januar mit 1,1 eingestuft worden war, dem damals besten Wert aller Spitzenkandidaten, erhält sie jetzt mit minus 2,2 eine verheerende Note. Selbst von SPD-Anhängern wird sie mit minus 0,1 bewertet. Zudem finden es sieben von zehn wahlberechtigten Hessen gut, dass Ypsilanti nicht Ministerpräsidentin geworden ist, nur jeder Vierte bedauert es. Gespalten sind die SPD-Anhänger: Im Unterschied zu den Parteifunktionären findet es nur jeder zweite SPD-Wähler schade, dass Ypsilanti ihr Ziel nicht erreichte, was die 95-Prozent-Zustimmung zu ihrem Kurs auf Parteitagen nachträglich als Inszenierung erscheinen lässt, mit der Freund und Feind beeindruckt werden sollten.
Renommeegewinn für die Grünen
Bei der Bewertung der Parteien (Halte sehr viel von ... /halte nichts von ...“) fällt vor allem die Verschlechterung bei der SPD auf. Während sie zu Anfang des Jahres noch mit 0,9 bewertet wurde und damit das beste Ansehen aller hessischen Landesparteien genoss, hat sich die Note mit minus 0,6 jetzt ins Negative gedreht. Dagegen sind die Veränderungen bei der CDU eher gering: Nach 0,4 im Januar erhält sie jetzt einen etwas besseren Durchschnittswert von 0,6. Die FDP wird nach 0,2 im Januar nun mit 0,3 eingestuft. Einen deutlichen Renommeegewinn gibt es für die Grünen: Im Januar noch mit 0,0 beurteilt, kommen sie jetzt auf 0,5. Dass die Grünen fast genauso gut wie eine der großen Volksparteien bewertet werden, ist ein Novum sowohl in Hessen als auch in anderen Bundesländern. Vergessen scheint, dass nicht nur Ypsilanti und die SPD bereit waren, mit der Linkspartei zu paktieren, sondern auch die Grünen. Noch schlechter als am Jahresanfang wird jetzt die Linke in Hessen bewertet, sie fällt auf minus 2,7.
Wenn Koalitionspräferenzen abgefragt werden, liegt ein CDU/FDP-Bündnis vorn. 47 Prozent fänden Schwarz-Gelb gut, 34 Prozent sind dagegen. Über eine rot-grüne Koalition äußern sich 41 Prozent zustimmend und 43 Prozent ablehnend. Eine große Koalition fände nur eine Minderheit von 35 Prozent der Hessen gut, 44 sind nicht dafür zu begeistern. Auf die stärkste Ablehnung stößt Rot-Grün-Rot: Fast drei Viertel (71 Prozent) der Befragten sind dagegen. Nur 14 Prozent fänden eine solche Koalitionsregierung gut.
85 Prozent der hessischen Wahlberechtigten sind erleichtert, dass es zu Neuwahlen kommt, nur 13 Prozent lehnen sie ab. Besonders hoch fällt die Zustimmung bei den Anhängern von CDU (94 Prozent) und FDP (95 Prozent) aus, aber auch bei den Anhängern der SPD (82 Prozent), der Grünen (72 Prozent) und der Linkspartei (61 Prozent) überwiegt die Zustimmung.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.