Deutschlands größte Schule

Auch ein deutsch-französisches Abitur können Schüler machen

Sportanlage, Schwimmbad, Sternwarte: Schüler an der Kopernikusschule in Freigericht haben eine große Auswahl

Sportanlage, Schwimmbad, Sternwarte: Schüler an der Kopernikusschule in Freigericht haben eine große Auswahl

03. August 2008 An der Kopernikusschule in der Main-Kinzig-Gemeinde Freigericht ist vieles anders – vor allem umfangreicher. Die Schulbusse sind 23 Meter lang und nennen sich neudeutsch Bus-Trains. Wenn man sich die ganze Schule anschauen möchte, können gut und gerne zweieinhalb Stunden vergehen. Zeit brauchen die Pädagogen auch für den Stundenplan für das neue Schuljahr: Vier Lehrer sind am Ende der Sommerferien eine Woche lang mit der Feinarbeit beschäftigt, nachdem die spezielle Computersoftware bereits die grobe Vorarbeit geleistet hat. Kein Wunder: In Freigericht steht die größte allgemeinbildende Schule Deutschlands.

Knapp 2.500 Schüler besuchen die Kooperative Gesamtschule, die Haupt- und Realschüler, Gymnasiasten und Oberstufenschüler unter ihrem Dach vereinigt. Warum die größte Schule Deutschlands ausgerechnet in einer 15.000-Einwohner-Gemeinde im ländlichen Ausläufer des Spessarts an der Grenze zu Bayern steht, hängt mit dem großen Einzugsgebiet von rund 20 Kilometern im Umkreis zusammen. Es erstreckt sich über weite Teile des Main-Kinzig-Kreises bis zur Wetterau. Die Kopernikusschüler kommen aus zwölf Schulen. „Die Eltern und Schüler stimmen trotz aller Steuerungspolitik mit den Füßen ab. Wir sind trotz rückgängiger Geburtenzahlen stetig gewachsen. Unser Angebot stimmt offenbar“, sagt Schulleiterin Anna-Maria Dörr.

Chinesisch im Angebot

Die 1971 eingerichtete Kopernikusschule ist seit 1992 eine von Hessens ersten Europaschulen. In ihr werden neben dem üblichen Unterricht Kurse mit internationaler Ausrichtung angeboten. So wird unter anderem auch bilingualer Fachunterricht erteilt. Sechs Fremdsprachen sind im Angebot, sogar Chinesisch. „Die Eltern legen besonderen Wert auf die Sprachenvielfalt, eine Nachmittagsbetreuung und das Essen in der Mensa für die Schüler“, zählt der stellvertretende Schulleiter Karl Bedenk die Pluspunkte auf.

Auch Hessens geschäftsführender Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) überzeugte sich bereits von dem breiten Angebot. Ein erfolgreiches Modell sei das, sagte er, nachdem er zuvor leise Zweifel an der Funktionalität eines solchen Großsystems gehegt hatte. Größe heiße ja auch nicht zwangsläufig Anonymität und fehlende Förderung des Einzelnen, betont Dörr. Für das Ministerium sei die Kopernikusschule zudem auch noch preiswert. Bei der großen Schülerzahl könnte man eigentlich zwei Schulen daraus machen – mit zwei Verwaltungen, die Geld kosten würden.

Die Kopernikusschule bietet so viele Möglichkeiten, dass selbst der größte Lern-Muffel begeistert wäre. Es gibt eine riesige Sportanlage, ein Schwimmbad, eine eigene Bibliothek, ein Fotolabor und sogar eine Sternwarte. Das Unterrichtsprogramm strotzt vor Vielfalt. In der Mittelstufe des Gymnasialzweigs gibt es sogenannte Neigungsklassen. In denen wird zum Beispiel Erdkundeunterricht in englischer Sprache gegeben. Des Weiteren gibt es Klassen mit kulturwissenschaftlichen, gesellschaftswissenschaftlichen oder auch mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkten. In der Oberstufe können die Eleven auch das „AbiBac“ machen – ein deutsch-französisches Abitur. Mit Schüleraustauschprogrammen ist die Schule in 22 Ländern aktiv.

„Große Schülerzahl stärkt soziale Kompetenz“

Die Schulgröße bietet nach den Worten des Direktoriums viele Vorteile. Die Schüler könnten in den einzelnen Zweigen problemloser wechseln, bei Lehrermangel können sich die Zweige in der Mittelstufe aushelfen. „Die große Schülerzahl ist auch dienlich, um die sozialen Kompetenzen zu stärken. Etwa wenn Gymnasiasten auf Hauptschüler auf dem Hof oder bei Arbeitsgemeinschaften treffen“, sagt die Leiterin Dörr. Die Absolventen der Schule sind bei großen Firmen beliebt. „Egal ob Fraport, Degussa oder der Edelmetalltechnologie-Konzern Heraeus in Hanau – bei den Personalabteilungen sind die Schüler gern gesehene Bewerber“, berichtet Bedenk.

Freilich läuft auch an der Kopernikusschule nicht alles wie geschmiert. Wegen der großen Schülerzahl sei es immer wieder eine neue Herausforderung, den Informationsfluss zwischen der Schule und den knapp 190 Lehrern sowie Eltern und Schülern einwandfrei zu gewährleisten.

Text: FAZ.NET mit lhe
Bildmaterial: dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

2 Wochen gratis testen!Möchten Sie die F.A.Z. oder die Sonntagszeitung erstmal kennenlernen? Kostenlos und unverbindlich 2 Wochen testen.

In 
Anzeigen des Monats
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche